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Katholische Kirche Können Frauen Diakoninnen werden?

Papst Franziskus erwägt die Zulassung von Frauen zum Diakonat. Bei einem Gepräch mit Ordensvertreterinnen gab er heute bekannt, dass er diese Möglichkeit prüfen lassen wolle. Diakone stehen in der katholischen Hierarchie eine Stufe unter dem Priester.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 12.05.2016

Symbolbid: Frau in Kirche vor Kreuz | Bild: colourbox.com

Frage- und Antwortrunde mit dem Papst. Das ist der Moment, in dem die Monsignori im Vatikan die Luft anhalten. Was sagt er diesmal?  870 Oberinnen von katholischen Frauenorden treffen sich zu einer Konferenz im Vatikan. Da liegt es auf der Hand, dass sie den Pontifex auch nach der Rolle der Frau in der Kirche fragen.

"Die Frage von uns war ja in diese Richtung. Wir wollten wissen, gibt’s Möglichkeiten, dass Frauen in der Kirche Diakoninnen werden können."

Schwester Katharina Ganz, Generalin der Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg

Schwester Katharina Ganz erzählt im Gespräch mit Radio Vatikan, wie sich das genau zugetragen hat in der Päpstlichen Audienzhalle. Die Öffentlichkeit ist angewiesen auf solche Zeugenberichte. Denn auch Stunden nach der brisanten Wortmeldung des Papstes schafft es der Vatikan nicht,  die Aussagen zu bestätigen geschweige denn zu dokumentieren.

"Und dann dachte er weiter nach und sagt: Ich glaube, wir sollten eine Kommission einrichten, die sich mit dieser Frage beschäftigt. Das hat er mehrmals wiederholt. Am Schluss noch einmal: Wir brauchen so eine Kommission."

Schwester Katharina Ganz

In der Kirche der ersten Jahrhunderte nach Christus waren Frauen als Diakoninnen tätig. Als Gemeindehelferinnen, bei der Seelsorge, der Armenfürsorge. Ob sie auch liturgische Funktionen hatten, also Gottesdiensten vorstanden, ist unklar. Der Papst will das klären lassen. Eine Entscheidung für die Diakoninnenweihe ist das noch nicht, sagt Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan.

"Es ist überhaupt keine Entscheidung, sondern die Kommission soll genau nachgucken und offiziös, kirchlich feststellen, wie wir das nun sehen heutzutage aus unserer Perspektive. Um dann weiter damit auch kirchlich umzugehen. Es geht schon auch um den Blick auf die Praxis. Das hat der Papst angekündigt, ohne eine Entscheidung vorwegzunehmen."

Pater Bernd Hagenkord, Radio Vatikan

Das Amtsverständnis in der katholischen Kirche ist streng hierarchisch. An oberster Stelle der Kleriker steht der Bischof, dann kommt der Priester und dann der Diakon. Der unterstützt die Pfarrer in der Gemeinde, in der Seelsorge und bei Gottesdiensten. Er feiert Taufen und Trauungen. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren können auch verheiratete Männer zu Diakonen geweiht werden und seitdem stellen Frauen in der Kirche die Frage: Warum nicht auch wir?

Schwester Katharina Ganz aus Würzburg schöpft nach der Antwort des Papstes neue Hoffnung:

"Ich glaube nicht, dass er eine reine historische Aufarbeitung des Diakonats der Frau in der Alten Kirche wünscht. Das ist nicht Papst Franziskus. Er sucht pastorale Antworten auf die Nöte der Kirche in der Welt von heute. Er ist ein Mann des Zweiten Vatikanums. Und es würde keinen Sinn machen, nur rückwärts zu schauen."

Schwester Katharina Ganz

In einem allerdings ist Franziskus eindeutig. Auch er schließt kategorisch aus, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden können. Schon kurz nach seiner Wahl sagte er:

"Zu den Frauenordinationen hat die Kirche Nein gesagt. Das hat Johannes Paul II. wiederholt mit einer definitiven Formulierung. Diese Tür ist zu."

Papst Franziskus kurz nach seiner Wahl

Für konservative, traditionsbewusste Katholiken dürfte bereits das Diakonat der Frau ein Schritt zu weit sein. Lucetta Scaraffia, Chefredakteurin der Frauenbeilage des Osservatore Romano (also der päpstlichen Hauszeitungen) wurde gefragt, ob die Äußerungen des Papstes eine Wende einleiteten. "Ich weiß nicht, ob man ihm folgen wird", sagt sie skeptisch: "Die Kurie will keine Frauen in Leitungsämtern in der Kirche."

