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Monsanto-Melone Saatgutkonzern verliert Patent

Das Europäische Patentamt (EPA) hat ein Patent auf eine konventionell gezüchtete Melone des Saatgutkonzerns Monsanto widerrufen. Umweltschützer und ein Konkurrent hatten dagegen geklagt.

Von: Vera Cornette

Stand: 20.01.2016

Die Einspruchsabteilung begründete ihre Entscheidung mit mangelnder Ausführbarkeit. Monsanto habe nicht ausreichend genau beschrieben, wie man die Melonen züchten könne, so das Patentamt. Allerdings ist das letzte Wort nicht gesprochen - der Instanzenweg bis zur Großen Beschwerdekammer als letzter EPA-Instanz steht offen.

Der US-Chemiekonzern hatte vor einigen Jahren ein europäisches Patent auf die Melone aus konventioneller Züchtung erhalten. Das Patent gründet auf der Ortung, Kreuzung und Übertragung eines Resistenzgens von anderen Melonen auf die Pflanze. Dadurch sind die Monsanto-Melonen resistent gegen eine Viruskrankheit.

Generelle Kritik an Patenten

Die Patentgegner begrüßten den Widerruf. Er ändere aber nichts an der Grundproblematik, sagte Christoph Then, Sprecher der internationalen Koalition "No Patents on Seeds". Die Umweltschützer argumentieren, nach den europäischen Patentgesetzen dürfe weder konventionelle Züchtungsverfahren noch Pflanzen daraus patentiert werden.

Ein Patent auf Brokkoli? Auf den ersten Blick nicht einleuchtend.

Umweltschützer um Christoph Then nennen die Monsanto-Melonen einen "Missbrauch des Patentrechts". Und er geht noch weiter:

"Es handelt es sich um einen Fall von Biopiraterie, bei der ein US-Konzern versucht, ursprünglich indisches Saatgut als sein Eigentum zu beanspruchen"

Christop Then, Umweltschützer

Patente wie diese blockierten den Zugang zu genetischen Ressourcen für künftige Züchtungen - und die Welternährung könnte zum Gegenstand finanzieller Spekulationen werden, fürchtet Then.

Patente auf Brokkoli und Tomaten

Auch auf Tomaten haben Agrarkonzerne ein Auge geworfen - und wollen Patente für bestimmte Sorten.

Melonen sind nicht die einzigen Pflanzen, die patentiert wurden: Auch auf eine besonders gesunde Brokkolisorte und eine wasserarme Tomate hat das EPA Patente erteilt. Der "Super-Brokkoli" soll mit einem hohen Anteil an Glucosionlaten vor Krebs und Herzkrankheiten schützen, mit der Tomate - wegen ihres geringen Wasseranteils als Schrumpeltomate bezeichnet - soll sich besser Ketchup herstellen lassen. Auch diese Patente haben für viel Unverständnis bei Umweltaktivisten gesorgt: Tomaten und Brokkoli werden schließlich seit über 2500 Jahren kultiviert.

Neben den steigenden Marktpreisen, zu denen die Biopatente führen können, ist die Patentierung von Saatgut auch ein ethisches Problem: Agrarmultis könnten den Wert der Lebensmittel, des Lebens bestimmen. Auch deshalb richten Umweltaktivisten ihre Kampagne besonders an Justizminister Heiko Maas, um "Patente auf Leben" zu verhindern.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.

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