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Papst in Mexiko Franziskus begeistert empfangen

Der Papst hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Der lange Flug, die historische Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen in Havanna. Er braucht Schlaf. Und das hat er Freitagnacht den Menschen, die ihn vor der Nuntiatur, der Vatikanbotschaft in Mexiko-Stadt, begeistert gefeiert hatten, auch so gesagt.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 13.02.2016

Papst Franziskus in Mexiko. Pope Francis participates in a ceremony at the National Palace in Mexico City, February 13, 2016.  | Bild: REUTERS/Max Rossi

Es ist der erste Besuch von Papst Franziskus im größten spanischsprachigen Land der Welt. Und zigtausende Mexikaner nutzten am Samstag die Gelegenheit, den ersten lateinamerikanischen Papst aus der Nähe zu sehen - auf dem Weg, den er im Papamobil von der Nuntiatur zum Nationalpalast im Herzen der Stadt zurücklegte. Sie haben Franziskus offenbar jenen Brief an einen Freund verziehen, in dem er seine Besorgnis über den zunehmenden Drogenhandel in Argentinien zum Ausdruck brachte und vor einer "Mexikanisierung" seines Heimatlandes warnte. Ein kleiner diplomatischer Skandal, den der mexikanische Vatikanbotschafter Mariano Palacios Alcocer mit dem Besuch des Papstes für endgültig geklärt hält.

"Der Papst hat freundlicherweise durch ein Dokument des vatikanischen Staatssekretariats geantwortet und seine wirklichen Gefühle gegenüber Mexiko betont: seine Nähe und tiefen Respekt für das mexikanische Volk. Er hat die Anstrengungen der Regierung anerkannt, dem globalen Laster der Gewalt und des Drogenhandels zu begegnen und seinen Willen bekundet, unser Land zu besuchen."

Mariano Palacios Alcocer, mexikanischer Vatikanbotschafter

Drogenhandel, Bandenkriege, schwacher Staat

Franziskus besucht ein Land, in dem sich all die ungelösten Probleme dieser Welt zu bündeln scheinen: Drogenhandel, Menschenhandel, Bandenkriege auf der einen Seite und die Machtlosigkeit des Staates auf der anderen Seite. Es wird erwartet, dass Franziskus dazu Stellung nimmt, zum Beispiel, wenn er in Ciudad Juarez eine Haftanstalt besucht. Vor wenigen Tagen kamen bei einer Gefängnisrevolte in Mexiko 49 Menschen ums Leben. Bernd Klaschka vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat rechnet angesichts der zunehmenden Gewalt mit einer starken Botschaft des Papstes.

"Er möchte den Initiativen in der Kirche den Rücken stärken, die sagen: Wir möchten eine Veränderung, wir möchten den Frieden. Denn die Gewalt ist spürbar und es gibt Ängste, dass sich diese Gewalt auf den Straßen Ausdruck verschafft und es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen auf der Straße kommt. Man spricht hier von einem verdeckten Bürgerkrieg."

Bernd Klaschka, Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

"Volk mit Zukunft"

"Ich komme heute als Missionar der Barmherzigkeit und des Friedens", sagte Franziskus bei seiner ersten Ansprache vor dem Präsidenten Mexikos und der politischen Elite des Landes. Mexiko sei ein Volk mit Zukunft, da mehr als die Hälfte der Bevölkerung im jugendlichen Alter sei. Die Zukunft der jungen Mexikaner dürfe jedoch nicht aufs Spiel gesetzt werden durch verantwortungsloses Handeln.

"Die Erfahrung zeigt uns: Immer wenn wir nach einem Weg der Privilegien oder Vorteile für einige wenige zum Schaden des Wohls aller suchen, wird früher oder später das Leben in der Gesellschaft zu einem fruchtbaren Boden für die Korruption, den Rauschgifthandel, den Ausschluss verschiedener Kulturen und für die Gewalt, einschließlich des Menschenhandels, der Entführung und des Todes, und verursacht so Leid und bremst die Entwicklung."

Papst Franziskus

Am späten Nachmittag mexikanischer Ortszeit steht der erste Höhepunkt dieser Reise auf dem Programm. Der Papst besucht in Mexiko-Stadt den größten Marienwallfahrtsort der Welt, die Basilika von Guadalupe und feiert dort eine Messe. Die Verehrung der Jungfrau von Guadalupe spielt in der Frömmigkeit der Mexikaner und des Papstes eine zentrale Rolle. Er komme, so Franziskus,  auch als Sohn, der seiner Mutter, der Jungfrau Maria von Guadalupe, die Ehre erweisen wolle.


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