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"Kein Täter werden" Prävention gegen Pädophilie

Seit 2005 bietet das bundesweite Projekt "Kein Täter werden" Männern mit pädophilen Neigungen Hilfe und Therapien an. Seit 2010 gibt es Einrichtungen in Bamberg und Regensburg. Bayerns Justizminister Winfried Bausback zieht jetzt Bilanz.

Von: David Herting

Stand: 11.08.2017

Diverses | Bild: picture-alliance/dpa

Die Angebote der beiden Therapie-Einrichtungen in Bamberg und Regensburg werden häufig nachgefragt. Etwa 1.000 Kontakte per Telefon oder E-mail vermeldet die sexualwissenschaftliche Ambulanz der Regensburger Uniklinik in der Präventionseinrichtung für Pädophile seit der Eröffnung. Junge und Alte kommen, Männer, die eine anerkannte psychiatrische Störung haben. Die Diagnose Pädophilie trifft auf etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung zu. Petya Schuhmann ist Therapeutin in der Uniklinik Regensburg – sie kennt inzwischen, wie sie es sagt , den durchschnittlichen Patienten:

"Im Normalfall melden sich bei uns Patienten mit 39/40 Jahren, wenn sie dann schon einige Jahre mit dieser Neigung verbracht haben – und häufig kommt es dazu, weil die Partnerin vielleicht irgendwas auf dem Computer gefunden hat. Oder aber man hat selber gemerkt: Wenn ich nichts tue, dann werde ich gefährlich und werde irgendwas anstellen."

Petya Schuhmann (l), Therapeutin in Regensburg

Risikofaktor Einsamkeit, Selbstwertgefühl

Eineinhalb Jahre begeben sich diese Männer dann in Therapie in Bamberg oder Regensburg. Manchmal werden testosteronsenkende Medikamente verschrieben. Immer aber ist Therapie dabei, mindestens einmal die Woche, anonym, die Kosten werden übernommen.

"Wir versuchen eben Risikofaktoren zu bearbeiten, das ist zum Beispiel das Gefühl der Einsamkeit, das ist das Selbstwertgefühl, das ist die Einschätzung von Risikofaktoren – in den Sitzungen, die wir dann immer haben, einmal pro Woche, versuchen wir immer wieder eben diese Themen zu besprechen mit den Patienten, Situationen zu üben, wie kann ich zum Beispiel Freunde kennenlernen oder wie melde ich mich beim Sport an, damit ich nicht die ganze Zeit Zuhause sitze, einsam bin, deprimiert bin und nur überlege, wie ich meine Sexualität auslebe."

Petya Schuhmann

Wenig Rückfälle nach erfolgreicher Therapie

50 Männer haben die Therapie inzwischen schon abgeschlossen. Sie kommen heute noch zu Nachsorge-Terminen. Der Erfolg der regelmäßigen Gruppen- und Einzeltherapie, manchmal in Kombination mit Medikamenten, ist offenbar groß. Rückfälle gibt es laut der Leitung der Einrichtung wenig.

Kein einziger sexueller Kontakt mit Kindern ist noch einmal vorgekommen und nur drei der Patienten der Einrichtung haben sich noch mal Kinderpornografie angeschaut, dann aber sofort wieder mit Therapeuten Kontakt aufgenommen. Bayerns Justizminister Winfried Bausback sieht es als großen Erfolg an, dass Bayern das einzige Bundesland ist das zwei Präventionseinrichtungen für Pädophile hat und dass sich die Ausgaben des Ministeriums für die beiden Standort in den letzten Jahren gesteigert haben: auf 520.000 Euro im laufenden Doppelhaushalt.

"Jeder Fall, bei dem wir einen Pädophilen dazu bringen können, dass er ein Hilfsangebot annimmt, und damit Fälle von Kindesmissbrauch verhindern können, ist ein wichtiger Fall. Ist ein Fall, in dem wir ein Opfer davor schützen, Opfer zu werden, und einen Täter davor schützen, Täter zu werden."

Winfried Bausback, Bayerischer Justizminister

Bausback hofft, dass sich in Zukunft die gesetzlichen Krankenversicherungen mehr engagieren – damit das Angebot auf dem gleichen Niveau bleiben kann. Eines aber betonen alle Beteiligten: Geheilt werden kann Pädophilie nicht. Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Präventionsprogramme regelmäßige Nachsorgetermine für die ehemaligen Patienten anbieten, die ihre Therapie schon hinter sich haben.


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