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Im Schlaf nach Italien Österreich übernimmt Nachtzüge der Bahn

Bei der Deutschen Bahn endet eine Ära: Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember zieht sie sich aus dem Nachtzuggeschäft zurück. Einen Teil der Verbindungen übernehmen allerdings die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB. Heute stellen sie in München ihr Angebot vor.

Stand: 02.12.2016

Zwei Nachtzugwaggons samt Besatzung sollten heute am Münchner Hauptbahnhof schon einmal vermitteln, was die ÖBB künftig anbieten:

"Unser Motto ist ja: lässig statt stressig, und wir wollen ein wenig österreichische Gastfreundschaft auch wirken lassen"

Valerie Hackl, ÖBB

Während die Deutsche Bahn künftig auch nachts mehr ICEs und Intercitys fahren lässt – und dort gegen Entgelt Nackenkissen und Ohrstöpsel anbietet - setzen die Österreicher auf Komfort: "Es gibt für jeden Fahrgast entsprechende Accessoires und Annehmlichkeiten, wie – ähhh – in Österreich nennen wir es Badeschlapfen – es gibt eine angenehme Bettwäsche, die glaube ich auch optisch sehr gelungen ist“, so Hackl.

"Wir sind einzigartig"

Außerdem Abendsnack, Zeitung und Wiener Frühstück. Die Preise bleiben ähnlich wie bisher – ab 199 Euro gibt es ein Familienabteil für bis zu sechs Personen im Nachtzug nach Rom. Ein De-Luxe-Einzelabteil mit eigener Dusche ab 179 Euro. Gebucht werden kann ohne Mehrkosten über Website und Reisezentren der Deutschen Bahn. Fast alle Nachtverbindungen, die es jetzt noch von München aus gibt, bleiben: Nach Rom, Venedig, Mailand, und auch nach Hamburg und Düsseldorf. Von dort nach Amsterdam fährt der Nachtzug dann allerdings nicht mehr weiter. Und Autos nehmen die ÖBB in München nicht mehr mit, sondern nur in Innsbruck – das hätte sonst den Fahrplan gesprengt.

Die Österreicher weiten ihr Nachtzugangebot aus, während die meisten anderen Bahnen in Europa es zusammengestrichen haben. Die ÖBB sind zwar nicht die letzte Bahn in Europa mit Schlafwagen, "aber ich glaube in der Größenordnung, und mit der Ernsthaftigkeit, möchte ich behaupten, dass wir einzigartig sind“, so Hackl.

Die Deutsche Bahn dagegen hat aufgegeben. Klaus Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter für Bayern, erklärt:

"Wir haben in den vergangenen Jahren sehr große Anstrengungen unternommen. Wir haben versucht, dieses Produkt zu modernisieren und wirtschaftlich zu gestalten. Es ist uns leider nicht geglückt. Ich wünsche den Österreichischen Bundesbahnen da viel Erfolg"

Klaus Dieter Josel, Deutsche Bahn

100 Millionen Euro Umsatz im Jahr – das war für die Deutsche Bahn eine zu kleine Marktnische, um noch zu investieren. Für die viel kleineren ÖBB dagegen haben Nachtzüge schon bisher 17 Prozent des Fernverkehrsumsatzes ausgemacht – künftig soll es noch deutlich mehr werden. Und die Österreicher modernisieren nicht nur, sondern schaffen für um die 200 Millionen Euro auch neue Schlafwagen an. Trotzdem rechnen sie – anders als die Deutsche Bahn – mit Gewinnen:

"Wir sind jetzt schon operativ positiv. Und wir haben natürlich vor, das nicht nur beizubehalten, sondern noch auszubauen"

Valerie Hackl, ÖBB

Der Nachtzug ist ein Stück Reisekultur, das es in Europa seit über 100 Jahren gibt – und dank Österreich lebt er weiter.


