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#factfox Ohne Jäger kein Wald?

Sind Jäger überflüssig - oder existenziell für unsere Wälder? Kurze Antwort vorweg: Ohne Jagd sähe der Wald auf jeden Fall anders aus.

Von: Gudrun Riedl

Stand: 25.04.2017

Eine Rotwild-Kuh springt durch das Unterholz | Bild: dpa, picture-alliance

Eigentlich ging es bei der Diskussion auf Facebook um den "Biber als Delikatesse" , aber die Diskutanten stießen schnell zum Kern der Sache vor. "Die Natur ist aus dem Gleichgewicht, wenn nicht endlich diese lodengrünen Hobbymörder verschwinden" schreibt Eva-Maria Kirsch.

"Erst mal schlau machen!" gibt ihr Facebook-Nutzerin Ulla Neuberger zurück. Ohne Jäger gäbe es bald keinen Wald mehr, weil sich Dam- und Rotwild mangels natürlicher Feinde explosionsartig vermehrte und der Wildverbiss enorme Schäden anrichte.

Die Sicht der Jäger

Kein Wald ohne Jäger? Der Bayerische Jagdverband schickt BR24 Statistiken. Im Jagdjahr 2015/2016 sind demnach in Bayern 313.842 Rehe, 11.954 Stück Rotwild und 4.245 Stück Gamswild erlegt worden. Diese Abschusszahlen seien nach den forstlichen Gutachten von den Behörden festgelegt worden. Ziel: ein natürliches Nachwachsen von Waldbäumen muss möglich sein. Wildschweine spielten dabei übrigens keine Rolle, sie fressen keine Jungbäume.

"Somit übernehmen die rund 50.000 bayerischen Jägerinnen und Jäger eine wichtige Rolle bei der Verjüngung unserer Wälder."

Thomas Schreder, Dipl. Biol. Pressesprecher Bayerischer Jagdverband e.V.

Wild-Tier-Schützer sehen das anders. Gerade der andauernde Jagddruck, so etwa Peta in seinem Jägerlatein-Check, mache die Tiere scheu und dränge das ursprünglich Graslandschaften bewohnende Rehwild tief in die Wälder, was die sogenannten Wildverbisse an forstwirtschaftlichen Nutzflächen fördere. Also müsste man erst die Jagd einstellen, um das Verhalten der Tiere beurteilen zu können? Es gibt solche Experimente in festgelegten Arealen - aber eben nicht in einer wald-durchwachsenen Kulturlandschaft wie Bayern.

Jagdfreie Zonen

Was ginge ab in Bayerns Wäldern, wenn ab sofort nicht mehr gejagt würde? Professor Zahner von der Forstfakultät der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf glaubt, dass sich auch ohne Jäger (menschliche wie tierische) die Schalenwildbestände regulieren. Allerdings: Es gebe dann Phasen, in denen der Wald es schwer habe, sich zu verjüngen. Als Beispiel nennt Zahner die Isle Royale, einen nordamerikanischen Insel-Nationalpark:

"Betrachten wir die Forschung auf der Ilse Royale, ist die Elchpopulation (ohne Jagd und Beutegreifer) von 2.500 (1995) auf 500 (1997) zusammengebrochen, und dann ist der Wald wieder gewachsen."

Dr. Volker Zahner, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Auch der Wolf kann Jagd


Erholen konnte sich der Wald auf der Isle Royale aber auch deshalb, weil es 1997 einem Wolf gelang, vom Festland auf die Insel zu schwimmen - der dort einen durch jahrzehntelange Inzucht geschwächten Bestand auffrischte, so dass die Insel-Wölfe wieder erfolgreicher auf Elchjagd gingen. Überhaupt: Ohne den Menschen mutiert die Natur nicht gleich zum Paradies: Zeckenplagen, Hungersnöte, Kälte und neuerdings auch der Klimawandel setzen Tieren in großen jagdfreien Natur-Parks zu.

