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Rechtes Netzwerk an Bundeswehr-Uni München? Studenten mit Rechtsdrall

Mehrere Studenten der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München sollen Verbindungen zu einer rechtsextremen Gruppierung haben. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ermittelt.

Von: Thies Marsen, Johanna Kempter

Stand: 19.05.2017

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ermittelt derzeit offenbar gegen vier Studenten der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München wegen Verbindungen zur rechtsextremen "Identitären Bewegung". Das wurde jetzt aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestages bekannt. Die im Raum stehenden Vorwürfe wiegen schwer, stellen die internen Kontrollmechanismen der Bundeswehr erneut in Frage und treffen ausgerechnet eine Einrichtung, an der die Truppe ihren Offiziersnachwuchs ausbildet.

MAD ermittelt gegen insgesamt elf Bundeswehrsoldaten

Die Bundeswehr-Universität bestätigte dem BR, dass der MAD derzeit gegen Studenten der Hochschule ermittelt. Anzahl und Inhalt der Ermittlungen wurden nicht kommentiert. Die Uni verwies auf ein laufendes Verfahren, dessen Ergebnisse man erst abwarten wolle. Auch vom MAD gibt es bisher keine Einzelheiten zu dem Fall.

Insgesamt hat der MAD offenbar elf Bundeswehr-Angehörige im Visier, von denen einige Kontakte zur schon erwähnten Identitären Bewegung haben, andere zur Burschenschaft "Danubia"; im Verfassungsschutzbericht Bayerns von 2015 wird diese Burschenschaft wegen Verbindungen zur rechtsextremen Szene erwähnt. Die "Identitäre Bewegung" ist eine Gruppierung mit französischen Wurzeln, die seit 2012 auch in Deutschland aktiv ist. Sie warnt vor einem "Verlust der eigenen Identität durch Überfremdung".

"Wer an fremdenfeindlichen Aktionen teilnimmt und verfassungsfeindliche Initiativen unterstützt, hat in einer Organisation wie der Bundeswehr absolut gar nichts verloren und beschädigt massiv das Ansehen aller Soldatinnen und Soldaten. Ursula von der Leyen muss auch selbst erklären, warum man diesem rechten Treiben derart tatenlos zugeschaut hat."

Agnieszka Brugger, MdB, Verteidigungsexpertin von Bündnis90/Die Grünen

Bundeswehr: Wir brauchen Beweise

Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Jens Flossdorf, bestätigt die Ermittlungen des MAD. Selbsterständlich hätten extremistische Tendenzen bei der Bundeswehr nichts zu suchen. Um Konsequenzen zu ziehen, seien allerdings eindeutige Beweise nötig, sagte Flossdorf. Erst bei eindeutigem Extremismus dürfe die Bundeswehr personalrechtlich und disziplinarrechtlich tätig werden. Anderfalls seien "solche Ansichten in einer demokratischen Armee auszuhalten".

Studierende Soldaten immer wieder auffällig

Studenten der Hochschule machten in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen wegen rechter Umtriebe. Bereits vor einem halben Jahr berichtete der Bayerische Rundfunk über Kontakte eines Absolventen der Bundeswehr-Uni zur rechtsextremen "Identitären Bewegung": Felix S., damals Bundeswehroffizier in der Oberpfalz. Nach den BR-Berichten nahm der MAD zwar interne Ermittlungen auf, offenbar gab es jedoch keine Konsequenzen – und das obwohl Felix S. schon damals kein Unbekannter war.

Schon in seiner Zeit als Student an der Bundeswehruniversität sorgte er für Aufsehen, weil er gemeinsam mit anderen rechtslastigen Soldaten die Studentenzeitung übernahm und darin neurechte Thesen verbreitete. Versuche der Universitätsleitung, die rechte Kaperung der Studentenzeitung zu verhindern, scheiterten damals an der Studierendenschaft, die sich mit großer Mehrheit hinter die rechten Redakteure stellte.

Komplize von Franco A.?

Nach BR-Informationen studierte zu dieser Zeit an der Bundeswehr-Universität auch der inzwischen inhaftierte Oberleutnant Maximilian T. - ein mutmaßlicher Komplize des terrorverdächtigen Franco A.. Diesem wird vorgeworfen, sich als syrischer Flüchtling ausgegeben zu haben, um Anschläge zu verüben.

Ein weiteres brisantes Detail erfuhr die dpa aus Parlamentskreisen: Demnach soll sich einer der verdächtigen Neubiberger Studenten am Truppenstandort Munster aufgehalten haben, als dort vor einem Vierteljahr Schusswaffen und Munition aus einem Panzer gestohlen wurden. Der MAD verfolgt zudem Hinweise auf ein Telefonat zwischen ihm und Franco A.. Ob es sich bei dem Verdächtigen um Felix S. handelt, das ist noch unklar.


