19

Problem für die Umwelt Brandgefährliche Papierverschwendung

Die Deutschen gelten als umweltbewusstes Volk. In Sachen Papierverbrauch sieht das aber anders aus: Weltweit liegen wir auf Platz vier. Tendenz steigend. Wie kann das sein, in Zeiten der Digitalisierung? Und was hat unsere Papierverschwendung mit den schlimmen Bränden in Portugal zu tun?

Von: Steffi Illinger

Stand: 06.12.2017

Papier wird aus einem nachwachsenden und gut verrottenden Rohstoff hergestellt. Das ist wohl der Grund, warum  die meisten Deutschen in ihrem Papierverbrauch kein großes Problem sehen. Und das merkt man: In unserem Wohlstandsland wird nach wie vor viel weißes Papier – also sogenanntes Frischfaserpapier – verwendet. Recyclingpapier mangelt es hierzulande immer noch an Akzeptanz.

Toilettenpapier & Co

Außerdem verbrauchen die Deutschen enorm viel Zellstoff in Form von Küchenrollen, Toilettenpapier und Co. Und gerade bei diesen Hygienepapieren ist der Anteil an Recyclingfasern seit Jahren stark rückläufig. Dabei sind die Recyclingprodukte bei Taschentüchern oder Toilettenpapier zumeist nicht teurer, manche sogar günstiger. Ein weiterer Nachteil: Diese Papiere sind nicht recycelbar, weil sie verschmutzt in der Toilette bzw. im Abfall landen.

"Was wir beobachten ist, dass Kunden zunehmend auf höherwertige Qualitäten zurückgreifen: vierlagige, fünflagiges Toilettenpapier. Recyclingpapier ist häufig das Preiseinstiegssegment - also eher dann dreilagige Qualitäten. Preis ist vermutlich nicht der Treiber dafür. Der Verbraucher nimmt Frischfaserpapier häufig als höherwertiger wahr. Als weicher, als weißer - vielleicht auch als hygienischer."

Dr. Martina Eisenbeis, Nachhaltigkeitsbeauftragte von Essity

Spitzenreiter: Verpackungsmaterial

Der Verbraucherrekord liegt mittlerweile allerdings beim Verpackungsmaterial.

"[…] Verpackung, Verpackung, Verpackung. Das ist sowas von enorm geworden, die Verpackungen. Auch Kleinstverpackungen. Nur um einen Schraubenzieher, ist so eine Verpackung."

Karlheinz Mankus, technischer Anlagenleiter Rowe-Recycling Nürnberg

Recyclingpapier optimieren

Um all diesen Papierhunger stillen zu können, muss zum einen die Akzeptanz für Recyclingpapier erhöht werden.

"Wir könnten das ganze Papier, das wir verbrauchen, aus Frischfaserpapier gar nicht herstellen. Dafür hätten wir nicht genug Wald. Papierrecycling ist schon eine große Entlastung für den Papierkreislauf und ist auch sehr wichtig und muss deswegen auch weiter optimiert werden."

Almut Reichart, Umwelttechnologin des Umweltbundesamtes

Nachschub durch Eukalyptus

Zum anderen muss Nachschub in den Wäldern geschaffen werden. Schnellwachsende Baumarten sind gefragt. Und eine ist dabei ganz weit vorne: Eukalyptus. Eine wirtschaftliche Chance für ein armes europäisches Land? In Portugal wachsen riesige Eukalyptus-Monokulturen. Doch durch diese großen Wälder lebt die Bevölkerung wie auf einem Pulverfass, wie das Jahr 2017 gezeigt hat: Von Juni bis Oktober hat es immer wieder gebrannt – und die Feuer waren tagelang nicht in den Griff zu bekommen.

Der blaue Eukalyptus: eine höchst problematische Pflanze!

Ursprünglich wachsen in Portugal Kiefern- und Eichenwälder. Doch immer häufiger findet man dort riesige Monokulturen, in denen ausschließlich der blaue Eukalyptus wächst – eine Pflanze, die aus Australien importiert wurde. Der Anbau der schnell wachsenden Bäume wurde forciert, er ist sogar mit EU-Mitteln gefördert. Der Grund: Eukalyptus liefert den Rohstoff für die Papier- und Zelluloseproduktion – und sollte eine wirtschaftliche Chance für das arme Land sein. Das Problem: Eukalyptus ist wegen seiner ölhaltigen Blätter besonders leicht entflammbar. Und wenn Eukalyptusbäume brennen, dann explodiert ihre Rinde.

Dieser Funkenflug ist ein absoluter Brandbeschleuniger. So bewerten Experten die Monokulturen als Ursache für die zunehmenden Waldbrände in Portugal. Eine falsche Forstpolitik, die ihren Anfang in den 80er-Jahren fand: Damals propagierten manche Ministerien, Eukalyptus sei das „grüne Öl“ Portugals.

Die große Papierindustrie Portugals schiebt den Schwarzen Peter gerne an die Kleinbauern weiter, die ihre Wälder nicht genug pflegen würden und sich deswegen die Feuer in dieser Art ausbreiten könnten. Doch eines ist auch klar: Ohne diese Kleinbauern könnten auch die Großhersteller ihren Bedarf nicht decken.

Lösung 1: Recycling-Papier verwenden

Der Schlüssel zur Lösung des Problems? Ein erster Schritt für die Deutschen könnte es sein, zum Recycling-Papier zu greifen. Auch bei den Hygienepapieren. Doch Vorsicht! Ganz sicher kann man sich bei den verschiedenen Umwelt-Siegeln nicht sein – zumindest eines ist in Teilbereichen durchaus fragwürdig.

Lösung 2: Papierkonsum einschränken

Der beste Weg wäre es, den Papierhunger hierzulande zu drosseln. Gefragt sind dabei vor allem Behörden und Unternehmen, denn da ist der Papierverbrauch enorm. Mit der Stadt Erlangen gibt es bereits ein absolutes Positivbeispiel: Bereits vier Mal in Folge ist die Stadt als eine der recyclingpapierfreundlichsten Städte Deutschlands ausgezeichnet worden. Ein Aspekt: Die kommunale Verwaltung hat vor Jahren komplett auf Recyclingpapier umgestellt. Auch den Bürgern versucht die Stadt, Tipps zur Hand zu geben – wie etwa beim Einsatz von Papier in den Schulen.

Das Ziel der Stadt ist es deshalb, von den Papierbergen wegzukommen. Im Stadtrat wird gerade umgestellt: Tablets sollen Sitzungsunterlagen ersetzen.

Eukalyptus weg

Und wie sieht die Lösung in Portugal aus? Einige wenige Dorfbewohner der von den Feuern betroffenen Gegenden haben einen folgenreichen Entschluss gefasst: Sie werden den Eukalyptus rund um ihre Häuser mitsamt Wurzeln ausreißen – in einem Umkreis von 500 Metern. Ein einstimmiger Beschluss im Dorf. Die Umweltschützer werten das als ersten Erfolg. Unterstützung von der Industrie oder dem Staat bekamen die Dorfbewohner für ihren Schaden nicht.


19