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Silberpfeil-Sponsor Petronas Daimler und die Umweltkatastrophe im Südsudan

Öl-Seen in der Landschaft, verschmutztes Trinkwasser für 180.000 Menschen im Südsudan. Verantwortlich dafür soll nach Recherchen von Report München und Süddeutscher Zeitung der Ölmulti Petronas sein. Verstößt die Daimler AG mit der Partnerschaft zu Petronas gegen "Compliance"-Richtlinien?

Von: ARD report München und Süddeutsche Zeitung

Stand: 07.03.2016

Millionen Menschen verfolgen weltweit die Formel 1. Die Rennserie ist beliebt bei Sponsoren, die oft hohe Beträge zahlen, um auf den Rennwagen aufzutauchen. Eine der bekanntesten Partnerschaften haben der Formel-1-Weltmeister Mercedes und Petronas.

Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins report München und der Süddeutschen Zeitung belegen nun wissenschaftliche Untersuchungen der deutschen Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ und der „African Water Ltd.“: Die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen aus jahrelanger Ölförderung von Petronas sollen die oberen Trinkwasser-Ebenen mit Schwermetallen und Chemikalien verseucht haben.

Mehr dazu heute Abend in report München um 21:45 Uhr in der ARD

Haaranalysen von Bewohnern umliegender Dörfer zeigen eine Bleibelastung, die mehr als 20-fach über dem Grenzwert liegt. Es gibt Hinweise auf Missbildungen bei Säuglingen, deren Eltern mit schwermetallbelastetem Wasser in Berührung kamen.

Der Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow hat die Haarproben analysiert und spricht von einer ungeheuren toxischen Belastung. Auch Prof. Fritz Pragst vom Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin hat die Haarproben bewertet.

"Man muss diese Gefährdung beseitigen oder die Menschen aus dem Gefährdungsherd herausbringen. Man muss das Blei aus dem Körper herausschwemmen, weil das hauptsächlich in den Knochen gespeichert wird. Aber die Schäden am Nervensystem und an den Nieren sind dauerhaft."

Prof. Fritz Pragst, Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin

Petronas förderte Öl im Südsudan

Vor Ort wurde von einem Konsortium, mehrheitlich in der Hand von Petronas, sieben Jahre lang Öl gefördert. Die deutsche Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ wurde von Einheimischen schon vor Jahren informiert, dass das Trinkwasser vor Ort verseucht sei. Das Ölfeld liegt zudem in einem der größten Sumpfgebiete der Welt, dem Sudd. Der Nil verästelt sich darin, und fließt dann weiter Richtung Ägypten. Größere Verschmutzungen könnten Millionen von Menschen betreffen.

Auf Anfrage weist Petronas die Vorwürfe zurück. „Alle von Petronas geführten Unternehmen halten sich an strikte Standards für Gesundheit, Sicherheit und Umwelt"

Hilfsorganisation sucht das Gespräch

Die Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ versucht schon seit 2010 im Gespräch mit Daimler eine konkrete Verbesserung der Lage der Menschen im Südsudan zu erreichen. Denn immer mehr Menschen können ihre Brunnen nicht mehr benutzen, müssen Trinkwasser oft zu Fuß über weite Strecken herbei schleppen und haben sich mit vergiftetem Wasser bereits teilweise erhebliche Gesundheitsschäden zugezogen.

Verstoß gegen Compliance Richtlinien?

Rücksichtlose Ausbeutung von Rohstoffen in der dritten Welt: Hierbei könnte es sich um einen klaren Verstoß gegen die Compliance Richtlinien, die Daimler sich und seinen Partnern auferlegt hat, handeln. „Die Umwelt für die heutige und für die künftigen Generationen zu schützen und alle geltenden Regeln und Gesetze einzuhalten, ist ein Grundanliegen von Daimlern und seinen Partnern.“ So steht es in den Geschäftsgrundsätzen, die Dr. Christine Homann-Dennhardt für Daimler entwickelt hat. Weiter heißt es: „Unsere Partner verpflichten sich, ihr eigenes Handeln an übereinstimmenden Wertmaßstäben auszurichten und kontinuierlich zu reflektieren.“ Zudem: „Wir folgen der Erkenntnis, dass kein Geschäftsabschluss es wert ist, den Ruf unseres Unternehmens aufs Spiel zu setzen. Gleiches erwarten wir von unseren Partnern.“

Zählen Richtlinien im Fall Petronas nicht?

