BR24

                       

22

Franken und Oberpfalz 300 gegen Rechts

Wenn in Ansbach die NPD keinen Saal für eine Wahlveranstaltung bekommt oder ein Bamberger Gasthof kein Bier an Neonazis ausschenkt, dann hat das auch etwas mit der "Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg" zu tun. Das Bündnis aus inzwischen fast 300 Kommunen und Initiativen wurde 2009 gegründet - gegen die in Franken und in der Oberpfalz besonders regen Aktivitäten der Braunen.

Von: Ernst Eisenbichler und Jonas Miller

Stand: 12.01.2016 | Archiv

Nürnberg, 1. August 2012: Protest gegen Neonazi-Kundgebung | Bild: picture-alliance/dpa

Die Länge des Namens der Organisation korrespondiert mit der stattlichen Zahl ihrer Mitglieder: 309 sind es schon - 142 Kommunen und 167 Initiativen aus der Oberpfalz sowie Ober- und Mittelfranken. Das lässt darauf schließen, dass in diesen Gegenden Neonazis besonders aktiv sind. "Wir haben leider in der Metropolregion Nürnberg - geschichtlich gesehen - eine breite Zustimmung zum Nationalsozialismus", bestätigt Doris Groß, Leiterin der Geschäftsstelle der Allianz gegen Rechts.

Während die NPD bei der Landtagswahl 2013 in Bayern insgesamt deutlich verloren hat, konnte sie in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken und Oberpfalz ihr Ergebnis von 2008 in etwa halten. Dort haben sich auch aktive Kreisverbände und Stützpunkte der rechtsextremen Parteien "Der dritte Weg" und "Die Rechte" eingenistet. Bei den Kommunalwahlen 2014 erreichte die NPD-Tarnliste "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA) erneut zwei Mandate fürs Nürnberger Rathaus.

Idol NSU

Ehemalige Nürnberger Imbissbude von Ismail Yasar, der mutmaßlich von der NSU-Terrorzelle ermordet wurde

Dabei trete die Kameradschaftsszene deutlich radikaler, aggressiver und selbstbewusster auf als die NPD, so Groß - insbesondere nach dem Bekanntwerden der von Rechtsextremen zum Idol stilisierten NSU-Terrorzelle, der allein in Nürnberg drei Morde an Migranten angelastet werden. Es habe mehr Nazi-Schmierereien gegeben, mehr Sachbeschädigungen, mehr Attacken auf Personen. Die Szene habe sich selbst regelrecht öffentlich zelebriert.

Grillen mit Nazis

Kameradschaften in Weißenburg oder Gunzenhausen, Sommerfest im oberpfälzischen Berching, Rechtsrock-Konzert im beschaulichen Scheinfeld in Mittelfranken - eine neuere Entwicklung sei, so Groß, dass sich Neonazis auf kleine Gemeinden konzentrieren, "weil sie dort mit weniger Gegenwehr rechnen" und "Interessierte heranziehen wollen". "Die Jugendlichen werden dort von Neonazis gezielt abgeholt, um sie - zum Beispiel bei Wochenend-Grillfesten - an ihre Ideologie zu gewöhnen. Das ist heutzutage auch leider deswegen leichter möglich, weil sich Bund und Kommunen immer mehr aus der Jugendarbeit herausziehen", beobachtet Groß.

Allianz für Aufklärung ...

Gräfenberg, Dezember 2007: Bürger demonstrieren gegen einen NPD-Aufmarsch.

Die hohe Zahl der Mitglieder der Allianz gegen Rechts zeigt auch, dass immer mehr Kommunen offen mit dem Thema umgehen und nicht unter den Teppich kehren. Das entspricht dem Credo der Allianz: "Augen zu, dann gehen die Neonazis schon, funktioniert nicht. Wir müssen in die Öffentlichkeit gehen, ein breites Bündnis mit Bürgermeistern und Initiativen schaffen. Und wir dürfen nicht nur reagieren, wir müssen eine aktive Rolle spielen", sagt Groß.

... gegen Bauernfängerei

Gastro-Initiative der Allianz gegen Rechts: Info-Broschüre für Gastwirte und Hoteliers

Dementsprechend sieht die Allianz gegen Rechts eine ihrer Hauptaufgaben in der Prävention, in der Früherkennung von Rechtsextremismus - gerade weil sich Neonazis zunehmend als Biedermeier tarnen, etwa zur Freiwilligen Feuerwehr gehen oder in Elternbeiräte gewählt werden wollen. "Diese Strategien sind gefährlich. Angesichts solcher Bauernfängereien müssen wir die Augen öffnen", mahnt Groß. Erfolge bei der Aufklärungsarbeit gibt es: So werden immer mehr engagierte Bürger mobilisiert, um gegen Neonazi-Veranstaltungen zu demonstrieren. Gastwirte konnten für die Initiative "Kein Platz für Rassismus! Wir zeigen Zivilcourage" gewonnen werden, sie verweigern Rechtsextremen die Hinterzimmer für Wahlkampf- und Strategietreffen.

Info

Nach massiven Neonazi-Aufmärschen in Wunsiedel, Gräfenberg und anderen nordbayerischen Orten wurde 2009 die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg gegründet - auf Initiative des Menschenrechtsbüros und der "Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken, Ansbach Stadt und Kreis". Es besteht aus einem fünfköpfigen Vorstand und einem Koordinierungsgremium mit 20 Vertretern aus verschiedenen Kommunen und Institutionen. Der Vorsitzende der Allianz gegen Rechts ist Stephan Doll, Vorsitzender des DGB in der Region Mittelfranken.


22