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Demokrat, Freitag, 19.Mai, 19:01 Uhr

11. Braune Soße

Wölfe im Schafspelz, die Kreide gefressen haben, um nicht aufzufallen, wäre ja "Extremismus". Da frage ich mich, welchen Werten da gedient wird und ob die Offiziersfabrik nicht ungemein attraktiv für rechtslastige Studenten, Uniformbegeisterte, Burschenschaftler und Identitäre ist! Zusammen mit einer völligen Blindheit und Ignoranz gegenüber rechter Unterwanderung führt das überhaupt erst zu Gefährdern wie Franco A. als der Spitze des Eisbergs. Beim Hitlergruß und Hakenkreuz malen darf man sich eben nicht erwischen lassen, ansonsten kann man sich als Rechtsausleger wohlfühlen, hat vollstes Verständnis. Wer Vorbehalte gegen solcherlei "Nazis" hat, wird es dagegen eher schwer haben, wenn im Zweifel der olive Kamerad beim braunen Kameraden diskret wegschaut und diesen raushaut. Und der MAD zum jagen erst getragen werden muss.
Höchste Zeit, dass da mal aufgeräumt und durchgelüftet wird! Damit können zumindest die übelsten Auswüchse wie rechte Terror-Zellen verhindert werden.

Der Spötter, Freitag, 19.Mai, 18:21 Uhr

10. Rekrutierungsproblem?

Offensichtlich hat die Bundeswehr ein Problem mit der Zielgruppe ihrer Werbeaktionen. Vielleicht sollten sie ihre Werbeplakate lieber in links-grün-bunten Szene- und Kifferkneipen aufhängen: Dann gäbe es solche Vorfälle nicht und in den Kasernen würde es viel lustiger zugehen. Und die Gut- und Nochbesserdeutschen wären auch beruhigt, wenn in Afghanistan keine Tanklastzüge mehr in Flammen aufgehen, sondern nur noch das "Gras" brennt. ;-)

Gesunder Menschenverstand, Freitag, 19.Mai, 17:55 Uhr

9. Brave Studenten

Es ist unfassbar, wie sich dieses Land verändert hat und immer schneller nach links driftet. Was heute alles als rechts oder gar rechtsextrem bezeichnet wird im gedankenlos immer schärfer werdenden Sprachgebrauch der politischen "Elite" (und ihren medialen Taktgebern) aus Linkspartei (staatsfeindlichen Ex-DDR-Kommunisten), Grünen (dito ohne Ex-DDR), einer profilsuchenden SPD und einer CDU, die von einer früheren SED-Kader-Frau (an der Nase herum) geführt wird, ist das, was früher als konservativ galt - und auch im dritten Reich teilweise schon verfolgt wurde. Nationalsozialisten und Kommunisten waren sich auf makabre Weise in vielem einig.
Ich wünsche mir wieder mehr Demokratie und Toleranz für Andersdenkende!
Macron liegt darin richtig, dass er sich zum Ziel gesetzt hat, das unselige feindselige Links-Rechts-Denken zu überwinden!

  • Antwort von Wolf, Freitag, 19.Mai, 18:43 Uhr

    Macron kämpft gegen den Front National,er würde auch gegen AfD,Pegida und Nazis bei der Bundeswehr kämpfen.....Faschismus hat mit Konservativ absolut NIX zu tun,und das sind keine braven Studenten,sondern Feinde der freiheitlichen Grundordnung und der Verfassung,die gehören sofort entsorgt,vor allem da es sich anscheinend um ein Netzwerk handelt.

Systemimmanent, Freitag, 19.Mai, 15:36 Uhr

8. Vogel Strauß bei Vorgesetzten


Das ist doch alles nicht sooo neu, was an dieser Lehranstalt passiert.
Schon vor geraumer Zeit sind Eleven durch rechtsradikale Aktionen auffällig geworden.
Hier liegt wohl eine eher zweifelhafte Tradition vor.

Raymond, Freitag, 19.Mai, 15:23 Uhr

7. stolz auf die Truppe

in den meisten Laendern ist man stolz auf die Truppe , in Deutschland offenbar nicht , ebenso wenig wie auf der Fahne .... das ist sehr traurig ,

  • Antwort von Piro, Freitag, 19.Mai, 15:49 Uhr

    Für Stolz muss es auch Gründe geben.

  • Antwort von Leonia, Freitag, 19.Mai, 16:39 Uhr

    Sorry, auf welchen Teil der Truppe soll man Ihrer Meinung nach stolz sein, auf den oben beschriebenen braunen rechtsextremen Teil oder auf die, die sich davon distanzieren?

  • Antwort von ???, Freitag, 19.Mai, 17:53 Uhr

    @Raymond
    Das einzig traurige ist Dein Kommentar.

  • Antwort von Brunnenbohren in Afghanistan, Freitag, 19.Mai, 18:46 Uhr

    S t o l z ?

    Den muss man sich erarbeiten und verdienen.