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Festgenommener "Neo-Druide" lebte in Bayern Der nette Extremist von nebenan

Jahrelang lebte er im unterfränkischen Bischofsheim an der Rhön, gab Seminare und Führungen, kandidierte 2008 auf einer SPD-Liste für den Stadtrat. Und entwickelte sich dabei irgendwann zum rechtsextremen Wirrkopf. Je mehr Details über den festgenommenen "Neo-Druiden" bekannt werden, umso bizarrer wird das Bild.

Von: Christian Wölfel, Michael Kubitza, Holger Schmidt

Stand: 26.01.2017

Der als Kopf einer rechtsextremistischen Vereinigung festgenommene 62-Jährige hat mehrere Jahre in Bayern gelebt. In Bischofsheim an der Rhön trat Burghard B. als Druide auf, gab Seminare und Führungen. Entsprechende Berichte bestätigte der ehemalige Leiter des mittlerweile geschlossenen Museums "Haus der kleinen Wunder" in dem Ort, Matthias Wild, dem Bayerischen Rundfunk. Das Arbeitsamt habe ihn für eine Tätigkeit in dem Kinder- und Mitmachmuseum vermitteln wollen. Dies habe er aber aufgrund der Ansichten des Mannes abgelehnt.

Außerdem habe B. bei der Kommunalwahl im Jahr 2008 auf der Liste der SPD für den Stadtrat kandidiert. Er stand dem amtlichen Wahlergebnis zufolge auf Platz neun der Liste der Partei und erreichte 110 Stimmen.

Die Razzia

Am Mittwoch war die Bundesanwaltschaft gegen ein rechtsextremes Netzwerk vorgegangen. Der Verdacht: Seit Frühjahr 2016 sollen bewaffnete Angriffe auf Polizisten, Asylsuchende und Juden geplant worden sein. 200 Polizeibeamte durchsuchten 12 Wohnungen in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt und fanden scharfe Schusswaffen und Munition.

Mindestens zwei Männer seien festgenommen worden - darunter der 62-jährige selbsternannte Druide, der zuletzt in Schwetzingen lebte. Er soll der Kopf der Gruppe gewesen sein und der Reichsbürgerbewegung angehören.

Neo-Druiden und Reichsbürger

Die sogenannten Neo-Druiden beschäftigen sich mit heidnischen Vorstellungen und identifizieren sich mit keltischen Zauberern. Ihre Szene gilt eigentlich als unpolitisch. Offenbar hat sich aber ein Teil abgespalten, der rechtsextrem agiert und im Dunstkreis der sogenannten Reichsbürger aktiv ist. Die in etliche Kleinstgruppen zersplitterte Bewegung erkennt die Bundesrepublik nicht an und damit auch nicht staatliche Autoritäten wie die Polizei. Viele der laut Behördenschätzung rund 4.500 "Reichsbürger" gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch existiert. Die meisten davon leben in Bayern und Baden-Württemberg.

Die Vernichtungsfantasien des Burghard B.

Burghard B. war in den vergangenen Jahren bei verschiedenen rechtsextremen Veranstaltungen aufgetreten. Im Internet hetzte der Mann gegen Juden, Linke und Flüchtlinge. Auf seiner Website verkündet er:

"Mein Selbsterhaltungstrieb sagt mir, dass ich die Juden und Moslems vernichten muss, bevor diese meine Sippe oder meine Familie vernichten."

Profilseite Burghard B. im sozialen Netzwerk VK.com

Am Dienstag rief B. erneut zur "Vernichtung" der "Feinde" auf: "Beginne noch heute." Der 62-Jährige wird zusammen mit anderen Beschuldigten der Bildung einer terroristischen Vereinigung verdächtigt, die sich Waffen und Munition beschafft haben soll. Beides wurde bei den Durchsuchungen in Brandenburg und in Schwetzingen gefunden. Die Ermittlungen richten sich gegen sieben Beschuldigte im Alter zwischen 35 und 66 Jahre, die über soziale Netzwerke intensiven Kontakt pflegten. Einer von ihnen soll die Gruppe durch "Beschaffungshandlungen" unterstützt haben. Erkenntnisse zu konkreten Anschlagsplanungen gibt es noch nicht. Ziel der Razzien sei gewesen, weitere Beweismittel für das tatsächliche Bestehen einer Vereinigungsstruktur sowie zu möglichen geplanten Straftaten zu gewinnen.


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