Papst Franziskus macht Frauen in der katholischen Kirche Hoffnung: Er will eine Kommission einsetzen, die prüft, ob Frauen Diakoninnen werden können. Das Diakonat ist die unterste Weihestufe in der katholischen Kirche und kommt vor dem Priester- und dem Bischofsamt. Seit 50 Jahren können auch verheiratete Männer zu ständigen Diakonen geweiht werden. Sie unterstützen die Pfarrer in der Gemeindearbeit und können beispielsweise Taufen und Trauungen übernehmen.

Gab es schon früher Diakoninnen?

Konkret will Franziskus prüfen lassen, ob es auch in der frühen Kirche Diakoninnen gab und welche Funktion sie hatten. Daraus will der Papst Schlussfolgerungen für die künftige kirchliche Praxis ziehen. „Es würde der Kirche gut tun, diesen Punkt zu klären“, soll Franziskus laut Teilnehmern bei einer Veranstaltung mit Ordensoberinnen gesagt haben. Radio Vatikan hat entsprechende Berichte bestätigt.

Die Diakoninnenweihe wäre eine deutliche Aufwertung der Rolle der Frauen in der katholischen Kirche, denen  bisher alle Weiheämter kategorisch verwehrt blieben. Dass Frauen Priesterinnen werden können, hatte auch Papst Franziskus ausgeschlossen. Die Priesterweihe sei Männern vorbehalten, die Kirche habe keine Vollmacht, sie Frauen zu spenden.


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Wanda, Freitag, 13.Mai, 17:40 Uhr

5. Frauen als Diakoninnen ?

- stellt sich mal wieder die Frage: ist an Diakoninnen nur aus den Orden gedacht ? Dann käme natürlich auch hier wieder der Zölibat ins Spiel und das würde wieder einmal Lebens- und Familienfremde bzw. -untaugliche in ein "geistliches Amt" bringen. Und davon hat die Kirche mit ihren unverheirateten Priestern weiss Gott sowie so schon mehr als genug, oder ? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Karin O, Donnerstag, 12.Mai, 21:22 Uhr

4. Wandel der Kirchen - meine Meinung:

Die kath. Kirche ist wahrscheinlich endlich auf dem richtigen Weg, die evangelische Kirche ist dagegen leider massiv auf dem Holzweg.
Beispiele für den Holzweg der ev. Kirche: "Werbung" für Gentechnik auf der Ansbach Synode. Ev. Kirchen in der keine Gottendienste mehr stattfinden nicht einmal mehr, einmal im Monat. Die ev. Kirche wird zunehmend zu einer Organisation gegen Menschen und für das Establishment.

Barbara, Donnerstag, 12.Mai, 20:26 Uhr

3. Warum wollen Frauen Diakoninnen werden?

Diakone arbeiten in Krankenhäusern, Gefängnissen, Altenheimen etc. Um dort zu arbeiten, müßten sie nicht zum "Diakon" geweiht werden, denn an Pflegeberufen mangelt es überall. Früher haben die Ordens-Schwestern in den Krankenhäusern die "Arbeit der Nächstenliebe" verrichtet. Wozu braucht man dazu heute einen "Diakon"? Wahrscheinlich deshalb, weil es in Deutschland die Kirchensteuer gibt und diese Leute eine bezahlte Stelle haben wollen. Wie ist das dann mit den Diakonen in anderen Ländern, wo es keine Kirchensteuer gibt? Wollen dort dann die "Diakone" ohne Bezahlung arbeiten?

  • Antwort von arialdus, Samstag, 14.Mai, 16:46 Uhr

    Diakone gibt es nicht nur als hauptberufliche Mitarbeiter sondern auch als sogenannte Diakone im Zivilberuf. Diese Diakone haben einen zivilen Beruf und verdienen dort ihren Lebensunterhalt. Von der Diözese erhalten sie nur eine Aufwandspauschale. Viele Diözesen favorisieren sogar den Diakon im Zivilberuf. Das Amt des Diakons hängt also weniger als alle anderen Ämter und Berufe der Kirche von der Kirchensteuer ab und ist nicht nur deshalb vielleicht das Kirchliche Amt der Zukunft. Ob es überhaupt Diakone in Sozialen Berufen braucht? Hier kann man vielleicht mit Joh 1,38-39 nur sagen: "... fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! ..."

  • Antwort von Patrick, Sonntag, 15.Mai, 23:14 Uhr

    Das wollen sie komischerweise nur in Mitteleuropa, in Ländern, in denen der Emanzipationswahn schon an Perversion grenzt.

Paul, Donnerstag, 12.Mai, 19:45 Uhr

2. Frauen an die Macht

Was, die dürfen nach Hunderten von Jahren endlich aus der Küche raus? Hoffentlich wird das kein Kulturschock?

I.H., Donnerstag, 12.Mai, 19:40 Uhr

1.

Meine Güte, warum machen sich Frauen ins Hemd, weil sie keine Weiheämter übernehmen können? Ergreift lieber einen richtigen Beruf, der der Gesellschaft auch etwas bringt!

MfG, eine Frau