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Wahlsieger in Österreich Professor wird Präsident

Der frühere Grünen-Chef und Wirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen hat die Präsidentenwahl mit 53 Prozent gegen den FPÖ-Politiker Hofer gewonnen. Van der Bellen versprach, ein weltoffenes Staatsoberhaupt zu sein.

Von: Ralf Borchard

Stand: 05.12.2016

Alexander Van der Bellen nach seinem Wahlsieg am 4. Dezmber 2016. | Bild: picture-alliance/dpa

Der Jubel kam schneller als erwartet bei der Wahlparty des Van der Bellen-Lagers. Schon die erste Hochrechnung war eindeutig: Der frühere Parteichef der Grünen lag uneinholbar vorn. Seine Anhänger: begeistert. Sie jubelten. Von seinem deutlichen Vorsprung war auch der Wahlsieger selbst überrascht. Alexander Van der Bellen betonte zudem, er sehe die Wahl als Signal an die EU.

"Mir geht’s hervorragend. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass von Wien aus ein rot-weiß-rotes Signal der Hoffnung und der positiven Veränderung durch Europa geht, ein rot-weiß-rotes Signal, das in den Hauptstädten der Europäischen Union aufgenommen und sehr sorgfältig analysiert werden wird."

Alexander van der Bellen, neuer österreichischer Bundespräsdent

Lange Gesichter bei der FPÖ

Alexander van der Bellen | Bild: picture-alliance/dpa|Christian Bruna zum Artikel Wahl in Österreich So reagiert Europa

Van der Bellens Sieg ist auch ein Rückschlag für Europas Rechtspopulisten. Die hatten sich von der Wahl in Österreich weiteren Rückenwind erwartet. Die Reaktionen zum Wahlausgang. [mehr]

Enttäuschung in der Parteizentrale der FPÖ – und Versuche, das Ergebnis von Norbert Hofer nicht nur als Niederlage zu sehen. Die Anhänger Hofers sprachen von einem "insgesamt tollen Ergebnis" der Partei. Das Endergebnis analysierten sie damit, dass sich die Österreicher für das Gewohnte entschieden hätten und nicht für das Ungewohnte. Der unterlegene Norbert Hofer selbst gratulierte Van der Bellen, zeigte sich selbst aber über den Wahlausgang enttäuscht.

"Ich bin enttäuscht, weil ich hätte gern auf dieses Land gut aufgepasst. Es ist jetzt anders gekommen, das tut natürlich sehr weh, muss ich ehrlich zugeben. Aber: der Wähler hat immer recht."

Norbert Hofer, FPÖ-Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen

Die FPÖ will wieder antreten

Hofer kündigte an, in sechs Jahren bei der nächsten Präsidentenwahl wieder zu kandidieren. Erleichtert zeigt sich auch der sozialdemokratische Bundeskanzler. Christian Kern hatte sich für die Wahl Van der Bellens ausgesprochen und kann nun davon ausgehen, dass die Regierungskoalition aus SPÖ und Volkspartei ÖVP zunächst weitermachen kann.

"Ich bin davon überzeugt, dass Alexander Van der Bellen ein sehr guter Partner sein wird, wenn es darum geht, eine weltoffene, zukunftsgewandte Politik der Chancen und Hoffnungen zu betreiben."

Christian Kern, österreichischer Bundeskanzler

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache machte deutlich, dass seine Partei keineswegs dauerhaft auf Versöhnung umschalten will.

"Was wir erleben ist, dass es eine massive Angstkampagne und eine massive Walze des Systems gegen Norbert Hofer gegeben hat. Es haben sich ja fast alle Parteien eingehängt gegen Norbert Hofer."

Heinz-Christian Strache, FPÖ-Chef

FPÖ erkennt Ergebnis an

Erneut anfechten will die FPÖ die Präsidenten-Stichwahl aber nicht. Zwar gilt eine Einspruchsfrist bis 22. Dezember, doch in Wien gehen alle Beobachter davon aus, dass Alexander Van der Bellen tatsächlich Ende Januar vereidigt werden kann. Das sieht auch der Politikwissenschaftler Anton Pelinka so.

"Offenkundig will eine Mehrheit in Österreich keinen Bruch mit der Europäischen Union, also keine Marine Le Pen-Strategie, keine Nigel Farage-Strategie, auch wenn Hofer ja hier im Wahlkampf da eher vorsichtig war, ist das Image geblieben, bei Hofer kann man nicht sicher sein, ob das nicht als ein Signal weg von der Europäischen Union verstanden wird."

Anton Pelinka, Politikwissenschaftler

Auf der Straße bleiben die Reaktionen der Leute geteilt.


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Karin, Montag, 05.Dezember 2016, 12:33 Uhr

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Was nicht passt wird passend gemacht! Wählen bist zum umfallen?