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Anbieter im Vergleich Wie komme ich an guten Ökostrom?

Viele Verbraucher haben in diesen Wochen Post von ihren Stromversorgern bekommen - mit der Ankündigung einer Preiserhöhung. Das bedeutet ein Sonderkündigungsrecht und kann Anlass sein, den Versorger zu wechseln. Vielleicht gleich auf Ökostrom? Das Angebot ist groß, und es lohnt sich, genau hinzusehen.

Von: Lorenz Storch

Stand: 24.01.2017

Mehrfachsteckdose auf grüner Wiese | Bild: picture-alliance/dpa

Das Angebot ist groß und unübersichtlich. Wer etwa in München per Internetportal nach Ökostrom sucht, bekommt über 70 Angebote. Längst nicht alle davon bringen der Umwelt wirklich etwas, sagt Klaus Müller, Energiekoordinator der Verbraucherzentrale Bayern.

"Der Begriff Ökostrom ist nicht wirklich geschützt. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Ökostrom. Wichtig ist, dass bei gutem Ökostrom neue Ökostromkraftwerke gebaut werden, aufgrund der Tatsache, dass Verbraucher diesen Ökostrom beziehen."

Klaus Müller, Energiekoordinator der Verbraucherzentrale Bayern

Es lohnt sich also, genau hinzuschauen.

Beispiel 1: Edelweiß-Strom

Vor kurzem ist sogar der Deutsche Alpenverein ins Stromgeschäft eingestiegen – zumindest in die Vermarktung. Der DAV bietet zusammen mit dem Hamburger Unternehmen Lichtblick einen Tarif an, der besonders auch auf mehr als eine Million eigenen Mitglieder und ihre Sektionen zielt. DAV-Sprecher Thomas Bucher zur Zusammenarbeit mit Lichtblick:

"Wir bewerben eben gemeinsam ein Produkt, das nennen wir Edelweiß-Strom – passt auch gut zu unserer Marke. Und wir wollen dafür werben, dass man ein vernünftigen Ökostrom hat – und den haben wir eben mit unserem Edelweiß-Strom."

Thomas Bucher, Sprecher DAV

Die Kraftwerke, aus denen der Strom kommt, sind allerdings nicht neu gebaut – sondern zum Teil 90 Jahre alt. Es sind Wasserkraftwerke an Inn und Donau, die zum österreichischen Verbund-Konzern gehören. Neue Anlagen zu bauen sei auch nicht Teil des Geschäftsmodells, sagt eine Lichtblick-Sprecherin. Der ökologische Zusatznutzen? Ein Regenwald-Schutzprojekt, Unterstützung der Forschung für die Einbindung von Ökostrom ins Netz.

"Wir bekommen pro Neukunde 25 Euro für den DAV-Klimafonds. Und davon finanzieren wir zum Beispiel Solaranlagen auf Kletterhallen."

Thomas Bucher, Sprecher DAV

Ein Alpenvereins-Mitglied, das Edelweiß-Strom ordert, unterstützt also besonders den eigenen Verein.

Beispiel 2: Münchner Stadtwerke

Wer die eigene Kommune unterstützen will, der sollte sich sein örtliches Stadtwerk anschauen, ob es sich für Ökostrom engagiert und einen Ökostrom-Tarif anbietet. Die Stadtwerke München etwa investieren ja Milliarden in ihre Ausbauoffensive für Erneuerbare Energien. Die Kraftwerke werden allerdings mangels Möglichkeiten in Stadt und Umgebung zum Großteil weit entfernt gebaut. Stadtwerke-Sprecher Michael Solic zählt Beispiele auf:

"Das Projekt Sandbank westlich der Insel Sylt, das hat auch schon den ersten Strom eingespeist – also ein Offshore-Windpark. Dann bauen wir mit zwei kommunalen Versorgern aus Norwegen einen Windpark in Norwegen. Der wird Anfang 2019 in Betrieb gehen. Und so kommen Stück für Stück kleinere und größere Projekte hinzu, die dann einen sehr bunten erneuerbaren Erzeugungsmix geben."

Michael Solic, Sprecher Stadtwerke München

Dieser Strom allerdings wird dann in Norwegen oder Norddeutschland eingespeist – und nicht an die Münchner Kunden verkauft.

Beispiel 3: Bavaria-Strom

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Bürgerenergie Bayern. Der Zusammenschluss der bayerischen Bürgerenergiegenossenschaften bietet den Tarif „Bavaria Strom“ an – bei dem das Prinzip Regionalität ganz groß geschrieben wird.

"Grundsätzlich ist die Idee, dass Strom dort wo er erzeugt wird, auch verbraucht und gekauft werden kann. Und Bavariastrom kauft deswegen direkt Wasser, Sonne und Wind bei bayerischen Bürgerenergiekraftwerken ein. Und verkauft den Strom auch ausschließlich in Bayern, mit entsprechendem Regionalanteil. In Zukunft wird es sogar so sein, dass überall dort, wo ein Kunde ist, auch in unmittelbarer Nähe ein Lieferkraftwerk stehen wird."

