30

Ökologischer Fußabdruck Leben wir Bayern auf zu großem Fuß?

Jeder Mensch hinterlässt auf der Erde einen ökologischen Fußabdruck. Je mehr Ressourcen wir verbrauchen, desto größer ist er. Um den Klimawandel aufzuhalten, müssten wir unseren Verbrauch drastisch reduzieren. Vor allem Jugendliche glauben mittlerweile aber nicht mehr daran, dass wir unsere Umweltprobleme rechtzeitig in den Griff bekommen.

Von: Verena Hampl

Stand: 01.02.2016

Kühe auf einer grünen Wiese | Bild: colourbox.com

Für ein Kilo Rindfleisch werden bis zu 15.500 Liter Wasser benötigt. Dazu kommt der Platz für das Tier auf der Weide oder im Stall, die Verarbeitung und die Lieferung zum Verbraucher. Ähnlich ist es mit Kleidung oder bei der Herstellung von Elektrogeräten. Überschlägt man den Verbrauch, erhält man ein Ergebnis in Globalhektar (gha). 

Überraschende Ergebnisse im Test

Wer seinen Fußabdruck messen möchte, findet im Internet verschiedene Angebote.  "Brot für die Welt" bietet beispielsweise einen Fußabdruckrechner an und auch der Bund Naturschutz liefert Zahlen, wenn man vorher einen kurzen Test gemacht hat. Wer glaubt, besonders umweltbewusst zu leben, Strom oder Wasser zu sparen und auf überflüssige Verpackungsmaterialien zu verzichten, dürfte von dem Ergebnis überrascht sein. Auch umweltbewusste Menschen hinterlassen einen riesigen Fußabdruck. Meist ist er mindestens so groß, dass zwei Erden nötig wären, würden alle Menschen auf der Erde so leben.

Intensive Landwirtschaft benötigt weltweit viel Wasser.

Jeder Deutsche hat automatisch einen Abdruck von 0,8 Globalhektar, da er öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Straßen benutzt. Dazu kommt der individuelle Verbrauch. Der Durchschnitts-Bayer kommt auf einen Abdruck von 4,2 Globalhektar. Damit liegt Deutschland über dem globalen Durchschnitt - der beträgt 2,2 Hektar und ist immer noch viel zu groß. Denn die Biokapazität der Erde lässt maximal 1,8 Hektar zu. Besonders verschwenderisch leben die Einwohner der Vereinigten Arabischen Emirate. Ihr Abdruck ist mit 11,9 gha mehr als doppelt so groß als unserer.

Leben auf zu großem Fuß

Wir verbrauchen viel zu viele Ressourcen: wir essen zu viel, sparen zu wenig Strom oder Wasser und produzieren zu viel CO², weil noch zu wenige von uns bereit sind vom Privatfahrzeug auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Eine wissenschaftliche Studie der Autoren Pauly und Zeller vom 19. Januar zeigt außerdem, dass die Überfischung der Weltmeere weit dramatischer ist als bisher angenommen. Auch dadurch zeigen wir unseren Abdruck. Damit sich die Fischbestände wieder erholen können, rät die Umweltorganisation Greenpeace vom Verzehr bestimmter Sorten ab. Auf der roten Liste stehen zum Beispiel Makrele und Rotbarsch. Die Makrele ist als Steckerlfisch in Bayern sehr beliebt.

Abdruck muss sich verkleinern

Laut Zulassungsstatistik werden die Autos größer.

Glaubt man der Stiftung von Ellen MacArthur, einer britischen Seglerin, könnte es 2050 mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren geben. Derzeit landen jährlich mindestens acht Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen, das entspreche einem Müllwagen pro Minute. Auch das sind die Folgen unseres zu großen ökologischen Fußabdrucks. Für unsere Nachkommen heißt das, dass es mit unserem derzeitigen Verbrauch nicht möglich ist, eine dauerhaft gute Lebensqualität und eine intakte Umwelt aufrecht zu erhalten. Sie werden folglich am meisten unter unserem Lebensstil leiden.

Jugendliche resignieren

Vor allem junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren sehen laut einer aktuellen Studie vom Umweltbundesamt jedoch nicht ein, auf Konsumgüter wie Unterhaltungselektronik oder Markenkleidung zu verzichten.

Auf der anderen Seite seien die Jugendlichen umweltfreundlicher unterwegs, mit Fahrrad, Bus und Bahn oder zu Fuß. Das Auto spiele für sie längst keine so große Rolle mehr wie für die Erwachsenen. Fachleute führen das schwindende Umweltbewusstsein der jungen Menschen unter anderem darauf zurück, dass sie Schwierigkeiten haben, sich in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft zurechtzufinden. Statt sich selbst, sehen die jungen Menschen eher die Politik in der Pflicht, der Industrie Vorgaben zu machen, damit sie ihre Waren klimafreundlicher produziert.


30