20

US-Student Otto Warmbier Tod durch Folter in Nordkorea?

Die traurige Nachricht traf Amerika wie ein Schock: Nur eine Woche nach seiner Rückkehr aus dem Straflager in Nordkorea ist der Student Otto Warmbier gestorben. Nach 17-monatiger Haft war er im Wachkoma und mit schweren Hirnschäden ausgeflogen worden.

Von: Martin Ganslmeier

Stand: 20.06.2017

Otto Warmbier gestorben | Bild: Bayerischer Rundfunk

"Unser Sohn hat seine Heimreise beendet", heißt es in einem Statement seiner Eltern, "im Kreis seiner ihn liebenden Familie ist Otto um 14.20 Uhr gestorben." Aufgrund der "furchtbaren, qualvollen Misshandlungen" in Nordkorea habe ihr Sohn solch schwere Hirnschäden erlitten, die leider "keinen anderen Ausgang" zuließen. Ihr Sohn habe nicht mehr sprechen und nicht mehr reagieren können. Eine Chance auf Heilung hatten die Ärzte ausgeschlossen.

Erst eine Woche vor dem Rücktransport ihres Sohnes hatten die Nordkoreaner das US-Außenministerium informiert, dass der 22-jährige Student seit über einem Jahr im Koma liegt. Sein Vater Fred schilderte vor wenigen Tagen, wie er Otto nach eineinhalb Jahren zu Hause empfing:

"Ich kniete an seiner Seite nieder, umarmte ihn und sagte ihm, wie sehr ich ihn vermisste und wie froh ich bin, dass er wieder zu Hause ist."

Fred Warmbier

Schwere Hirnschädigungen

Nach einer gründlichen Untersuchung widersprachen die Ärzte der Universitätsklinik von Cincinnati der offiziellen Erklärung Nordkoreas, Warmbier habe in der Haft eine schwere Nahrungsmittelvergiftung erlitten und sei nach Einnahme einer Schlaftablette ins Koma gefallen. Nach ihren Untersuchungen wurden dem Studenten vor über einem Jahr schwere Schädigungen im Hirn zugefügt - wahrscheinlich als Folge von Sauerstoffentzug und vorübergehendem Herzstillstand.

Er stahl ein Propagandaplakat

Otto Warmbier war Anfang 2016 mit einem Veranstalter von Abenteuerreisen nach Nordkorea gekommen. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er in seinem Hotel versuchte, ein Propaganda-Plakat von der Wand zu entfernen, um es als Souvenir mitzunehmen.

Nach einem Schauprozess im März wurde er zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Vergeblich flehte der Student damals die Richter an: "Bitte denken Sie an meine Familie und verschonen Sie mein Leben!" Es waren die letzten Worte, die seine Eltern von ihm hörten.

Trump spricht von "brutalem Regime"

Unmittelbar nach der Nachricht von Warmbiers Tod machte US-Präsident Donald Trump Nordkorea für den Tod des US-Studenten verantwortlich:

"Wenigstens haben wir ihn zu seinen Eltern nach Hause bringen können. Sie waren so froh darüber, obwohl er in solch schlimmem Zustand war. Es ist ein brutales Regime, aber damit werden wir fertig."

Donald Trump, US-Präsident

US-Außenminister Rex Tillerson kündigte an, die US-Regierung werde Nordkorea für Warmbiers ungerechte Inhaftierung zur Verantwortung ziehen. Der republikanische Senator John McCain warf Nordkorea "Folter und Mord" vor.

"Größtes Freiluftgefängnis der Welt"

Der Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, Wenzel Michalski, hat als Reaktion auf den Folter-Tod des US-Studenten Otto Warmbier im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk scharfe Sanktionen gegen Nordkorea gefordert: "Nicht wegen der Atomraketen- Tests, sondern wegen der Menschenrechtslage. Nordkorea ist das größte Freiluft-Gefängnis der Welt." Nordkorea sei ständig in den Medien, weil das Land mit seinen Atomraketen-Test gegen internationale Abkommen verstoße. Die Menschenrechtslage in dem Land werde dagegen weitgehend ignoriert. "Wenn Nordkorea eine Rakete startet, gibt es sofort irgendwelche Sanktionen. Aber kluge Sanktionen wegen der Menschenrechtlage gibt es nicht," ktitisiert der Deutschland-Chef von Human Rights Watch Wenzel Michalski. Konkret müsste jeder Handel mit Nordkorea gestoppt, die Reisefreiheit von Regime-Größen aufgehoben und die Devisenkonten des Landes gesperrt werden. Und: "Besonders muss das Ausleihen von nordkoreanischen Zwangsarbeitern auf europäische Baustellen aufhören," so Michalski in der Bayern 2 radioWelt.

