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Nach der Wahl Österreich bleibt tief gespalten

Österreich hat einen neuen Präsidenten gewählt. Zwei Wahlgänge waren nötig, das Ergebnis ist denkbar knapp. Was bedeuten der Wahlausgang und die Mehrheitsverhältnisse? Eine Analyse.

Von: Ralf Borchard

Stand: 23.05.2016

österreichische Flagge  | Bild: picture-alliance/dpa

Der nächste Bundespräsident  in Österreich heißt Alexander Van der Bellen. Der 72-jährige, früher Wirtschaftsprofessor, elf Jahre lang Parteichef der Grünen, wird das Land in den nächsten sechs Jahren nach innen und außen repräsentieren. Quer durch Europa, jedenfalls Westeuropa, vor allem durch Brüssel, Paris und Berlin, geht ein Aufatmen. Ein Rechtspopulist als Bundespräsident in Österreich – gerade noch verhindert. Das Szenario eines von Norbert Hofer angekündigten starken Präsidenten, der der Regierung ständig FPÖ-Knüppel zwischen die Beine wirft, diese womöglich bald entlässt, um mit Parlamentsneuwahlen einem FPÖ-Kanzler den Weg zu ebnen: dieses Szenario ist abgewendet - zunächst. Alexander Van der Bellen wird das höchste Staatsamt mit ähnlicher Zurückhaltung ausüben wie seine Vorgänger.

Gräben verlaufen durch Österreich

Doch das Land ist und bleibt tief gespalten. Die Gräben verlaufen nicht nur zwischen Stadt und Land, zwischen Frauen und Männern. Die Großstädte, vor allem Wien, haben Van der Bellen gewählt, Männer überwiegend Hofer. Vor allem hat diese Wahl eine Spaltung in der Weltanschauung vertieft, besonders bei den Themen Flüchtlinge und Europa. Selbst wenn gut die Hälfte der Wähler sich am Ende für Van der Bellen entschied - der polarisierende Wahlkampf hat die zerstörerische Kritik an der EU, hat die zuweilen an Hetze grenzenden Vorurteile gegen Migranten und Flüchtlinge ein ganzes Stück hoffähiger gemacht in Österreich.

Schwere Aufgabe für Van der Bellen

Van der Bellen verspricht, Gräben zuzuschütten, das Land zu einen. Er wird sich schwer tun. Die Analysen zeigen, dass sich fast die Hälfte seiner Wähler nicht für ihn als Person, für seine Positionen entschieden hat, sondern nur deshalb ihr Kreuz bei Van der Bellen gemacht hat, um Hofer zu verhindern. Umgekehrt gilt: nicht alle Hofer-Wähler stehen rechts außen. Protest und Frust war hier für viele das Hauptmotiv, und diese Protest- und Frustrationsstimmung bleibt gefährlich.

FPÖ strebt 2018 Kanzleramt an

Die FPÖ wird diese Niederlage nicht demütig schlucken. Schon kursiert, von Parteichef Heinz-Christian Strache befeuert, die Verschwörungstheorie, bei der Auszählung der Briefwahlstimmen könne doch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Die FPÖ schärft schon jetzt die politische Klinge für den noch wichtigeren Wahlkampf ums Kanzleramt 2018.

  • Portrait Ralf Borchard | Bild: BR Ralf Borchard

    BR/ARD-Korrespondent für Südosteuropa, Studioleiter Hörfunk in Wien


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Wilhelm, Dienstag, 24.Mai, 04:21 Uhr

8. BP-Wahl in Österreich

Die krankhafte Hektik und das Angstmachen vor einem FPÖ Politiker war doch schon nach dem ersten Wahlgang unbegründet. Da hatte der FPÖ-Kandidat zwar 35% der abgegebenen Stimmen, doch das hies gleichzeitig, dass 65% der Stimmen nicht FPÖ gewählt hatten. Somit war für den zweiten Wahlgang der Kandidat der österreichischen neuen 'Einheitspartei' aus SPÖÖVPGrün-usw der eigentliche Favorit

Sati Riker, Montag, 23.Mai, 23:04 Uhr

7. Wahl ist Wahl

Österreich hat gewählt. Am Ende steht, wie vorgesehen, ein Ergenis fest.
Wieso ist Österreich denn daraufhin gespalten?
Ein Ergebnis ist doch das Ziel einer Wahl.
Müssen nach einer Wahl alle die gleiche Meinung haben?

gschaftlhuber, Montag, 23.Mai, 22:03 Uhr

6. Warum wird Österreich so einseitig fokusiert

Als zu Beginn der 00er Jahre in Österreich die FPÖ als Juniorpartner an die Regierung kam, da schrillten die Alarmglocken. Obwohl der personifizierte Bösewicht Jörg Haider in Kärnten blieb, wurde die öster. Regierung auf Europaebene einem Verhaltenskodex unterworfen.
Warum traut man sich nicht diese Maßstäbe bei aktuellen Regierungen anzuwenden, Schwerpunkt Osteuropa / Südeuropa.
Vermutung: Man würde die Erweiterung des letzten Jahrzehntes als Fehler eingestehen?

Neuer Spieler - selbes Spiel bei den Bundespräsidentenwahlen. Es wird der Weltuntergang prophezeit. Als wäre der Bundespräsident der Alleinherrscher.
Er kann Regierungen entlassen. Und dann, dann gibt es Neuwahlen. Und dann, dann wird Österreich im dümmsten FAll seiner ehm. Schwester Ungarn folgen.
Jedoch wäre der Spuk in A - im Vergleich zu HUN - nach vermutlich 4 Jahren wieder vorbei. In Kärnten wurde die FPÖ bzw. BZÖ in die Wüste geschickt. KH Grasser & P Westenthaler haben dies damals auf Bundesebene geschafft.

Barbara, Montag, 23.Mai, 20:24 Uhr

5. Et tu felix Austria nube!

So sagte man doch schon vor langer Zeit zu Österreich, wenn man meinte, es ginge nicht mehr weiter in Österreich!

Martin, Montag, 23.Mai, 20:20 Uhr

4. Analyse vs. Kommentar

Eine Analyse sollte keine Meinung enthalten.
Es sollte daher als Kommentar bezeichnet sein.