Waffe aus Schweden Kinderleicht, tödlich - und legal

Es sieht aus wie eine Militärwaffe, verschießt Pfeile präzise wie ein Sniper-Gewehr und ist tödlich: Das neuartige Pfeilabschussgerät aus Schweden wird vom Bundeskriminalamt trotzdem nicht als Waffe eingestuft. Auch Minderjährige können sie bedienen. 

Von: Josef Häckler

Stand: 04.07.2017

Das deutsche Waffengesetz gilt als das schärfste in Europa. Gebrauch, Besitz und Transport von Waffen sind streng reguliert. Selbst ein vergleichsweise harmloses, für Volljährige frei verkäufliches Luftgewehr darf nicht in der Öffentlichkeit geführt, sondern nur im Koffer von A nach B transportiert werden. Schießen ist damit ohnehin nur auf Privatgelände oder in speziellen Anlagen erlaubt. 

All diese Auflagen gelten nicht für ein neuartiges Pfeilabschussgerät einer schwedischen Firma, das auf dem deutschen Markt frei erhältlich ist. Es verschießt Pfeile per Luftdruck mit einer Geschossenergie von rund 77 Joule. Das ist mehr als zehn Mal so viel wie das stärkste, in Deutschland ab 18 Jahren frei verkäufliche Luftgewehr (7,5 Joule). 

Dabei schießt das Gerät äußerst präzise: Per Zielfernrohr ist es selbst für Ungeübte möglich, aus über 100 Metern Entfernung wenige Zentimeter kleine Ziele zu treffen. Die Pfeile haben Metallspitzen, können Gewebe durchdringen und Knochen brechen.

An den Waffengesetzen vorbei

Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden hat sich mit dem Pfeilabschussgerät ausgiebig beschäftigt: Nach langer Untersuchung kam es bereits 2015 zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um eine Waffe im Sinne des Waffengesetzes handele. Der Grund: Die verschossene Munition werde nicht durch den Lauf getrieben, sondern über den Lauf. Somit gelte es waffenrechtlich nicht als Schusswaffe.

Zudem handele es sich bei den Pfeilen im Sinne des Waffengesetzes nicht um Munition, da "keine Geschosse mittels Triebladung angetrieben werden". Auch deshalb sei das Pfeilabschussgerät "kein den Schusswaffen gleichgestellter Gegenstand“. Rein rechtlich steht das Pfeilabschussgerät auf einer Stufe mit einer Spielzeugwaffe, die auch Minderjährige frei kaufen und benutzen könnten. BR24 fragte beim BKA genauer nach, bekam aber keine zusätzlichen Informationen.

Kinderleicht zu bedienen

Auch mit einer Armbrust kann das Gerät laut BKA nicht gleichgestellt werden, da kein "manuelles Einbringen der Abschussenergie mittels Muskelkraft“ erfolge. Bei dem schwedischen Modell ist das nicht nötig. Die Energie zum Abschuss der Pfeile wird in einem Drucklufttank gespeichert, der auch über einen Kompressor oder eine Handpumpe gefüllt werden kann. Die Abschussvorrichtung ist im Gegensatz zur Armbrust also kinderleicht zu bedienen - und das vollkommen ohne Restriktionen. Denn Armbrüste erlaubt das Waffengesetz erst ab 18 Jahren.

Experte: Geringe Gefährdung

Laut Ludwig Waldinger, Waffenexperte und Pressesprecher des Landeskriminalamtes Bayern, geht von legalen Waffen, wie Armbrüsten und Bögen nur ein "sehr geringes Gefährdungspotential" aus. Sie treten in der Kriminalstatistik so gut wie nicht in Erscheinung. Mit dem schwedischen Pfeilabschussgerät verübte Delikte sind bisher nicht bekannt. Insgesamt gab es laut aktuellem Bundeslagebericht des Bundeskriminalamtes im Jahr 2015 in Bayern 426 Fälle, in denen Menschen mit einer Schusswaffe bedroht wurden. Etwa fünf Prozent der beschlagnahmten Schusswaffen befanden sich im legalen Besitz. Waldingers sieht beim Pfeilabschussgerät eher die Gefahr, dass es für die illegale Jagd missbraucht wird.

Eine Waffe für Terroristen?