Warnung vor militärischer Vergeltung

Mehrere Experten warnten allerdings vor militärischen Vergeltungsmaßnahmen. Michael Green von der Washingtoner Denkfabrik "Center for Strategic and International Studies" sagte:

"Nordkorea hat Raketen und Nuklearwaffen, die Japan und Korea treffen und möglicherweise Amerika bedrohen können. Und es sind drei weitere US-Bürger in Nordkorea gefangen, die wir rausholen wollen."

Michael Green, Center for Strategic and International Studies

Um deren Leben nicht zu gefährden, halten es Experten für wahrscheinlicher, dass die US-Regierung nicht mit Militärschlägen reagiert, sondern noch schärfere Sanktionen verhängt.


20

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Schulze Hanjo, Dienstag, 20.Juni, 14:02 Uhr

10. Tod durch Folter Nordkorea

Jedes einzelne Schicksal ist schlimm.
Lenkt aber auch von denen ab , die für die derzeitigen Zustände weltweit verantwortlich sind. Und das sind nicht die Russen.
Busch , lügt , beginnt den Irakkrieg. Obama tötet eigenhändig Terroristen und Zivilisten mittels Drohnen ( man denke an die Rolle von Ramstein) . Beide foltern in Guantanamo . Kundus , Oberst Klein tötet ca. 100 Zivilisten , usw usw

Bilge, Dienstag, 20.Juni, 13:43 Uhr

9. Schlimm

Er tut mir so Leid, auch seine Familie. Nur wegen eines Plaktes, wenn es denn überhaupt stimmt und er nicht durch Folter zur Aussage gezwungen wurde. Sein Auftritt bei der Pressekonferenz ist auch sehr merkwürdig, habe es mir angesehen. Zudem habe ich mich ein wenig über Foltermethoden in Nordkorea erkundigt, eine davon ist es Personen kopfüber aufzuhängen und zu befragen. Bei solchen Methoden sind Hirnschäden bis zum Tod erklärbar. Mein Beileid.

pete, Dienstag, 20.Juni, 13:31 Uhr

8. Es reicht!

Das sollte das letzte sein, was Nordkorea der Welt noch angetan hat. Nordkorea muss endlich "ausgeschaltet" werden, was eigentlich schon nach Ende des Kalten Krieges nötig wäre. Leider ist Trump dazu zu feige.

  • Antwort von Dirk, Samstag, 24.Juni, 08:04 Uhr

    Aber du bist ja mutig genug und würdest an vorderster Front kämpfen. Immer diese Helden, die vom sicheren Wohnzimmersessel aus zum Kampf für Demokratie und Freiheit aufrufen. Was dabei herauskommt sehen wir ja in Afghanistan, Syrien, Irak ...

Uwe, Dienstag, 20.Juni, 12:59 Uhr

7.

Was soll das für ein "Reiseleiter" sein, der nicht mal die einfachsten Spielregeln dieses Landes beherrscht? Für mich liegt der Verdacht nahe, dass er, womöglich nicht ganz zu Unrecht, wegen Spionage verurteilt wurde.
Die USA würden so jemanden nicht anders behandeln. Und das ach so harmlose Waterboarding kann dieselbe Wirkung erzielen: Koma oder Tod durch akuten Sauerstoffmangel im Hirn.
Bitte nicht falsch verstehen. Ich finde so etwas grauenhaft. Aber weder die USA noch sonst jemand ist da so frei von Schuld, dass er mit Steinen werfen dürfte.

  • Antwort von chris, Dienstag, 20.Juni, 18:12 Uhr

    Spielregeln? Geringfügiger Diebstahl eines Plakates führt zu 15 Jahren Arbeitslager und schlußendlich, womöglich durch Folter zum Tode eines 22 Jährigen???!
    Sie schreiben hier ernsthaft, dass die USA "so jemanden" nicht anders behandelt? Wie kann man so ein Verbrechen nur beschönigen. Ich denke man kann froh sein, dass die betroffenden Staaten gerade noch sehr besonnen darauf reagieren. In vergangenen Zeiten hätte so ein Vorfall durchaus zum Krieg geführt.

Josef Jedermann, Dienstag, 20.Juni, 12:35 Uhr

6. Todesfälle sind immer tragisch

Doch wie man damit umgeht kann man entscheiden.
Der politische Einfluss geht mal in die eine , mal in die andere Richtung.
Hier wurden die Maschinen scheinbar medienwirksam abgeschalten... braucht jemand einen Kriegsgrund?
Man kann auch anders agieren.
Man könnte, zB bei einem Kopfdurchschuss, die Maschinen so lange am Laufen halten bis mediales Gras über die Sache gewachsen ist.

  • Antwort von Herr Sondermann, Dienstag, 20.Juni, 14:05 Uhr

    Nur noch zynisch !
    Hat Trump persönlich entschieden, dass die Maschinen abgeschaltet werden ?
    Ich bin fassungslos !