76

Echtpelz aus Bayern Ein Label für Fuchs, Marder & Co.

Der Pelzmantel ist aus der Mode gekommen. Er wird mit Tierleid und Tierqualen in Verbindung gebracht. Doch der Pelz kann auch das Nebenprodukt der kontrollierten Jagd sein. Ein neues Label soll solche heimischen Pelze kennzeichnen.

Stand: 20.01.2017

Rotfuchs in Bayern | Bild: picture-alliance/dpa

Es ist ein kalter Wintermorgen. Ein Feld bei in der Nähe von Rötz in der Oberpfalz. Das Revier von Dietmar Strasser, in der weißen Landschaft wäre er ihm aufgefallen, der heimische Rotrock.

"Der Fuchs selbst hat keinen natürlichen Feind mehr. Das Großraubwild wie Bär Wolf und Luchs, die sind nicht mehr da. Der einzige Feind, den der Fuchs hat, ist der Straßenverkehr."

Dietmar Strasser, Jäger

Im Auftrag des Landratsamtes sorgt der Jäger im Landkreis Cham dafür, dass der Fuchs sich nicht zu sehr vermehrt. Sonst würde er Wildkaninchen und Rebhühner dezimieren, Krankheiten wie die Räude und die Tollwut sich ausbreiten. Dietmar Strasser öffnet den Kofferraum seines Wagens und zeigt einen Fuchs, den er vor zwei Tagen erschossen hat.

"Das ist ein herrlicher Fuchs. Und so ein Tier gehört einfach abgebalgt und zum Verwerten. Weil das ist viel zu schade, dass man das in die Tonne schmeißt und entsorgt. Das ganze Fell, die Grannen, die Farbe, die ganze Zeichnung von dem Fuchs, das ist herrlich."

Dietmar Strasser, Jäger

Kostbarer Rohstoff

Das schöne Fell, ein kostbarer Rohstoff. Doch wie kann er sinnvoll verwertet werden? Der Revierjäger bringt den Fuchs zum nahen Rohfellhändler Leonhard Hofstetter. Für den Händler ist Dietmar Strasser ein regelmäßiger Lieferant, etwa 20 Rotfüchse schießt er in der Wintersaison. Doch viele Jäger wollen oder können nicht abbalgen, also dem Tier das Fell abnehmen. Sie haben ganz einfach Angst.

"Die Gefahr ist natürlich auch sehr groß, dass man sich mit dem Fuchsbandwurm infiziert. Und der Fuchsbandwurm geht dann nach Jahren für den Menschen tödlich aus. Das muss man ganz ehrlich auch sagen. Und laut Untersuchungen sind wir in Bayern auch fast zu einem Drittel der Füchse sind die Überträger vom Fuchsbandwurm, und viele scheuen auch die Gefahr, dass sie sich infizieren können."

Dietmar Strasser, Jäger

Da wundert es nicht, dass 90 Prozent der Felle in Bayern weggeschmissen werden. Bei Rotfüchsen sind es etwa eine halbe Million im Jahr. Dabei sind sie für den Rohfellhändler und Kürschnermeister Leonhard Hofstetter besonders wertvoll. Die Füchse aus der Region sind besonders schön.

"Aber im Bayerischen Wald ist das Klima sehr rau. Es ist frühzeitig kalt, wir haben Höhenlagen im Bayerischen Wald, und deshalb ist das Fell auch sehr dicht und gut, das speziell aus diesen Lagen kommt."

Leonhard Hofstetter

Diskussion um Bedingungen, an Pelz zu kommen

Leonhard Hofstetter bekommt Pakete aus ganz Deutschland. Sie stammen aus der ökologischen Jagd- und Revierpflege. Die meist dunklen, struppigen Felle sind noch im Rohzustand, also ungereinigt, Sand und andere Waldspuren finden sich darin. Leonhard Hofstetter öffnet ein Paket, das er von einem Jäger zugeschickt bekommen hat.

"Das ist der Marderhund. Ein sehr unangenehmer Zeitgenosse im Revier draußen. Lässt sich schwer bejagen und ist ein großer Räuber. Da haben wir hier einen Steinmarder. Mit der weißen Kehle. Ein schöner Steinmarder, und hier haben wir noch einen Iltis."

Leonhard Hofstetter, Rohfellhändler

Pelze werden oft mit skandalösen Bedingungen in Zuchtfarmen in Verbindung gebracht. Niemand will für das Leid von Tieren verantwortlich sein. Wildpelze dagegen stammen von Tieren, die im Zuge der Raubwildregulierung sowieso getötet werden.

"Durch die jahrelangen Antipelzkampagnen hat der Pelz einen sehr schwierigen Stand. Wir leben mehr oder weniger vom Export. In ferne Länder, weil in Deutschland die Akzeptanz für Pelz sehr gering ist momentan."

Leonhard Hofstetter

Fuchspelz in Mode?

Erst müssen die Pelze gereinigt werden, dann noch Schussverletzungen ausgebessert werden. Das passiert in der Kürschnerei. Diese heimischen Pelze verkauft Leonhard Hofstetter an die Kürschnermeister vor Ort, etwa an Wolfgang Lastner. Er hat ein Pelzmodengeschäft im Zentrum von Fürstenfeldbruck. Kürschner und Jäger haben sich zusammengetan. Das Label "we prefur" soll eine Orientierungshilfe für den Kunden sein.

