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Echter Pelz Geschäft mit Täuschung und Tierleid

Mützen mit Fellbommel, Jacken mit Pelzkragen: Kleidung mit Pelz ist derzeit gefragt wie noch nie. Viele Kunden wissen jedoch nicht, dass es sich dabei oft um echtes Fell handelt. Hersteller und Händler auch aus Bayern verschleiern die Verarbeitung von echtem Pelz mit immer neuen Tricks. Der Grund: Hinter dem Geschäft mit dem Pelz steckt oft schlimmes Tierleid.

Von: Jan Zimmermann

Stand: 24.02.2016

Aktivisten der Soko Tierschutz haben in der Münchner Fußgängerzone den Test gemacht. Alle 12 Sekunden läuft ein Passant mit echtem Pelz an seiner Kleidung vorbei. Der Boom der Pelzbranche ist den Tierschützern ein Dorn im Auge. Vor 20 Jahren war Echtpelz noch out. Die Werbekampagne "Lieber nackt als Pelz" der Tierschutzorganisation Peta wurde damals weltweit bekannt. Heute ist echtes Fell massenhaft an Mützen und Jacken wieder zu finden. Immer mehr Designer verzieren mit Echtpelz ihre Kollektionen – inzwischen sogar die Frühjahrs- und Sommerkollektionen.

Händler tricksen

Umfragen ergeben, dass die meisten Pelzträger gar nicht wissen, dass sie echtes Fell an ihrer Kleidung tragen. Wie kann das sein? "Geld und Leben" hat im vergangenen Jahr die Verschleierungstricks der Hersteller und Händler aufgedeckt. So wurden zum Beispiel Jacken mit Pelzkragen mit "Fake Fur", also Kunstpelz ausgezeichnet. Im Labor kam raus: Der Kunstpelz war echter Pelz vom Marderhund. Der Einzelhandel entschuldigte sich und versprach eine bessere Kennzeichnung.

Viele neue Verstöße

Ein Jahr später recherchiert "Geld und Leben" wieder in Modegeschäften. Darunter die Münchner Traditionshäuser Ludwig Beck, Konen, Hirmer und die Modekette Wormland. Und wieder entdecken wir Verstöße gegen die europäischen Kennzeichnungsvorschriften und damit gegen das Gesetz. In vielen Fällen können die Kunden anhand der Etiketten nicht herausfinden, ob echter Pelz oder Kunstpelz an den Kleidungsstücken verarbeitet wurde. In einem Geschäft bekommen wir durch den Verkäufer eine Jacke mit angeblichen Kunstpelzkragen angeboten. In Wahrheit handelt es sich um echten Pelz vom Waschbär. Das Ergebnis unserer Stichprobe ist noch schlimmer als im vergangenen Jahr.

Verbraucherschützer sind empört

Verbraucherschützer sind über die Tricks der Hersteller und Händler empört. Sie sprechen von einer bewussten Verbrauchertäuschung.

"Pelz hat natürlich ein ziemlich schlechtes Image und viele Kundinnen und Kunden wollen einfach keinen Pelz, weil sie wissen, da haben Tiere gelitten. Insofern haben die Hersteller und Händler wahrscheinlich Skrupel, wenn tatsächlich echtes Pelztier verwendet wurde und schreiben eher gar nichts aufs Etikett oder schreiben Kunstpelz drauf, obwohl es gar kein Kunstpelz ist."

Ingmar Streese, Verbraucherzentrale Bundesverband

Grausame Pelzproduktion

Denn oft kommt der Echtpelz aus riesigen Pelztierfarmen wie zum Beispiel aus China. Tierschützer dokumentieren seit Jahren die grausamen Haltungsbedingungen. Die Tiere müssen in viel zu kleinen Käfigen leiden. Oft werden sie grausam getötet. Viele Tiere leben noch, wenn ihnen das Fell abgezogen wird. Aber auch in USA und Europa werden Tiere wie Nerze und Füchse für die Pelzproduktion gezüchtet und gequält. "Geld und Leben“ bekommt schockierende Videos und Bilder aus europäischen Pelztierfarmen zugespielt. Fast jeder Echtpelz sei mit Tierleid verbunden, so Tierschützer. Weltweit - auch in Deutschland - wird so viel echter Pelz produziert, dass die Preise sinken. Auch ein Grund warum die Modebranche häufig echten Pelz verarbeitet. 

Fakenamen im Etikett 

Vor dem Hintergrund der grausamen Haltungsbedingungen der Pelztiere ist es kein Wunder, dass die Verarbeitung von echtem Pelz mit immer neuen Tricks versucht wird, zu verschleiern. So entdeckt "Geld und Leben" bei seinen Undercover-Recherchen, dass manche Kleidungsstücke mit Pelz mit seltsamen Namen ausgezeichnet sind. In einer Jacke steht beispielsweise "Murmasky" im Etikett. Was heißt das? Verbraucherschützer Ingmar Streese klärt uns auf: "Das sind meist Fakenamen, um die Kunden in die Irre zu führen." Unter "Murmasky" verstehen die Händler das Fell des Marderhundes. Welcher Kunde soll im Laden darauf kommen? Auf Nachfrage kann meistens nicht einmal das Verkaufspersonal weiterhelfen. So werden immer wieder Verbraucher zu Pelzträgern, ohne das sie es wissen.

Zu wenig Kontrollen

Aber wie kann das sein? Wer kontrolliert die Einhaltung der Kennzeichnungsvorgaben? In Bayern ist das die Aufgabe der Kreisverwaltungsbehörden. Die sollen im vergangenen Jahr 358 Textilproben in Geschäften genommen haben, schreibt das Bayerische Wirtschaftsministerium. Das heißt, nicht einmal eine Probe pro Tag, für ganz Bayern.
Verbraucherschützer und Juristen sprechen von einem Versagen der Kontrollbehörden.

"Es gibt Händler, die jahrelang gegen das Gesetz verstoßen, ohne dass es irgendjemand merkt."

Tim Hoefmann, Rechtsanwalt

Falsche Textilkennzeichnungen, Fakenamen, um Kunden in die Irre zu führen, zu wenig Kontrollen und schlimmes Tierleid - die Pelzindustrie kann offenbar machen was sie will. So bleibt den Pelzgegnern der Soko Tierschutz in der Fußgängerzone in München nur eines: Sie appellieren an die Verbraucher, keine Kleidung mit Pelz zu kaufen.

So erkennt man echten Pelz:

  • Beim Reinpusten bewegen sich alle Haare im Luftstrom.
  • Unter den langen Haaren ist weiche Unterwolle zu sehen.
  • Wenn man die Haare auseinanderzieht, ist darunter glattes Leder zu erkennen – bei Kunstpelz erkennt man einzelne verwebte Fäden.
  • Wenn man ein paar Haare verbrennt, schrumpft Kunstpelz zu Plastikklümpchen zusammen; er riecht synthetisch. Echtpelz riecht nach gekokeltem Horn – ähnlich wie ein menschliches Haar, das verbrennt.

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