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Raubkatzenasyl in Not Wie sich Bayern aus der Verantwortung schleicht

Wenn Polizei, Zoll oder Amtstierärzte Tiere beschlagnahmen, dann müssen spendenfinanzierte Einrichtungen wie das Raubkatzenasyl Ansbach einspringen. Wenn es aber um die erheblichen Kosten für Unterbringung und Pflege der zum Teil gefährlichen Tiere geht, duckt sich der Staat weg.

Von: Inga Pflug, Carola Brand

Stand: 22.04.2017

Wenn Raubkatzen aus illegalen oder schlechten Haltungen ein neues Zuhause suchen, dann gibt es in Deutschland eigentlich nur eine Anlaufstelle: Das Raubtier- und Exotenasyl im mittelfränkischen Ansbach-Wallersdorf.

Freistaat verweigert finanzielle Unterstützung

Ehemaliger Zirkustiger im Raubkatzenasyl

2014 bekam die Auffangstation den Tierschutz-Sonderpreis der Bayerischen Staatsregierung verliehen, wurde als "einzigartig in Deutschland, Österreich und der Schweiz" und als "letzte Rettung" für Tiger und andere Raubkatzen bezeichnet. Nun braucht das Raubkatzenasyl selbst Hilfe - aber die Antwort vom Freistaat lautet: Nein. Finanzielle Unterstützung gibt es nicht, denn der Verein nimmt nach Auffassung des Umweltministeriums "keine hoheitlichen Aufgaben wahr".

Der Verein beherbergt auf dem Gelände am Waldrand unter anderem mehrere Tiger, einen Puma, Luchse, Füchse und einen Karakal.

Olaf Neuendorf

"Und das sind alles Tiere, die von Behörden beschlagnahmt werden, die uns übergeben werden, weil sie illegal bei Leuten gefunden werden, weil sie geschmuggelt wurden oder weil sie aus dem Zirkus kommen, die am Rande des Existenzminimums die Tiere nicht versorgen können."

Olaf Neuendorf, Tierpfleger und Leiter des Raubkatzenasyls Ansbach-Wallersdorf

8.000 Euro braucht die Auffangstation pro Monat für die Versorgung der Tiere, die Miete des Geländes und den Betrieb. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden.

Raubkatzenasyl in Not: CSU blockt im Landtag ab

Im Umweltausschuss des Bayerischen Landtags hatten die Freien Wähler einen Antrag auf staatliche Unterstützung für das Raubkatzenasyl gestellt:  50.000 Euro im Jahr  sollte der Verein für den Betrieb bekommen. Grüne und SPD haben den Antrag unterstützt. Doch die CSU stimmte dagegen.

Otto Hünnerkopf, CSU

"Das kann nicht sein, dass einzelne Leute sich ein Vergnügen machen, sich Tiere anschaffen und dann wenns Probleme gibt, soll die Allgemeinheit ran und soll die Kosten übernehmen. Das kanns für mich nicht sein. Das sind für mich falsche Signale."

Otto Hünnerkopf, von CSU im Umweltausschuss

Tierschützer und Kenner der Raubtier-Szene sehen das anders. Schließlich müssen die Behörden gefährliche Tiere irgendwo unterbringen können, wenn sie in illegalen oder schlechten Haltungen entdeckt oder zurückgelassen werden.

Raubkatzen sind keine Stubentiger

Denn für Zoos kommen die Tiere nicht in Frage, sagt Helmut Mägdefrau vom Tiergarten Nürnberg. Gerade Zirkustiere bräuchten eine besondere Betreuung, da sie den Umgang mit anderen Tieren auch derselben ihrer Art nicht gewohnt seien. Deshalb seien die Auffangstationen so wichtig, so Helmut Mägdefrau.

Raubtier-Auffangstation: Auch eine Frage der Sicherheit

Gerade die Zahl beschlagnahmter Zirkustiere könnte in der Zukunft zunehmen, davon ist auch der Freie Wähler-Abgeordnete Peter Bauer aus Sachsen bei Ansbach überzeugt.

