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Machtkampf im Vatikan? Papst Franziskus gerät unter Druck

Während sich Papst Franziskus im Kirchenvolk ungebrochener Beliebtheit erfreut, wird unter den Kardinälen die Kritik am Pontifex lauter. Seine Amtsführung und theologische Kompetenz werden in Frage gestellt. Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat im Interview mit report München nun nachgelegt.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 05.12.2017

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im BR-Interview | Bild: BR

Die Enttäuschung sitzt nach wie vor tief. Im Sommer hatte der Papst dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller mitgeteilt, dass er seine Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängern will. Ohne Angabe von Gründen. Müller sieht sich als Opfer einer Intrige. "Bestimmte Kräfte im Hintergrund" hätten seine Ablösung betrieben.

"Es ist immer daraufhin gearbeitet worden, dass ich dem Papst im Weg stehe. Oder deren Vorstellungen von Papsttum und Kirche. Ich glaube, das ist die einzige Erklärung, die man finden kann."

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kritik an Franziskus' Personalpolitik

So weit, sich nun an die Spitze einer Gruppe gegen den Papst zu stellen, will Müller nicht gehen, behauptet er im "Corriere della sera". Doch im Interview mit dem ARD Politikmagazin report München übt er mehrfach Kritik am Regierungshandeln von Franziskus, an seiner Personalpolitik, an seinem Misstrauen gegenüber dem römischen Verwaltungsapparat, der Kurie.

"Es gibt vielleicht auch aus dem Herkunftsland des Papstes so eine gewisse antirömische Stimmung, gewisse Vorurteile gegen die Kurie. Und so gibt es vielleicht die Vorstellung, es müsse aufgeräumt werden. Aber mit dieser Sichtweise, wo gehobelt wird, da fallen Späne, da haben wir nicht so die besten Erfahrungen gemacht."

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Die "15 Krankheiten der Kurie"

Legendär ist die Weihnachtsansprache des Papstes an das kirchliche Leitungspersonal aus dem Jahr 2014. Damals geißelte Franziskus die "15 Krankheiten der Kurie". Krankheit Nr. 1: Das Gefühl, unentbehrlich zu sein.

"Es ist die Krankheit des törichten Reichen aus dem Evangelium, der dachte, ewig zu leben, und auch derer, die sich in Gutsherren verwandeln und sich allen übergeordnet und nicht im Dienst aller fühlen."

Papst Franziskus

Nicht nur wegen solcher Worte – die Stimmung im Vatikan ist schlecht. Die von Franziskus angestoßenen Reformen beunruhigen die Mitarbeiter. Seine Öffnung der Kirche sorgt vor allem bei konservativen Theologen für Kritik. Kardinäle äußern öffentlich Zweifel am Lehramt des Papstes.

Eindeutig verteilte Sympathien

Tobt da ein Machtkampf in Rom? Die undiplomatische Antwort der deutschen Botschafterin am Heiligen Stuhl, Annette Schavan:

"Für den Vatikan gilt, was für jede Institution gilt. Im Zustand der Harmonie verändert sich selten etwas. Wenn Dinge in Bewegung geraten, gibt es Reibung, Vorwürfe. Warum sollte es im Vatikan anders sein?"

Annette Schavan

Im Kirchenvolk sind die Sympathien eindeutig verteilt. Auch im fünften Jahr im Amt erfreut sich der Papst aus Argentinien ungebrochener Popularität. Da werden seine harschen Worte gegen das eigene Personal eher positiv gewertet. Sein Stil kommt an, einfache Gesten. Dass er seine schwarzen Schuhe auch als Papst behalten hat, dass er im vatikanischen Gästehaus Santa Marta lebt. Kardinal Müller ist das zu wenig.

"Es wäre besser, die Glaubensbotschaft des Papstes zu hören und darauf zu achten, statt mit sekundären Aufmerksamkeitselementen das Papsttum populär zu machen, mit schwarzen Schuhen, Santa Marta…."

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Ungewöhnlich deutliche Worte für einen Kardinal, der dem Papst eigentlich zu besonderer Treue verpflichtet ist. Der Machtkampf um die Zukunft der Kirche scheint in vollem Gange.


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Kommentare

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Heinz-Udo Schwarz, Sonntag, 10.Dezember, 13:38 Uhr

37. Zurechtweisung

An die jenigen Kardinäle, die den Papst kritisieren, sollen nicht verkennen, das im Sinne und mit seinem Wirken,und seines Wohlwollen Gottes des heiligen Geistes wirkt. Die Kardinäle sind entbehrlich, nicht aber unentbehrlich.Ob Papst Franziskus schwarze Fußbekleidung oder Pupurfußbekleidung trägt ist seine entscheidun-wichtig sind aber beide Fußbekleidungen, zu beachten aber auch nur die-.Kritik darf und soll es geben aber sich dabei nicht in Unwahrheitn verlieren.Ich ermahne euch in Liebe und Güte ,zu erachtetn, was der apostolische Papst zu verkündet hat , mit Gedanken-Worten,und Taten-Denn er hat die Gabe-Gottes, prophetisch zu sein-..-Ihr könnt nicht päptlicher sein wie der Papst-.Die vatikanische Kurie, soll wohl geordnet werden-wenn sie unordenlich ist-.Dein Wille geschehe, wie im Himmelreich so auch im Vatikan-heiliger Geist-Gottes-.Denn, Gott heiliger Geist ist mit dem Paps tFranziskus, und der Papst Pontifex mit Ihm.

