Rechtsextremismus in Bayern


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Rechtsextremismus in Bayern Hakenkreuz-Schmierereien und Nazi-Aufkleber

Neonazis waren in Bayern schon immer besonders aktiv. Zuletzt haben Straftaten von Rechtsextremisten deutlich zugenommen – sie sind in Bayern schon fast Alltag. Hier ein Überblick über die letzten Monate.

Von: Thies Marsen

Stand: 23.07.2015

Hakenkreuz ist an einer Hauswand in Vorra zu sehen | Bild: picture-alliance/dpa

"Hof – Unbekannte haben das Anwesen des Oberbürgermeisters Harald Fichtner mit Hakenkreuzen beschmiert. (…) Ähnliches gab es in der Region schon an einem Asylbewerberheim und gegenüber einer jüdischen Synagoge."

BR-Hörfunknachrichten

Ende März 2015 gerät erstmals in Bayern ein Kommunenchef ins direkte Visier von Neonazis: Hofs Oberbürgermeister Fichtner. Die Hakenkreuzschmierereien an seinem Anwesen sind aber nur der Höhepunkt einer ganzen Serie ähnlicher Vorfälle – in Oberfranken und darüber hinaus: Eine Nacht später schlagen Neonazis in Weißenburg in Mittelfranken zu, besprühen die Fassade des Gymnasiums mit Nazisymbolen.

Auch im oberbayerischen Murnau wird das Gymnasium Ziel einer rechtsextremistischen Sprüh-Attacke, in Baar-Ebenhausen trifft es das alte und das neue Bahnhofsgebäude. Und nahe Dachau wird die Gedenkstätte Hebertshausen, wo die SS Tausende russische Kriegsgefangene niedermetzelte, mit einem Hakenkreuz geschändet. Alles nur Dumme-Jungen-Streiche? Wohl kaum. Das Hakenkreuz steht für Vernichtung und Massenmord – deutlicher kann man eine Drohung kaum aussprechen.

Von der Drohung zur Gewalt - Angriffe auf politische Gegner


Roland Dörfler ist stellvertretender Bürgermeister von Pfaffenhofen an der Ilm. Als er sich Anfang Juni öffentlich für den Bau der neuen Moschee in seiner Stadt ausspricht und den Vorsitzenden einer islamfeindlichen Partei verbal attackiert, hagelt es Hassmails. In anderen Fällen bleibt es nicht bei verbaler Gewalt: Neonazi-Gegner werden immer öfter direkt angegriffen: im mittelfränkischen Schwabach zerstören Unbekannte das Auto der örtlichen Sprecherin der "Initiative gegen Rechtsextremismus".

Ein Brennpunkt ist Bamberg: Anfang Mai werfen Unbekannte einen Gullydeckel in die Schaufensterscheibe eines linken Studentenclubs. Kurz darauf greifen vermummte Neonazis dort eine Info-Veranstaltung über Rechtsextremismus an – die Polizei muss einschreiten. Mitte Mai wird ein linker Jugendlicher von einem Rechtsextremen nachts beschimpft und krankenhausreif geschlagen.

 Braune Brandanschläge – Flüchtlingsunterkünfte im Visier

Polizei nach dem Brandanschlag von Vorra am Brandort | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Brandanschlag Vorra Bislang kein Zusammenhang zu Reichertshofen

Die Nürnberger Soko "Vorra" steht in Kontakt zu den Ermittlern im oberbayerischen Reichertshofen. Sie sucht nach Schnittmengen bei den beiden Brandanschlägen. Für Vorra gibt es noch keinen Durchbruch. [mehr]


In Vorra bei Nürnberg ging die geplante Flüchtlingsunterkunft vergangenen Dezember in Flammen auf. 175 Angriffe auf Flüchtlingsheime haben die Behörden 2014 gezählt, im ersten Halbjahr 2015 waren bereits mehr als 173 - auch in Bayern. So wirft Anfang Mai ein Unbekannter einen Molotow-Cocktail auf ein bewohntes Heim im niederbayerischen Wallersdorf – glücklicherweise richtet der Brandsatz keinen größeren Schaden an.

Im Reichertshofener Ortsteil Winden, südlich von Ingolstadt wird Anfang Juli ein ehemaliger Gasthof angesteckt, in den Asylbewerber einziehen sollen, er wird teilweise zerstört. Wenige Tage später entgehen Flüchtlinge in Waldaschaff bei Aschaffenburg knapp einer Katastrophe: In der Garage ihrer Unterkunft geht mitten in der Nacht ein Papiercontainer in Flammen auf - ein Passant entdeckt das Feuer und verhindert Schlimmeres. Noch hat es keine Tote gegeben.


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