Für Amokläufer oder Terroristen dürfte das Gerät nicht besonders attraktiv sein, sagt Waldinger. Schließlich müsse der Täter nach jedem Schuss langwierig nachladen. Die eher umständlich zu transportierenden, sperrigen Pfeile sprächen ebenfalls dagegen. Für viel gefährlicher hält Waldinger sogenannte Softair-Waffen, die Original-Waffen täuschend ähnlich sähen. Sie würden oft missbraucht um Straftaten zu begehen und Menschen zu bedrohen. "Keiner kann auf den ersten und sogar auf den zweiten Blick unterscheiden, ob es sich um eine richtige Feuerwaffe oder um eine Softairwaffe handelt".

Aus Sicht des LKA-Beamten sei eine Änderung des deutschen Waffengesetzes jedoch nicht notwendig: "Wir haben bereits das strengste Waffengesetz in Europa. Man muss einfach auch an die Vernunft der Menschen appellieren."

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Peter Ruppert, Donnerstag, 13.Juli, 12:34 Uhr

21. Tatsächlich dümmliche Panikmache

Typisch deutsche hoplophobe Hysterie. Gegenstand ist konform der Rechtslage, dumm gelaufen für neurotische Waffenhasser?

Natürlich, denn die Einwände sind von keiner Sachkenntnis getrübt!

Waffen sind unbelebte Gegenstände, auch dieses Spielzeug und nicht "tödlich". Todesursächlich kann nur der tatsächliche Verlauf eines Schussdefektes beim Weichziel sein. Und für das Durchschlagvermögen ist nicht die Gesamtenergie, sondern die Energiedichte und die Geschossbauform wesentlich.
Deliktrelevante Schussdistanzen überschreiten 12 m schon selten....

Solange jeder "Polenböller" kistenweise bestellen und sich unbehindert mit unkonventionellen Schusswaffen im Land und weiter südlich mit beliebigen Kriegswaffen und Kampfmittel versehen kann, ist diese Gerät nur ein Witz. Siehe dazu auch:
https://www.file-upload.net/download-12583797/USWGefahrenpotenzial.pdf.html

Dirk Hummel, Mittwoch, 05.Juli, 23:58 Uhr

20. Dümmliche Panikmache

Einmal, nur einmal möchte ich einen Artikel eines deutschen Journalisten über Waffen lesen, der nicht mit emotionalem Sensationalismus, idiotischen Eskalationsthesen und apokalyptischen Prophetien imprägniert ist.
Ein verdammtes Mal nur.
Es scheint, als ob der narzisstische Gottheitskomplex ein Einstellungskriterium ist.

Meine Güte, jeder Compundbogen ist stärker als das Ding, aber das kümmert die Kartoffeljournaille wieder nicht, weil der Flitzebogen eben nicht so schön schaurig ist wie das Pfeilgewehr der Skandinavier.

So bleibt also außer dem dämlichen Klickbait-Titel nichts übrig, weil das BKA selbst das Ding als bedeutungslos einstufte. Im Zweifelsfall vertruaue ich da den Waffenexperten mehr als einem sensationsgeilen Hysteriker auf Quotenjagd.

  • Antwort von Blechmann13, Donnerstag, 06.Juli, 09:08 Uhr

    Bogenschiessen muss man können!
    Jedenfalls wenn man etwas treffen will, das weiter weg steht als ein paar Meter.

    "Schusswaffen" mit Lauf sind und waren schon immer so "beliebt", weil man ohne viel Grips abdrücken und treffen kann!
    Deshalb haben sich diese durchgesetzt, selbst als es nur Vorderlader gab.

    Und bitte jetzt keine US-TV-Serien hervor holen, in der der "Ganove" ein ganzes Magazin verballert und den geradlinig(!) flüchtenden "Held" kein einziges mal trifft, denn dass ist einfach nur absurd!

    mfg

  • Antwort von Charlie, Montag, 10.Juli, 21:50 Uhr

    Hallo Dirk, sehr schöner Kommentar den Sie hier geschrieben haben. Bei Journalisten löst das Stichwort "Waffe" geradezu einen pawlowschen Reflex aus. Und die Bevölkerung fällt auf die Berichterstattung herein, wie der dümmliche Kommentar von "Blechmann" zeigt

  • Antwort von Ralf Peters, Montag, 10.Juli, 23:13 Uhr

    @Blechmann

    Sie haben offensichtlich noch nie in Ihrem Leben mit einer Feuerwaffe geschossen, deshalb kann ich Ihre These nicht ernst nehmen.