Im Fall Petronas zählen diese Richtlinien offenbar nicht. Daimler weiß seit 2010 von der Katastrophe und hat in Kenntnis des Umweltskandals die Geschäftsbeziehungen mit Petronas laufend weiter ausgebaut.  2010 stieg Petronas als Titelsponsor beim Mercedes Formel 1 Team ein, seit 2011 ist Petronas auch Teamsponsor in der DTM und Formel 3. In allen drei Rennserien setzt Mercedes zudem Hochleistungsschmierstoffe von Petronas ein. Alle Gespräche, die unter Vermittlung von Daimler mit den Vertretern der Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ geführt wurden, blieben ergebnislos. Noch immer läuft Erdöl aus den stillgelegten Bohranlagen, noch immer gibt es keinen Plan, wie die verseuchten Brunnen entgiftet werden könnten.

Dr. Christine Hohmann-Dennhardt ist inzwischen zu VW gewechselt, um dort den Abgasskandal zu klären. In einem Schreiben vom August an die Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ erklärt sie, Daimler habe sich immer nur als Vermittler zwischen Petronas und Hoffnungszeichen gesehen.

Eine konsequente Durchsetzung der von ihr verantworteten Compliance Richtlinien scheint  es in diesem Fall nicht gegeben zu haben. Gleichwohl sagt Daimler, man nehme die Vorwürfe sehr ernst. Der Bürgerkrieg im Südsudan aber habe den von Daimler angestoßenen Prozess erschwert und verzögert.

Situation vor Ort verbessert sich nicht

„Wir wurden immer nur hingehalten, verbessert hat sich für die Menschen im Südsudan nie etwas,“ sagen hingegen die Vertreter von Hoffnungszeichen. Sechs Jahre sind mittlerweile vergangen. Und die Vorzeichen, dass sich etwas vor Ort verbessert, sind noch weiter gesunken – denn die Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ muss ihr Personal vor Ort abziehen.

Dafür geht die Formel 1 bald wieder los – natürlich weiterhin mit der Partnerschaft zwischen Mercedes und Petronas.


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Heinrich Kohl, Mittwoch, 09.März, 10:57 Uhr

4. Silberpfeil-Sponsor Petronas

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Interesse habe ich Ihren Beitrag verfolgt.
Mir stellt sich die Frage: "Verliert ein Betrieb, Konzern ... nicht seine Zertifizierung, wenn dieser so eklatant gegen seine eigenen Compliance-Grundsätze verstößt?“

Meines Erachtens können die Compliance-Grundsätze nicht alleinstehend gesehen werden.
Weitere Zertifizierungen (Arbeitsschutz, Qualitätssicherung usw.) sind Bausteine, die zum Teil ineinander verzahnt sind und in der Gesamtheit die Firmenphilosophie auch nach außen darstellen.

Wird gegen eine dieser eigenen und selbst auferlegten Regeln verstoßen und trotz besseres Wissen weiterhin vorsätzlich Falsch gehandelt, wackelt nicht nur das gesamte „Zertifikatsgebäude“, sondern ist schon eingestürzt.

Dieses zu leugnen ist Betrug am Kunden und Betrug ist strafbar, oder nicht?

vielfahrer, Dienstag, 08.März, 12:29 Uhr

3. Oelverseuchung im Sudan

Petronas Verantwortliche und Daimler Verhinderer gehören dorthin umgesiedelt.
Drückt ihnen Spaten und sonstiges primitives Handwerkszeug in die Hand, lasst
sie täglich Wasser für die geschändete Bevölkerung schleppen, bis sie sich eines
besseren besinnen, Abbitte leisten und Wiederherstellung des ÖKO-Systems mit
ihren Milliarden garantieren.
Ich tanke bspw. schon jahrelang nicht mehr bei Shell, weil die Nigeria versaut haben.
Wenn dies alle tun würden, hätten wir von denen schon keine Tankstellen mehr in Deutschland.

Das Leihschwein, Dienstag, 08.März, 10:39 Uhr

2. Die Natur zerstört, Menschen krank und dann wundert man sich über Flüchtlinge

Solange korrupte Regierungen in Afrika es dulden, das international tätige Konzerne ihre Bürger ausbeuten und ihre Natur zerstören,wird das auch passieren. Der Westen muß sich aber nicht wundern, wenn die Menschen dann nach Europa flüchten. Nur dortige Regierungen könnten durch entsprechende Gesetze ihre Bevölkerung gegen die Ausbeutung schützen, wenn sie wirklich wollten. Aber Konzerne bezahlen Regierungen dafür, das sie wegschauen. Einen Boykott von Daimler würde Petronas vielleicht dazu bewegen die Umweltverschmuzung zu unterlassen. Aber bei den Millionen die Petronas an Daimler überweist hört die Moral auf und das weis Petronas ganz genau.

Udo Pablitschko, Dienstag, 08.März, 10:18 Uhr

1. Ölseeen im Sudan


Mercedes und Petronas ?

Ja mei,

mir in Bayern sog´n: D´SAUBÄR´N HOIT´N Z`SAMM...

Mehr sog i net.