schimmelpfennig erika, Mittwoch, 06.Dezember, 19:15 Uhr

36. kritik an papst Franziskus

P.apst Franziskus ist für mich ein glaubwürdiges Vorbild.Kardinal Müller sollte besser Demut zeigen,statt dessen Machtposition.
Die alten schwarzen Schuhe sowie das wohnen im Gästehaus stören mich nicht.Der Papst ist demütig + zeigt worauf es ankommt.
Auch die vorgelesenen 15 Punkte finde ich richtig.Der ganze Prunk + die Abgehobenheit der Kardinäle stört mich sehr,es gibt auch wenige Ausnahmen.
Es ist richtig dass der Papst ins Gefängnis geht,Armen die Füße wäscht,keine Designerbrille trägt,sondern neue Gläser in seiner alten Brille + vieles,vieles mehr.
Ich wünsche unserem Papst noch lange Gesundheit obwohl diese sehr angeschlagen ist.
Ich versuche für ihn zu beten.Bin 79 Jahre alt + selber krank.

Suarez, Mittwoch, 06.Dezember, 14:37 Uhr

35. @Waldemer

Welche Demütigung? Der Kardinal hat wohl nicht mitbekommen, was amtliche Lehre ist - die Auslegung, dass geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen sind, ist amtlich bestätigt. Und erstaunlich: Er müsste doch wissen, dass Rom immer schon mit Fußnoten und Randbemerkungen die Lehre fortgeschrieben hat. Er weiß es auch. Er merkt nur, dass seine Wehleidigkeit nicht medial rezipiert wird. Also wird er lauter.

  • Antwort von Sandro F., Donnerstag, 07.Dezember, 08:55 Uhr

    @Suarez

    Sie wissen schon, dass geschiedene und wiederverheiratete Paare. die heilige Kommunion nicht empfangen dürfen, da sie sich einer schweren Sünde schuldig machen würden. " Wer unwürdig mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, iss und trinkt sich das Gericht"! Der Bischof von Rom lehrt Häresien und Irrlehren. Er ist kein gültiger Papst. Er gehört abgesetzt. Er täuscht schlichte Gemüter und tadelt und schikaniert seine Brüder, die er im Glauben eigentlich stärken solle. Er ist kein Diener der Diener, sondern ein Diktator. Kardinal Müller sollte mehr Mut zeigen und andere Kardinäle auf seine Seite ziehen, gegen Franziskus, den häretischen falschen Papst.

  • Antwort von Sandman, Freitag, 08.Dezember, 09:03 Uhr

    @ Sandro F.: Und aus welcher kirchlichen Lehrgewalt heraus predigen Sie das jetzt?
    Eine Google-Suche nach Ihrem nicht näher gekennzeichneten Zitat führt schonmal zu interessanten Ergebnissen - Spoiler für alle anderen: Die Bibel ist nicht dabei. Und auch nichts, was auch nur im Ansatz mit amtskirchlicher Lehre zu tun hätte.
    Man könnte auch sagen: Gerade Sie müssen ja wissen, was Häresie ist.

Joachim Waldemer, Mittwoch, 06.Dezember, 13:03 Uhr

34. "Papst geraet unter Druck"( Kommentar der Kommentare)

Die Kommentare sind teils sehr fragwuerdig und fuer Christen unwuerdig!Kein Wort davon,dass man fuer den Kardinal Mueller beten sollte,
denn es ist ungeheuer schwer,eine solche Demuetigung einzustecken.Wer das am eigenen Leib einmal erfahren hat,weiss wovon ich spreche.
Desweiteren wird die Unfehlbarkeit des Papstes voellig falsch verstanden,denn diese kam im laufenden Pontifikat noch nie zur Anwendung.
Der Streitpunkt Geschiedene/Wiederverheiratet - Zulassung zu den Sakramenten,ist tatsaechlich im Bereich der Barmherzigkeit anzulegen.
Warum sollte eine Frau,die von ihrem Mann,wegen einer Juengeren verlassen wird,von den Sakramenten ausgeschlossen werden?Ist sie
nicht schon genug gestraft?Und wenn sie einen verlaesslichen neuen Partner findet,wo ist da ein Problem?Man sollte Barmherzigkeit vor
Pharisaeertum gelten lassen,gerade in den Notlagen sollte die Kirche ihr mildes Gesicht zeigen!

Robert, Mittwoch, 06.Dezember, 12:10 Uhr

33. Pharisäertum

Kardinal Müller gehört zu denen, die um ihre Macht fürchten. Er hetzt gegen den Papst, weil er entmchtet wurde.
Macht und Machtgelüste hat schon Jesus kritisiert. Was ist an der Kurie überhaupt Jesus-gemäss? Fast nichts.
Die Kirsche als Institution lehrt und fördert, was ihr als Machtorgan nutzt. Die Ehe der Priester wurde nur deshalb in ein Zwangszölibat umgewandelt, weil die Kinder der Priester erbberechtig waren. Was ist an Geldgier, Karrierestreben und machtbessenheit christlich?
Jesus wurde heute rufen: Heuchler! Ihr predigt Wasser und trnkt Wein.
Zum Glück gibt es an der Basis noch wahre Schüler und Nachfolger Jesu.