Dietmar F., Mittwoch, 05.Juli, 18:34 Uhr

19. Wann hat der Nonsens mal ein Ende?

Was soll diese Hysterie, wenn sich der Autor durch Expertenzitate im Lauf des Artikels selbst widerlegt? Ein Verbot von Gegenständen, die faktisch kein Problem darstellen ist vor allem eines: überflüssig. Und wozu sollte ein Terrorist oder sonstiger Gewalttäter den Aufwand auf sich nehmen, ein sch...teures Spezialgerät zu besorgen, wenn er mit jedem Haushaltsmesser mehr Schaden anrichten kann? Zumal es kaum aufwendiger sein dürfte, sich zu dem Preis im Bahnhofsmilieu ihres Vertrauens mit einer präzisen Großkaliberwaffe samt Murmeln auszurüsten. Diese illegalen Waffen sind es, die von Terroristen etc. eingesetzt werden. Übrigens wurden bei allen mit Schusswaffen verübten Terroranschlägen in der EU seit 2010 _ausschließlich_ Waffen aus Staatsbeständen verwendet (Stand Aug. 2016). Die Heulerei nach schärferen Gesetzen geht meilenweit am Problem vorbei. Wie auch die sachlich völlig hirnrissige aktuelle Waffenrechtsnovelle wieder eindrucksvoll beweist.

  • Antwort von Blechmann13, Donnerstag, 06.Juli, 09:17 Uhr

    Warum redet hier dauernd jemand von Terroristen?

    Darum geht es nicht!
    Es geht hier um das Potenzial möglicher "Unfälle", die durch solche Waffen schlicht, und völlig unnötig, erhöht werden!

    Aber was solls, sobald der erste (Teenie) aus dem Haus auf Vögel im Garten ballert, und dabei "zufällig" das spielende Nachbarskind trifft, wird man sicher wieder entrüstet auf diese Nachricht reagieren, und sich fragen, wo die Gesetzgebung wieder mal geblieben ist (s. Auto-Rennen in Innenstädten und deren Tote)

    mfg

  • Antwort von Josef, Donnerstag, 06.Juli, 11:33 Uhr

    Wenn man nur liest, was man lesen will, wird hier auch nur über Terroristen kommentiert. ...ich wiederhole:
    Wenn ein Heranwachsender spielen will, spielt er, zur Not auch mit selbstgebauten Waffen! Da muss er sich keine Armbrust für 1.700€ kaufen.
    Oder er könnte sich und andere mit einem Messer, Stock, Böller oder was auch immer verletzen. Das passiert regelmäßig und ist unvermeidlich, weil Heranwachsende eben risikofreudiger sind. Im Nachhinein wird es bereut und man lernt daraus.

Josef, Mittwoch, 05.Juli, 16:24 Uhr

18. Maßlose Phobie?

Was soll diese dauernde Angst vor möglichen Verletzten oder Toten, die aus allen Texten trieft, die über Waffen oder waffenähnliche Gegenstände schreiben?
Wenn ein Kind/Jugendlicher spielen will, spielt es... auch mit Kartoffelkanonen oder sonstigen selbstgebauten Waffen. Also bitte... welcher Heranwachsende kann sich schon eine Armbrust für 1.700€ kaufen? Diese bauen sich selbst etwas. Und sie werden es sicher bereuen, wenn etwas passiert. Und das sind alles verbotene Gegenstände, dennoch wird es gemacht!
Zu glauben, man könnte Kinder oder sich selbst durch derartige Verbote schützen, ist leichtsinnig und naiv! ...aber es hört sich schön an, man hat ein gutes Gefühl, etwas mehr Sicherheit erlangt zu haben. Auch wenns nicht stimmt.

Solange Menschen die Möglichkeit haben, sich einigermaßen frei zu entfalten, werden auch solche Unfälle passieren.
Erst eine absolute Kontrolle wird die Verbote durchsetzen können. Da lebe ich lieber mit dem marginalen(!) Risiko!

Julius Hauck, Mittwoch, 05.Juli, 14:05 Uhr

17. Wo ist dann das Problem?

Das Gerät ist für Terroristen und Gewalttäter ungeeignet. Das BKA hat es nicht als Waffe eingestuft. Reicht doch.
Wollen wir auch Pfeil und Bogen, Äxte, Nagelpistolen, Küchenmesser, Drähte und Äste verbieten? Meine Herren, lasst uns doch nicht wegen jedem Mist in Hysterie verfallen. Ja sicher kann man damit Mist bauen, kann man mit einem Messer auch. Die Welt wird nie zu einhundert Prozent sicher sein, egal wie viel wir verbieten, also hören wir am besten auf uns selbst alle Freiheiten zu nehmen nur weil sie theoretisch missbraucht werden knnte.