Michael Käser, Vorsitzender Bavaria-Strom

Damit am Ende auch der Preis passt, steckt allerdings auch im Bavaria-Strom ein Kompromiss – 75 Prozent des Stroms kommt auch hier aus einem seit Langem bestehenden Wasserkraftwerk. Dafür stammt dann der Rest wirklich aus Wind oder Photovoltaik in Bürgerhand, die auch nicht bereits über die EEG-Umlagen gefördert wird.

Dieses Modell lobt auch Klaus Müller von der Verbraucherzentrale Bayern. Ansonsten empfiehlt er, auf Gütesiegel zu achten – aber nicht irgendwelche.

"Es gibt vor allem zwei Gütesiegel, die als sehr gut zu bewerten sind: Das ok-Power-Label des Ökoinstituts Freiburg, und das Grüner-Strom-Label Gold, das unter anderem auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ins Leben gerufen wurde."

Klaus Müller, Verbraucherzentrale Bayern

Ökostrom meist nicht teurer

Die Vielfalt der Ökostrom-Angebote ist unübersichtlich. Doch die gute Nachricht für Verbraucher lautet: Sehr viel teurer als konventioneller Strom ist Ökostrom dafür meist nicht – zum Teil sogar billiger.


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Brigitte Schütze, Mittwoch, 25.Januar, 15:34 Uhr

4. Ökostrom vom Ökostromanbieter

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es nur vier reine Ökostromanbieter: LichtBlick, naturstrom, EWS Schönau und GREENPEACE energy. Alle vier gibt es bereits seit der Aufhebung des Strommonopols 1998. Alle vier haben von Anfang an gegen die Dominanz der Stromriesen e.on, Vattenfall, EnBW und RWE und deren Vorliebe für Atom- und Kohlestrom angekämpft. Wer statt Grau- Grünstrom haben will, muss nicht den Geldbeutel aufmachen, sondern den Kopf etwas anstrengen. Keinem Veganer oder Vegetarier würde es einfallen, beim Metzger zu kaufen, aber ihren Ökostrom kaufen immer noch viele bei der Atom- und Kohlelobby. Der TÜV Süd vergibt übrigens ein Siegel "Wegbereiter der Energiewende" und da wird nicht nur das Produkt unter die Lupe genommen, sondern auch die dahinter stehende Firma und ihre Beteiligungen.

Bruno, Dienstag, 24.Januar, 19:47 Uhr

3. Es gibt nur eine Stromleitung, auf der eine Mischung von allen Stromarten ist.

Wer sich für Ökostrom entscheidet, der hat sich nur für einen höheren Preis entschieden. Als Ökostrom zählt auch der Strom von Wasserkraftwerken, aber nicht von allen. Das tschechische Atomkraftwerk Temelin verkauft den überschüssigen Nachtstrom billig ins benachbarte Ausland, wo es in Wasserkraftwerken das Wasser von unten nach oben pumpt. Diese so in der Nacht gespeicherte Energie wird am nächsten Tag als teuerer Ökostrom von Wasserkraftwerken teurer verkauft. Das Gute daran, man fühlt sich gut etwas für die Umwelt getan zu haben.
Eine Amerikanerin hat bei der VW-Werbung "clean Diesel" in den USA gesagt, wenn ich die Umweltfreundlichkeit von VW-Diesel höre, dann habe ich als Fußgängerin ohne Führerschein ein schlechtes Gewissen.

Thomas, Dienstag, 24.Januar, 15:19 Uhr

2. Egal

Eigentlich ist es egal, ob man Ökostrom bucht oder nicht. Er wird ohnehin in das Netz eingespeist. Dazu werden die Produzenten von Ökostrom noch durch die EEG-Umlage subventioniert. Wer also einen entsprechenden Tarif bucht, tut weniger der Umwelt etwas Gutes, als dem Geldbeutel des Anbieters.

Rimo, Dienstag, 24.Januar, 15:18 Uhr

1. Richtiger "Anbieter-Check" frisst Zeit

Im Gebirge wird z. T seit 100 Jahren auf Laufwasserkraftwerke gesetzt, das weiß + sieht jeder.

Beim modernen Ökostrom ist das alles nicht so unbedingt ersichtlich.
Da war der schwunghafte Handel mit Ökozertifikaten, die die Erzeugungsart 1fach "umdeklarierten".
Da sind die alteingesessenen Stromriesen, die Anteile von Anteilseignern bei z. B. Stadtwerken halten.

Wer sicher gehen möchte, dass er mit seinen Abschlägen (ökologisch) Sinnvolles unterstützt, sollte sich vllt von der Vorstellung des «super bequemen Anbieterwechsels mit 1em Klick» lösen.
Die auf den Internetseiten der verschiedenen Versorger herausgestrichene Förderung von Ökoprojekten ist (bestenfalls) 1 erster Anhaltspunkt.

Doch Hand aufs Herz, wer interessiert sich schon für solche Feinheiten?
- Hauptsache, es ist preisgünstig. Wenn dann noch "Öko" auf dem Paket steht, ist es umso besser.

Fertig.