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Nach Haft in Nordkorea US-Student Otto Warmbier gestorben

Der US-Student Otto Warmbier, der vor wenigen Tagen aus einer 17 Monate dauernden Haft in Nordkorea zurückgekehrt war, ist tot. Das teilte seine Familie am Montag in einem Statement mit, das mehreren US-Medien vorliegt.

Von: Veronica Zapp, Gerhard Brack und Jannik Pentz

Stand: 19.06.2017

Ein junger US-Student reist nach Nordkorea, wird dort verhaftet, weil er ein Plakat gestohlen haben soll. Eineinhalb Jahre später lässt ihn Nordkorea "aus humanitären Gründen" frei. Warmbier kehrt er in die USA zurück - im Koma und mit einem schweren Hirnschaden. Wenige Tage nach seiner Rückkehr ist er nun gestorben. 

Wegen "staatsfeindlicher Aktivitäten" vor Gericht

In Nordkorea musste sich der US-Student vor Gericht verantworten, weil er ein Propaganda-Plakat gestohlen haben sollte. Am 29. Februar 2016 gestand er "staatsfeindliche Aktivitäten", sprach vom schlimmsten Fehler seines Lebens.

Der 22-Jährige war am Donnerstagabend mit einem Sanitätsflugzeug in den USA angekommen. Die US-Regierung hatte nachdrücklich auf eine Freilassung gedrungen, nachdem sie Anfang Juni von Warmbiers Zustand erfahren hatte.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa erfuhren Otto Warmbiers Eltern erst eine Woche vor seiner Rückkehr, dass ihr Sohn seit fast 15 Monaten im Koma lag. Die Begründung der nordkoreanischen Seite, er sei an Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, halten sie für nicht glaubwürdig. Die Ärzte wollten nicht über die Hintergründe der Verletzungen spekulieren.

Erklärung der Familie

Warmbiers Angehörige werfen dem Regime in Nordkorea Misshandlung vor. Die Ärzte hatten schwere Verletzungen an Ottos Gehirn festgestellt. Die Schuld für Ottos Tod sieht die Familie beim Regime in Pjöngjang:

"Die schreckliche, qualvolle Misshandlung, die unser Sohn in den Händen der Nordkoreaner erfahren hat, machte keinen anderen Ausgang möglich."

Aus der Erklärung der Familie

So heißt es in einer Erklärung der Eltern und der Familie zum Tod Otto Warmbiers, die unter anderem auf Twitter verbreitet wurde. Und weiter:

"Es wäre leicht, in so einem Moment den Fokus auf das zu richten, was wir verloren haben - unsere Zukunft mit einem warmherzigen, engagierten, brillianten jungen Mann, dessen Neugierde auf und dessen Enthusiasmus für das Leben keine Grenzen kannte. Aber wir wollen darauf schauen, was für ein bemerkenswerter Mensch uns geschenkt war."

Aus der Erklärung der Familie

Als Otto vor sechs Tagen zurückkehrte nach Cincinnati, sei er schon unfähig gewesen, zu sprechen und auf Worte zu reagieren. Doch Eltern und Familie zeigen sich überzeugt:

"Er war im Frieden. Er war daheim, und wir glauben, dass er das fühlen konnte."

Aus der Erklärung der Familie

Der Fall - ein Politikum

Otto Warmbier war in Pjöngjang zu 15 Jahren Schwerstarbeit verurteilt worden. Er hatte eingeräumt, dass er auf einer Touristenreise durch Nordkorea ein Propaganda-Transparent von der Wand abgenommen und mitgehen lassen hatte wollen. Kurz nach der Verurteilung im März fiel er ins Koma. US-Außenminister Tillerson hatte sich für seine Freilassung stark gemacht. Derzeit befinden sich noch drei weitere US-Amerikaner in nordkoreanischer Gefangenschaft.

In einer ersten Reaktion kündigte Donald Trump an, seine Bemühungen zur Rettung Unschuldiger aus den Händen von Regimen, die Menschenrechte missachteten, vertiefen zu wollen.

"Die USA verdammen noch einmal die Brutalität des nordkoreanischen Regimes und betrauern sein neuestes Opfer."

Aus der Erklärung von US-Präsident Donald Trump

"Größtes Freiluftgefängnis der Welt"

Der Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, Wenzel Michalski, hat als Reaktion auf den Folter-Tod des US-Studenten Otto Warmbier im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk scharfe Sanktionen gegen Nordkorea gefordert:

"Nicht wegen der Atomraketen- Tests, sondern wegen der Menschenrechtslage. Nordkorea ist das größte Freiluft-Gefängnis der Welt."

Wenzel Michalski, Human-Rights Watch

Nordkorea sei ständig in den Medien, weil das Land mit seinen Atomraketen-Test gegen internationale Abkommen verstoße. Die Menschenrechtslage in dem Land werde dagegen weitgehend ignoriert.

"Wenn Nordkorea eine Rakete startet, gibt es sofort irgendwelche Sanktionen. Aber kluge Sanktionen wegen der Menschenrechtlage gibt es nicht."

Wenzel Michalski, Human-Rights Watch

Konkret müsste jeder Handel mit Nordkorea gestoppt, die Reisefreiheit von Regime-Größen aufgehoben und die Devisenkonten des Landes gesperrt werden. Und: "Besonders muss das Ausleihen von nordkoreanischen Zwangsarbeitern auf europäische Baustellen aufhören" so Michalski in der Bayern 2 radioWelt.


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