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Schwarzseher, Freitag, 02.Dezember, 19:27 Uhr

6. Nachtzüge

Solange die Kontrollen bezüglich illegal Einreisender nicht weiterhin so lasch gehandhabt werden wie bisher, ist ansonsten nichts dagegen zu sagen. Den Gedanken dahinter kennt nur die ÖBB und evtl. der Verkehrsminister. Der, der gegen deutsche Maut klagen will, obwohl von unsereins dort fleißig Maut verlangt wird. Seltsame Logik

  • Antwort von Peter, Samstag, 03.Dezember, 07:52 Uhr

    Was haben die ÖBB und der Verkehrsminister mit polizeilichen Aufgaben zu tun? Gar nix.
    Der Ärger bezüglich der Maut ist deren Rückvergütung in D, nicht die Maut an sich.

Heinrich Koops, Freitag, 02.Dezember, 19:18 Uhr

5. Klasse

Hallo ÖBB !!! Bin mit dabei und freue mich schon jetzt auf die schönste Form von Reisen in Richtung Toskana und das zu einem Fairen Preis ! Ihr habt die Nase um Meilen vorn ! Wie so oftmals keine Glanzleistung der Deutschen Bahn ( Lokführer vergessen anzuhalten ) Das kennen wir ja inzwischen.. Nur die Fahrpreise erhöhen, das versäumen Sie nicht. Bis bald, ÖBB !

Dr. Halef, Freitag, 02.Dezember, 09:52 Uhr

4. "eingebaute Vorfahrt"

ich habe mal ein Buch gelesen, in dem der Autor mit vielen Quellen bewies, dass die Bahn in Deutschland von der Autoindustrie gegängelt wird bzw. unterwandert ist.
Das hervorragende öffentliche Verkehrssystem, das man einst in LA (USA) aufgebaut hatte, wurde von einer Autoindustrie gekauft und zerschlagen.
Wenn man das als Hintergrundinfo nimmt, erscheinen die Entscheidungen der Bahn heute nur folgerichtig. Aber ob solche Entscheidungen diese Autoindustrie (solange sie lügen und betrügen) retten werden?

  • Antwort von waldler, Freitag, 02.Dezember, 11:07 Uhr

    "Das hervorragende öffentliche Verkehrssystem, das man einst in LA (USA) aufgebaut hatte, wurde von einer Autoindustrie gekauft und zerschlagen"
    Es leben die Verschwörungstheorien a la Dan Brown.
    Dahinter stehen bestimmt die Illuminati oder doch eher der Antichrist, oder der IS. Wahrscheinlich ist aber Frau Merkel daran schuld.
    Herr lass Hirn regnen!

Francesco, Freitag, 02.Dezember, 09:27 Uhr

3. Der ÖSI kann's....

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ÖSI-Witze Hochkonjunktur hatten. Jetzt zeigt uns "der ÖSI" an einigen Beispielen (Maut, Bahn, Flüchtlingspolitik, etc.), wie's geht. Kommt jetzt dann bald die Zeit der "Piefke-Witze"... ??

waldler, Freitag, 02.Dezember, 08:57 Uhr

2. Die Österreicher schaffen es, die Deutschen nicht

So ist es. Da gibt es auch mehrere andere Beispiele:
- Autobahnmaut PKW. Die Österreicher haben jetzt hervorragende Autobahnen, da zahlt man "gerne" auch 86 EURO im Jahr
- Brennerbasistunnel. Die Österreicher sind bereits am Bauen. Wir haben gerade mal mit der Planung der Zubringer begonnen
- Leise Güterwagons. Wir brauchen erst eine Testphase. A und CH machen es einfach
- Gentechnik freie Landwirtschaft. Bei uns geht da scheinbar nicht so einfach, in Österreich schon
- Österreich redet mit der Türkei Klartext, wir nicht
usw. usw.

  • Antwort von RobertH, Freitag, 02.Dezember, 10:24 Uhr

    treffend beschrieben...aber was will man erwarten von unserer politischen Elite. Es geht uns doch so gut, dank der weisen und vorausschauenden Politik die hier in Deutschland betrieben wird.

  • Antwort von Leinad, Freitag, 02.Dezember, 11:23 Uhr

    stimme Ihnen zu. außer im Punkt mit der Türkei.
    Österreich kann natürlich radikale Meinungen gegenüber der Türkei vertreten, da das weder die Türkei noch die EU interessieren wird!
    Grüße