Rechtsextremismus in Bayern


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Proteste gegen Flüchtlinge Rechtsextreme geben sich bürgernah

Der Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland, der im Jahr 2014 einen neuen Rekordwert erreicht hat, weckt in Teilen der Bevölkerung großen Unmut. Rechtsextreme sehen hier eine Chance. Sie versuchen, die Stimmung für sich zu nutzen.

Stand: 04.03.2015 | Archiv

In der Mitte der Gesellschaft gab es für Rechtsextreme in Bayern lange Jahre nichts zu holen. Das ändert sich nun offenbar. In Zeiten immer neuer Flüchtlingsrekorde bröckelt die Mauer, die die sogenannte Mitte um sich gezogen hat. Viele Ansichten der rechten Kreise gelten plötzlich als salonfähig, Denkverbote gibt es mancherorts keine mehr.

Flugblatt der rechtsextremen Partei "Der III: Weg"

Eine neue Taktik: Bewohner in den betroffenen Gemeinden und Städten gezielt gegen Flüchtlingsunterkünfte zu mobilisieren. So verteilten die Rechten Flugblätter wie "Asylmißbrauch in Deutschland endlich stoppen" und veröffentlichten Informationsschriften im Internet mit juristischen Hinweisen, wie sich ein Asylbewerberheim möglicherweise verhindern lässt.

Online-Hetze gegen Flüchtlinge

Dem Journalisten Jan Nowak zufolge betreibt die neonazistische Szene vor allem in Teilen Niederbayerns und der Oberpfalz ihre Hetze gegen Asylbewerber und Flüchtlinge. Eine besonders perfide Strategie der Rechtsextremen in ihrem Vorgehen gegen Asylbewerber sei, in gezielten E-Mails PDF-Dateien mit Karten anzuhängen, in denen sämtliche Orte mit Flüchtlingsheimen aufgeführt werden. Dabei schrecken die rechten Agitatoren auch nicht davor zurück, Unterkünfte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzulisten. Solche spreche den "Ottonormalrassisten" an, so Nowak, um gegen einen vermeintlichen Flüchtlingsstrom aktiv zu werden. Dabei stoßen die Rassisten offenbar auf fruchtbaren Boden. "Hetze gegen Flüchtlinge ist durchaus gesellschaftsfähig, die haben nicht allein die Neonazis gepachtet", so Nowak.

Publizistisch auf Publikumsfang

Die Szene versucht demnach auch, mithilfe neuer Zeitschriftenprojekte auf sich aufmerksam machen. So befasst sich etwa das scheinbar unverfängliche und bürgernah anmutende Heft "Umwelt & Aktiv" mit Umweltschutz, Tierschutz und Heimatschutz. Fast beiläufig wird am Rande etwa das Schächten als fehlerhaftes Verhalten von Juden und Muslimen gebrandmarkt. Das Gefährliche solcher Publikationen sei, so Nowak, dass sie auch Menschen erreicht, "die nicht am Rande der Gesellschaft stehen" und eigentlich nichts mit extremen Rechten zu tun haben. Bisher verborgene rassistische Vorstellungen und Grundhaltungen werden auf diesem Weg aber geweckt oder erzeugt.


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