"Auf den ersten Blick ist es nur ein Wortspiel, aus dem Englischen 'we prefer', wir bevorzugen einen Pelz."

Wolfgang Lastner

Einige Kürschner in Deutschland machen mit. Das Logo mit dem Schriftzug und dem stilisierten Tier soll garantieren, dass das Fell von hier stammt.

"Er bekommt ein regionales Produkt, des hier hergestellt wird bei unseren Kollegen, Fachbetrieben, er hat die Sicherheit, dass es richtig veredelt wurde, das heißt also, keine Chemie, dass es langlebig ist, dass es einfach qualitativ hochwertig verarbeitet wurde."

Wolfgang Lastner, Pelz Berchtold

Die großen Modefirmen beteiligen sich derzeit noch nicht an "we Prefur", noch ist das Label neu und die meisten Unternehmen produzieren ohnehin im fernen Ausland. Wolfgang Lastner und die anderen Kürschnermeister stellen ihre Modelle in der eigenen Werkstatt her, sie wissen, dass sie nur mit zeitgemäßem Design zukunftsfähig sind.

"Eine wichtige Thematik. Früher war Pelz Statussymbol, heute ist es sportlich, funktionell. Baumwollparka, innen mit Fuchspfoten, leicht, weich und jedes Teil vom Fuchs wird verarbeitet."

Wolfgang Lastner

Das schöne Fell des Rotfuchses aus dem Bayerischen Wald. Mal in Natur oder auch in grün gefärbt. Zwischen 500 und 2.000 Euro kosten die Pelzjacken von Wolfgang Lastner. Manche können und wollen sich keinen Pelz leisten. Für Pelzliebhaber ist das Label „we Prefur“ eine gute Orientierungshilfe beim Einkauf.


76

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Bürger D, Mittwoch, 25.Januar, 09:23 Uhr

11.

Ich kenne einen Jäger der verkauft die Fuchsfelle schon die ganzen vergangen Jahre, ich bin dagegen ein Label auszugeben. Zuerst gehörte ein richtiger "Führerschein" für Jäger her, damit sie nicht alles niederschießen was im Wald noch lebt.
Denn es gibt nicht mehr viele Tiere bei uns im Wald.
Mit Label könnte dann der Luchsmörder auch die Felle verkaufen?
Die Ermittlungen wurden schon eingestellt!

Julia Engel, Dienstag, 24.Januar, 16:24 Uhr

10. Nur weil ein Pelz eine Herkunftsgarantie hat, ist er noch lange nicht korrekt.

Anders als in diesem Bericht dargestellt, ist die Jagd keineswegs schmerzfrei für die Tiere. Hunderttausende der bejagten Füchse werden lediglich angeschossen und verbluten unaufgefunden elendig im Wald. Bei der Pelzjagd mit Fallen wird Füchsen oder freilaufenden Hunden das Genick gebrochen oder sie werden qualvoll erdrosselt. Lebendfallen verursachen enormen Stress für die Tiere und die Jäger richten ihre Opfer mit Kopfschuss hin. Wie auf Pelzfarmen, entsteht auch hier großes Leid für das Tier.

Unter diesen Gesichtspunkten ist Pelz aus der kontrollierten Jagd keine moralische Alternative zum Pelz von Zuchtfarmen. Für mich als Tierfreund fühlt sich der Artikel nach „Greenwashing“ an und ich bin sehr von der einseitigen Recherche enttäuscht. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, sich mit pflanzlichen oder synthetischen Materialien wie Baumwolle, Viskose oder Acryl warm zu halten. Dies sollte man auch tun, um Millionen Füchse und andere Pelztiere vor schmerzhaften Schusswunden und

Bürger, Montag, 23.Januar, 21:43 Uhr

9.

Der Fuchs ist ein schönes Tier und wenn im Frühjahr die Fuchswelpen spielen ist das sehr schön an zu sehen.
Aber wenn die Altfüchse eine Geflügelstall in einer Nacht ausräumen und ein Blutbad hinterlassen ist das nicht mehr schön!!
Spätestens dann bin ich persöhnlich froh wenn der Revierjäger die Fuchspopulation niedrig hält. Und warum soll der Jäger im Winter geschossene Füchse nicht zu Geld machen denn da ist der Pelz besonders schön und dicht!

Ruheständlerin, Sonntag, 22.Januar, 19:43 Uhr

8. Gute Idee.

Wenn man während seiner langjährigen Tätigkeit in einer Landkreis-Behörde tausende Fuchsprämien überwiesen hat, weiß man, dass ja immer noch ein Pelz (in mehr oder weniger gutem Zustand) vorhanden sein musste zu den eingereichten Ohren. Und es eben kein Frevel war oder überhaupt sein kann, den sachkundig verwerten zu lassen und in den Verkauf zu bringen.

Klaus, Sonntag, 22.Januar, 15:45 Uhr

7. Fuchsjagt

Es sind nicht nur Fuechse deren Felle verarbeitet warden koennen, denkt auch an die Racoons!!