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Für bessere Luft ÖPNV zum Nulltarif – Vorschlag kommt in Augsburg gut an

Die künftige Bundesregierung will Bus- und Bahnfahren kostenfrei machen und damit die Innenstädte von Stickoxiden entlasten. Die Augsburger Stadtwerke sehen diesen Vorschlag positiv.

Von: Torsten Thierbach und Günther Rehm

Stand: 14.02.2018

Die Bundesregierung hält einen zeitweiligen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Städten zugunsten besserer Luft für denkbar. Mit dem ÖPNV zum Nulltarif sollen vor allem drohende Dieselfahrverbote und Klagen der EU-Kommission verhindert werden.

Stadtwerke-Chef: "Denke, dass Grundgedanke positiv ist"

Die Augsburger Stadtwerke sehen diesen Vorschlag positiv. Denn der öffentliche Nahverkehr würde dann aus Steuergeldern finanziert werden, so Stadtwerke-Chef Walter Casazza im BR-Interview: "Den Vorteil, den ich darin erkenne ist: dass auch reinrassige Autofahrer ihren Beitrag zum öffentlichen Nahverkehr leisten würden. Und jene, die umweltgerecht unterwegs sind, sollen natürlich auch belohnt werden. Ich denke, dass der Grundgedanke positiv ist. Schlussendlich muss man danach streben, dass möglichst viele Autofahrer den öffentlichen Nahverkehr benutzen."

Es müsse ja nicht gleich der Nulltarif sein, schränkt Casazza ein und verweist auf Wien, wo das Jahres-Abo 365 Euro kostet, also pro Tag einen Euro. "Das wäre der richtige Ansatz, um den ÖPNV von Tarifhürde zu befreien." Ziel müsse es sein, Tarife zu vereinfachen und zu ermäßigen, sagt der Stadtwerke-Chef. "Wir haben ein Umweltthema in unseren Städten. Und das muss gelöst werden.

"Der öffentliche Verkehr ist eigentlich das Rückgrat, um in der Mobilität dieses Thema zu lösen. Deshalb wird es notwendigerweise eine Umschichtung geben müssen auf den umweltgerechten Verkehr – und das ist der öffentliche Verkehr."

Augsburgs Stadtwerke-Chef Walter Casazza

Bürger machen sich Gedanken über die Finanzierung

Augsburgs Bürger würden sich einerseits freuen, wenn sie kostenlos fahren könnten, andererseits stellen sie aber auch die Frage, wer das letztendlich finanziert:

"'Das ist ne super Sache mit dem kostenlosen Bahnverkehr. Dadurch spart man Autos in der Innenstadt. Straßen werden leerer. Außerdem fahr ich selber Bahn, spart man sich einen Haufen Geld.' – 'Wo soll das Geld herkommen? Sie reden von Steuererleichterungen. Wo wollen sie denn dann das Geld hernehmen, um den Leuten kostenlos Tram und Bus zu ermöglichen?' – 'Durchaus positiv. Generell denke ich schon, dass der ein oder andere vielleicht aufspringt.' – 'Ich find's auch gut, vor allem weil auch in der Innenstadt kaum Parkplätze vorhanden sind. Da ist es immer besser, mit der Straßenbahn hinzufahren. Und wenn es kostenfrei ist, ist es noch besser.'"

Meinungen aus Augsburg

Regierungssprecher: "Sind bereit, Schritte zu machen"

Regierungssprecher Steffen Seibert hat heute in Berlin erklärte, die Bundesregierung wolle zusammen mit Ländern und Kommunen über Modelle für einen temporären kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr nachdenken. "Wir sind bereit, Schritte zu machen", sagte Seibert. Der Regierungssprecher bestätigte, die Bundesregierung habe nach einer Aufforderung aus Brüssel in einem Brief zusätzliche Maßnahmen benannt, um die Schadstoffbelastung in Städten – vor allem durch Stickoxide – zu verringern.


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Thomas L., Donnerstag, 15.Februar, 06:53 Uhr

8. ÖPNV

Mal wieder typisch "nichtwissende" Politiker. Jahrzehntelang nicht in das Schienennetz und den ÖPNV investiert, jetzt aber alle Menschen in fehlende Züge etc. stopfen wollen.
Ein Hirnfurz zum Faschingsende.
O mei o mei!

Squareman, Mittwoch, 14.Februar, 15:51 Uhr

7. RBA

Na dann hoffe ich mal das der RBA sein Busnetz kräftig ausbaut, denn der hat bei uns nämlich die Konzession. Aber wahrscheinlich wird nur der Nahverkehr in den Städten kostenlos und wird dann auch noch von den Leuten auf dem Lande, die keinen Nahverkehr haben, subventioniert.

Norbert, Mittwoch, 14.Februar, 15:24 Uhr

6. Kostengünstiger ÖPNV

Sehr gut! ÖPNV funktioniert flächendeckend nur wenn er subventioniert wird, und darin sehe ich eine wichtige Aufgabe des Staates. Müsste ja auch nicht zum Nulltarif sein, Aber zu einem vernünftigen Preis, der auch für Familien attraktiv ist (und nicht so wie jetzt bei der Bahn: Vergünstigungen nur ...auf dem und dem Zug... zwischen sundsoviel Uhr...an dem und dem Tag...). Eine schlechte Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten war die Privatisierung von Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmittel. Jetzt müssen die natürlich gewinnorientiert arbeiten. Dadurch gibt es z.B. in ländlichen Regionen keinen ÖPNV, der das eigene KFZ ersetzen könnte. Für die Finanzierung wäre es gut, wenn alles in einer Hand (Staat) wäre. So würden die vielbenutzten Strecken die weniger benutzten mitfinanzieren.

Woody, Mittwoch, 14.Februar, 14:50 Uhr

5. Kosten

Wie soll das finanziert werden? Wenn jetzt schon das Gedränge in den Fahrzeugen des ÖPNV groß ist, wie mag es dann sein wenn es nichts mehr kostet? Reicht die Kapazität aus? Wer bezahlt denn das wieder?

  • Antwort von Antworter, Donnerstag, 15.Februar, 10:19 Uhr

    Wer das bezahlt ?
    Ganz einfach, diejenigen, die so blöd sind und sich jeden Morgen und Abend in den überfüllten ÖPNV stopfen lassen. Die jeden die zu Hause bleiben fahren tagsüber in halbvollen oder leeren Wagons. Das ist soziale Gerechtigkeit.

Berufsskeptiker, Mittwoch, 14.Februar, 14:50 Uhr

4. Wer soll das bezahlen...

Da fragt man sich, wie sowas finanziert wird? Es fehlt überall an Geld, die Schulen verfallen, die Straßen sind voller Löcher und viele Brücken halbseitig gesperrt. Diese Verkehrsmittel kosten doch Unsummen, da gehören auch die Gehälter der Fahrer dazu, usw.. Woher nehmen und nicht stehlen? Ich sehe es skeptisch. Der Nahverkehr müsste voll bezuschusst werden. Ein Loch mit einem andern schließen, geht ja nicht.