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Massiver Stellenabbau Aus für Augsburger Ledvance-Werk

Unter den Mitarbeitern von Ledvance Augsburg herrscht Fassungslosigkeit. Wie das Unternehmen heute ankündigte, wird der Standort bis Ende 2018 geschlossen, 650 Mitarbeiter sind betroffen. Auf einer Pressekonferenz erhoben Vertreter von IG Metall und aus dem Betriebsrat schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen.

Von: Roana Brogsitter

Stand: 13.11.2017

Ein Osram-Schriftzug befindet sich am 13.11.2017 in Augsburg (Bayern) am Werk des Unternehmens Ledvance. In einer Betriebsversammlung sollen mehr als 600 Mitarbeiter über die Zukunft des früher zu Osram gehörenden Produktionsstandorts informiert werden. Foto: Stefan Puchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Stefan Puchner

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Ledvance Augsburg, Willi Sattler, kritisierte mit scharfen Worten das sogenannte "Town-Hall-Meeting" durch die Unternehmensleitung, in dem die Mitarbeiter am Mittag offiziell über Schließung des Standorts Augsburg informiert wurden: "Ich bin mir vorgekommen wie auf einer Beerdigung." Ledvance-Chef Jes Munk Hansen habe keine Fragen beantwortet und nach 15 Minuten unter heftigen Buh-Rufen die Veranstaltung vor den "traumatisierten Mitarbeitern" verlassen.

"Dieses Verhalten ist bodenlos gegenüber den Mitarbeitern. Das zeugt nicht von Respekt und Wertschätzung."

Angela Steinecker, Unternehmensbeauftagte der IG Metall

"Schlag ins Gesicht"

Michael Leppek, Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg, sprach von einem "Schlag ins Gesicht" und einem "schwarzen Tag". Es sei verantwortungslos, wie Ledvance mit Mitarbeitern, die zum Teil in zweiter und dritter Generation in dem Werk arbeiten würden, umgehe.

Der Betriebsratsvorsitzende von Ledvance Augsburg sowie die Vertreter der IG Metall äußerten nachhaltige Zweifel daran, dass überhaupt versucht worden war, den Standort zu retten, der seit 110 Jahren bestehe. Seit vielen Jahren sei klar, dass Ledvance Augsburg ausblute. Es habe deshalb seit 2008 einen Innovationszirkel gegeben, um der Geschäftsführung zu zeigen, wohin der Trend gehe.

Technisch gesehen wettbewerbsfähig

Ledvance Augsburg sei technisch gesehen sehr wohl wettbewerbsfähig, wenn die Unternehmensführung nur wolle, stellte ein Experte aus der Entwicklungsabteilung des Unternehmens klar. Schon jetzt würde moderne LED-Technologie in Augsburg produziert, möglich wären etwa auch ultraleichte Solarmodule für Leichtbaudächer, etwa von Supermärkten. Es müsse, so der Entwickler, "ein Wandel in den Unternehmerköpfen stattfinden, wir müssen uns etwas trauen, etwas wagen". Von Unternehmensseite sei jedoch - auch unter dem alten Eigentümer Osram - keinerlei Versuch unternommen worden, den Standort Augsburg zukunftsfähig zu machen.

"Schmierentheater"

Michael Leppek bezeichnete das Verhalten von Ledvance als "Schmierentheater" und "bodenlose Sauerei" und sprach von einem Fall von "Raubtierkapitalismus". Die Tatsache, dass die Unternehmensleitung nach der Übernahme nur eine Schamfrist von wenigen Monaten habe verstreichen lassen, spreche für sich.

Hintergrund des Stellenabbaus

Wie das Unternehmen heute Mittag bestätigt hatte, sollen bis Ende 2021 rund 1.300 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden. Hintergrund ist die schlechte Auslastung der Ledvance-Werke. Diese liege global trotz früherer Restrukturierungsmaßnahmen teilweise bei nur 20 bis 40 Prozent. In Deutschland sollen deshalb die Werke in Augsburg und Berlin bis Ende 2018 geschlossen werden. Dadurch werden rund 900 Arbeitsplätze abgebaut, 650 in Augsburg, 220 in Berlin. Die Standorte Eichstätt und Wipperfürth bei Köln, wo jeweils rund 700 Beschäftigte arbeiten, sollen hingegen erhalten bleiben. Allerdings droht auch hier Stellenabbau.

Weltweit hat Ledvance rund 9.000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es aktuell 2.500. Sie produzieren jährlich rund 250 Millionen Halogen-, LED- und Autolampen. Ledvance war erst im vergangenen März von Osram an ein chinesisches Konsortium, bestehend aus IDG Capital, dem LED-Hersteller MLS und dem Yiwu State-Owned Assets Operation Center, verkauft worden. Der Kaufpreis hatte nach Unternehmensangaben bei 500 Millionen Euro gelegen. Osram hatte das zunehmend schwächelnde Lampengeschäft Anfang 2016 ausgelagert und Ledvance getauft.


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Kommentare

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Pinar, Dienstag, 14.November, 08:54 Uhr

7. Jes Munk Hansen ..

Jes Munk Hansen sollen gefühlslos das RAum einfach verlassen haben. Was passiert nun mit den ganzen Abfindungen und Altersteilzeitregelungen..?? ich hoffe, Jes Munk Hansen wird auch mal in solch einer Situation kommen, !!!

Morgenkaffee, Dienstag, 14.November, 06:24 Uhr

6. Ledvance- Chef Jes Munk Hansen ...

.... hat die Veranstaltung verlassen.Weil er seinen MITARBERTERN nichtmehr in die Augen schauen konnte.
Wenn Sie dich brauchen bist der liebe MA und so dann lassen sie dich fallen wie eine warme Kartoffel

Kluge sie , Dienstag, 14.November, 00:45 Uhr

5. Die deutsche Industrie sucht händeringend neue Arbeitskräfte.

Deswegen ist eine Einwanderung so wichtig für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland.

Backfight, Montag, 13.November, 23:36 Uhr

4. Zurückschlagen

Einfach einmal auffordern keine chineischen Ledvance Produkte zu kaufen . Andere chinesische Anbieter sind preislich ohnehin besser bei gleicher Qualität .
Nur darauf wird reagiert !

Michael, Montag, 13.November, 21:12 Uhr

3. Hat bei "Siemens" Tradition....

Wiedermal wird ein ehemaliger Siemens-Betrieb Ledvance von den Chinesen plattgemacht....dies hat schon Tradition.
Die ehemalige Pionierfirma in der Elektrotechnin / Elektronik ist ein Meister in der Selbstzerstörung.
Solange die "Rendite" stimmte wurde nicht in die Zukunft investiert und nur abgeschöpft. Dann schnell an die Chinesen verkaufen damit die den Rest abwickeln.
Mal sehen wie lange es Siemens noch gibt. Herr Kaeser gibt sich alle Mühe im großen Umfang falsch ( = zu spät und und in tote Geschäftsfelder ) zu investieren.
Als nächstes ist die Zugsparte dann, dann die Kraftwerke und dann die Medizintechnik und am Schluß die Automatisierungstechnik.....