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Datenschutz Real stoppt Gesichts-Scan an der Kasse

Die Supermarktkette Real stoppt einen Test mit Gesichtsscannern - wegen negativer Presse. Ein anderes Unternehmen setzt das System, das auf Basis von Alter und Geschlecht zielgerichtete Werbung anzeigt, unbeirrt weiter ein.

Von: Florian Regensburger

Stand: 28.06.2017

Die Kamera an der Supermarktkasse erkennt, wer vor ihr steht: Mann oder Frau; und das ungefähre Alter. Außerdem erfasst das System Blickkontakte - und zeigt auf Basis dieser Daten unter anderem mutmaßlich zur Zielgruppe passende Werbefilme auf dem Bildschirm an. Denkbar sind zum Beispiel Anti-Aging-Cremes für Frauen im mittleren Alter, Produkte zur Bartpflege für jüngere Herren oder Küchentipps für mutmaßliche Hausfrauen und -Männer. Auf diesen Service müssen Real-Kunden fortan verzichten.

Öffentliche Diskussion Auslöser für den Stop

Die Supermarktkette hat mitgeteilt, einen entsprechenden Test in deutschlandweit 41 Real-Märkten - vier davon in Bayern in München und im Raum Augsburg - sofort zu beenden. Die öffentliche Diskussion um die Gesichtsscanner habe den Eindruck erweckt, es würden ohne Wissen der Kunden persönliche Daten erhoben, was so nicht stimme. Was das "Wissen der Kunden" angeht, hat Real in den betreffenden Märkten mittels eines Schildes auf Videoüberwachung des Marktes hingewiesen - nicht jedoch auf die Auswertung der Bilder zum Zweck zielgerichteter Werbung.

Mit Blick auf die Auswertung der Bilder hatte das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht Real in der Tat die Unbedenklichkeit des Systems bescheinigt. Die erhobenen Daten würden nur anonymisiert verarbeitet und seien keinen konkreten Personen zuzuordnen. Deshalb gebe es keinen Konflikt mit dem Datenschutzrecht.

Personenbezogene Daten oder nicht?

Anders sieht das der Verein Digitalcourage aus Bielefeld: Die Datenschutz-Aktivisten haben Anzeige gegen Real erstattet. Sie sind der Ansicht, dass die Informationen über Alter und Geschlecht in Form der Werbeeinblendungen direkt auf die Kunden zurückwirken. Daher seien sie sehr wohl als personenbezogene Daten zu behandeln.

Die Post beharrt weiter auf Gesichts-Scannern

Die Anzeige von Digitalcourage richtet sich neben Real auch gegen die Deutsche Post, die das gleiche System in rund 100 Filialen, unter anderem in München einsetzt. Der Test, mit dem man herausfinden wolle, ob "eine solche Mischung aus Information, Unterhaltung und zielgruppenspezifischen Werbeinhalten die Zufriedenheit unserer Kunden mit den Partner-Filialen noch weiter erhöhen kann", sei bis Ende des Jahres angelegt. Dabei bleibe es auch, sagte ein Post-Sprecher zu BR24.


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