Peter Bauer, Freie Wähler

"Insbesondere die kleinen Zirkusse kämpfen ja mit Existenznot. Damit ist zu rechnen, dass da mehr kommen und darauf muss man vorbereitet sein. Es ist auf jeden Fall richtig, dass die Tiere hier mehr oder weniger wohnungslos auf der Straße stehen und das kann man ja nicht riskieren. Das ist ja eine Gefahr für die Bevölkerung. Das ist ja keine Zuchtstation. Sondern das ist eine Art Gnadenhof, wo eben dann die Tiere in Ruhe und einer sicheren Umgebung ihr Leben dann beenden können."

 Peter Bauer, Freie Wähler-Abgeordneter aus Sachsen bei Ansbach

Patrick Boncourt von der Reptilienauffangstation in München bringt noch ein anderes Szenario ins Spiel:

Patrick Boncourt mit Albino-Königsnatter

"Es kann auch Leute geben, die in Verzweiflung dann den Käfig aufmachen und den Tiger rauslassen. Wie will die Behörde dann reagieren können? Dann haben wir eine Situation, wo Gefahr für Dritte besteht. Da würde ich wirklich nochmal drüber nachdenken. Also aus unserer Sicht sind die Kollegen vom Exotenasyl wirklich in ihrer Arbeit zu unterstützen und in dem, was sie tun in Bayern einzigartig und alternativlos."

Patrick Boncourt, Reptilienauffangstation München  


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Kommentare

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websaurier, Montag, 24.April, 09:55 Uhr

21. "Hühnerkopf" und Co...


Was wollen wir denn erwarten von den bekannten und unbekannten CSU-Hohlbirnen...
Hauptsache, der Schweinsbraten ist gesichert und das Bier dazu.
Weitblick Fehlanzeige !

Vera Oelmann, Sonntag, 23.April, 00:59 Uhr

20. Raubtier-Auffangstation

Es ist unmöglich und verachtenswert, wie sich die CSU verhält! Für alles haben sie Geld, für Feierei im großen Stil ... und vieles mehr...hier geht es um Lebewesen! Und das will eine christliche Partei sein? Es ist eine Schande !

  • Antwort von as, Montag, 24.April, 08:04 Uhr

    Diese christliche Partei sollte das "C" ablegen, denn man kann auf vielen anderen Ebenen ganau so wenig christliches Verhalten beobachten.
    Wer Waffen ohne Ende produziert und verkauft, dem sind diese paar armen Kreaturen der Schöpfung sowas von egal.

Leo Durst, Sonntag, 23.April, 00:25 Uhr

19. Verhältznis der CSU zu Tieren.....

Hallo CSU,

"" I hold, that the more helpless a creature,
the more entitled it ist to protection by man
from the cruelty of man ""

( Mahatma Ghandi )

Laßt euch das mal durch den Kopf gehen. Ihr seid gewählt und habt damit Verantwortung übernommen -- auch für MIT-Lebewesen !!!

Selim, Samstag, 22.April, 21:54 Uhr

18. So viel Geld

wird in Niederbayern in der Autoindustrie verdient.
Diese Autoindustrie versiegelt Böden, baut fruchtbaren Acker zu, verursacht einen Landschaftsverbrauch sondergleichen.
Wieso engagiert sich eigentlich nicht so eine Große "Group" mal für etwas anderes, als den eigenen Gewinn
und spendiert dieser Tierschutzeinrichtung
ein Areal?
Das wär mal was!
Aber dafür sind diese Riesenfirmen einfach zu klein.
zu schäbig
zu gierig.

Gretchen, Samstag, 22.April, 17:20 Uhr

17.

Wir brauchen halt eine Katzensteuer, mit der solche Einrichtungen finanziert werden. Sie könnte auf Katzennahrung erhoben werden.