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Gedenken an Wiesn-Attentat Tränen und Mahnung gegen Terror

Tränen, Hoffnung auf Sühne und ein Aufruf gegen Extremismus: Zum 35. Jahrestag des Oktoberfest-Attentats haben Überlebende und Angehörige, Politiker und Vertreter der Gesellschaft der Opfer gedacht.

Stand: 26.09.2015

Am Mahnmal am Wiesn-Haupteingang erklärte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD): Erinnern bedeute in diesem Fall auch, sich der tödlichen Gefahr des Rechtsterrorismus bewusst zu werden und sich aktiv gegen rassistische Ideologien zu stellen.

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mahnte, die Gesellschaft müsse sich konsequent gegen jeden Extremismus stellen. Organisiert wurde das Gedenken unter anderem von der örtlichen DGB Jugend. Dort hieß es, es gehe dabei nicht zuletzt darum, die kritische Auseinandersetzung mit dem Attentat wach zu halten.

Zweifel an den Ermittlungsergebnissen

Bei dem Anschlag 1980 starb auch der Attentäter Gundolf Köhler. Bis heute gibt es erhebliche Zweifel daran, dass der frühere Anhänger der rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann" die Tat alleine und aus privaten Gründen beging.

Seit Dezember 2014 wird erneut ermittelt. Recherchen des BR-Reporters Ulrich Chaussy haben dazu geführt, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zum Attentat wieder aufgenommen hat. Chaussy beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Anschlag - er glaubt, dass die neuen Ermittlungen durchaus zu brauchbaren Ergebnissen führen können.

"Ich hab schon sehr viel Überraschungen erlebt in diesen vergangenen 30 Jahren - dass Material verschwunden ist und dann wieder aufgetaucht ist."

BR-Reporter Ulrich Chaussy geht seit Jahrzehnten den Ungereimtheiten bei den Ermittlungen nach.

Angeblich mehr als 200 neue Spuren

20 Beamte der Soko "26. September" seien mit dem Attentat "auf Hochtouren" damit beschäftigt, heißt es beim Bayerischen Landeskriminalamt. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete vergangene Woche von 236 neuen Spuren. Die Soko habe bereits 500 Akten abgearbeitet und mehr als 100 Zeugen vernommen. "Wir werden die Sache extrem genau aufarbeiten", verspricht ein LKA-Sprecher. Ein Ende der Ermittlungen ist nicht absehbar. Zum Jahreswechsel will die Bundesanwaltschaft ein erstes Zwischenresümee ziehen.

Seltsame Zufälle

Rund um das Attentat ranken sich Ungereimtheiten, mysteriöse Vorkommnisse - vielleicht auch nur seltsame Zufälle: Ein rechtsradikaler Waffensammler, der sich in seiner Zelle erhängt.

Eine abgerissene Hand, deren Verbleib nicht ganz sicher ist. Und amtlicherseits vernichtete Beweismittel. Neben der Frage nach Tätern und deren Motiv wollen Angehörige, Opfervertreter und Politiker wissen: Haben die Ermittler damals - wie bei den NSU-Morden - neonazistische Hintergründe nicht ausreichend geprüft oder in diesem Fall sogar verschleiert? Opferanwalt Werner Dietrich sprich von Vertuschungen.


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