Rehe finden vor allem Buchen und Tannen lecker

Junge Fichten müssen Rehe nicht fürchten - solange Rehe die Auswahl haben, fressen sie lieber Tanne & Co

Wald gäbe es bei uns auch ohne Jäger, das streiten viele Experten nicht ab. Nur: Wie sähe dieser Wald aus? Ralf Straußberger ist Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz. Er sagt, wenn sich Rehe ungehindert vermehrten, kämen nur die weniger verbissenen Fichten und Kiefern durch und nicht die Baumarten, die wir im Klimawandel eigentlich bräuchten: Eiche, Buche, Weißtanne. Unterstützt wird diese Sichtweise am Lehrstuhl für Waldbau in München.

"Ohne Jäger würden sich sehr hohe Schalenwilddbestände einstellen, die v.a. die empfindlichen Baumarten wie Tanne, Eibe und Laubbäume am Aufwachsen hindern würden, so dass der Wald bald nur noch aus weniger verbissempfindlichen Bäumen, vornehmlich aus Fichten, bestehen würde. Der Satz muss also lauten: Ohne Jäger gibt es keinen artenreichen Mischwald!"

Prof. Reinhard Mosandl, Lehrstuhl für Waldbau, TU München

Beobachten konnte man das auch im Bayerischen Nationalpark, der im Kern zu etwa 70 Prozent jagdfreie Zone ist. Zu Anfang ließen Rehe und Rotwild vom Fichten-Tannen-Buchenwald prompt nur die Fichten stehen. Daraufhin wurden die vielen Wildfütterungen eingestellt - bis auf vier Wintergatter. Wenn es kalt wird, zieht es die allermeisten Hirsche dorthin, wo allerdings dann Jäger die Bestände regulieren. Ohne Jäger geht es also auch im Nationalpark nicht.

BR24 berichtet regelmäßig über Neues vom #factfox. Wir greifen Fragen und Behauptungen aus den Kommentarfeldern auf Facebook, Twitter und br24.de auf und recherchieren.

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Spaziergänger, Dienstag, 25.April, 19:28 Uhr

4.

Ich kenne einen Jäger, den habe ich gefragt wieso er Füchse erschießt. Er sagte zu mir: "Weil ich das Fell verkaufen kann".
An Selim: Welche Wilderer? Meinen Sie diese die den Luchsen im bayr. Wald die Pfoten abschneiden?
Ich persönlich kenne keinen mir sympatischen Jäger.

Selim, Dienstag, 25.April, 15:49 Uhr

3. Jagdschutz ohne Jäger?

Wer würde dann den Wald vor den Wilderern schützen,
wenn es keine Jäger mehr geben darf?
Und von den meisten Wilderern darf man getrost annehmen, dass die sich keiner "Weidgerechtigkeit" verpflichtet fühlen.
Da wird drauf los geschossen - Nachsuche mit Hund ? Fehlanzeige.
Einhaltung von Schonzeiten? Fehlanzeige
etc. etc. etc.
Das wäre, wie wenn man im Bahnhofsviertel die Drogenpolizei abschafft.

Wolfgang Schönfelder, Dienstag, 25.April, 12:01 Uhr

2. Patentjagd wie in Graubünden statt Revierjagdrecht?

Wäre das nicht mal zu überlegen, mit Beginn der Jagdsasion, Ende der Schonzeit, dürften alle geprüften Jäger schiessen bis die im Gebiet durch Fortsleute vorgegebenen Abschußzahlen erreicht sind. Inkl. Freigabe von Nachtsichtgeräten sofern dieses betreff Personensicherheit von Wanderern, Radfahrern, anderen Jägern usw. verantwortbar ist.

Und sehr strenge Bestrafung für nichtgenehmigten Abschuß von Wolf oder Luchs, die halten Hufwild nämlich waldschützend auch klein.

  • Antwort von Selim, Dienstag, 25.April, 15:44 Uhr

    2. Nachtsichtgeräte sind nicht verboten
    3. Die Nachtjagd auf die meisten Schalenwildarten ist verboten.

    1. Oh Gott, das gäb ja ein schreckliches Chaos
    4. also ich möchte mich da nicht mehr im Wald aufhalten.
    5. geht es nicht darum, "Hufwild" waldschützend klein zu halten, sondern "Wildbret" zu erlegen. Soll angeblich unter natürlichen Bedingungen gehalten werden, ganz ohne Massenqual und Antibiotika ;-)

Birgit, Dienstag, 25.April, 10:59 Uhr

1. Jäger

Dass Jagd in DE unabdingbar ist, steht außer Zweifel. Doch die Jägerschaft disqualifiziert sich selbst dadurch, dass die Wildbestände durch exorbitante Fütterung gepäppelt werden und dadurch, dass sie auf die Mitjäger Luchs und Wolf gar nicht gut zu sprechen sind. Ständig hört man, "passt nicht in unsere Kulturlandschaft", "Obergrenzen für Wölfe", "Wolf soll ins Jagdrecht" und anderes mehr, jedenfalls nichts was glauben ließe, die Jägerschaft fühlte sich durch Wolf und Luchs in ihrer angeblichen Hegearbeit unterstützt. Dann die Fütterungen - ich sehe sie jeden Tag mit ihren Futtersäcken zu den Kirrungen ziehen, keine Handvoll, Säckeweise wird gefüttert, das Rehwild mit Bergen von Rüben, Äpfeln und Heu verwöhnt, kaum, dass es mal eine Woche -10 Grad hat.

Das alles führt dazu, dass kaum noch jemand Jäger für Menschen hält, deren Ansinnen ein Ökologisches wäre.

  • Antwort von Maria, Dienstag, 25.April, 11:49 Uhr

    Diese Sicht ist mir zu pauschal-es gibt genug JägerInnen, die wildbiologisch, ökologisch und forstwirtschaftlich mitdenken und so die Jagd betreiben.
    D.h. keine "Verhausschweinung" betreiben, keine exorbitanten Maßnahmen erfreifen, die nicht mit einer ganzheitlichen Sicht auf die Jagd in Einklang zu bringen sind.
    Man kann dazu gerne sich z.B. beim Ökologischen Jagdverband ein Bild machen-herzliche Einladung dazu.
    Und: Schwarze Schafe gibt es leider überall (auch im Straßenverkehr).

  • Antwort von Bernd, Dienstag, 25.April, 20:21 Uhr

    1Füttern ist nur in Notzeiten(Winter) gesetzlich erlaubt.
    Die Wölfe bereiten den Landwirtschaftlichen Tierhalter grosse Probleme, sie bleiben auf den Kosten Aufwand für melden der Tötung durch die Wölfe, Zaunbau und vieles mehr sitzen. Die Wölfe verlieren immer mehr die Scheu und nähern sich immer mehr an Siedlungen. Es ist eine Frage der Zeit wann hier die ersten Menschen dran glauben müssen, Haustiere wie Hunde müssen schon dran glauben. Es gibt nicht umsonst die Märchen vom bösen Wolf die Kindern schon beibringen sich vor diesem in acht zu nehmen.

  • Antwort von Manfred, Dienstag, 25.April, 21:00 Uhr

    Na ja Bernd, Sie verbreiten hier halt die Ansichten der Wolf-Gegner. (Selbst Jäger?)
    Kann man auch alles ganz anders sehen.
    Diese Pro-contra-Wolf Diskussion ist allerdings sinnlos, da gerade bei den Wolfgegnern massive wirtschaftliche Interessen dahinter stehen.

  • Antwort von Jens, Donnerstag, 27.April, 12:25 Uhr

    Hallo Birgit, füttern von Wildtieren ist generell Verboten. Hiervon ausgenommen sind Jäger im Rahmen der Hege, also in der Notzeit, oder zur Wildschadensvermeidung als Ablenkfütterung. Dies und das "Kirren", was keine Fütterung ist, sind gesetzlich geregelt. Hierzu sollte jeder Jäger die Gesetzeslage in seinen Bundesland kennen.
    Verstöße, sofern sie zur Anzeige kommen, werden dann durch die entsprechenden staatlichen Stellen geahndet.
    Bitte machen Sie sich mit der Gesetzeslage in Ihren Bundesland vertraut, sammeln dann objektive Daten und Beweise, bringen Sie Verstöße dann bei der zuständigen Behörde zur Anzeige. Subjektive Pauschalverurteilungen sind wohl nicht Zielführend, auch wenn sie sich für den Moment besser fühlen.
    Zum Thema Wolf ins Jagdrecht: Es geht hier darum für die Zukunft vor zu sorgen, auch für die Hege des Wolfes wären die Jäger dann verantwortlich. Z.Z. darf kein Jäger in Deutschland einen Wolf erlegen. Irgendwann kommt aber der Tag mit einem Problemwolf und dann?