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Geologische Sensation Es ist Bayerns jüngster Vulkanausbruch

Der jüngste Vulkanausbruch in Bayern hat sich vor etwa 200.000 Jahren in der Oberpfalz ereignet. Bislang glaubten die Experten, dass es eine solche Eruption zuletzt vor 20 Millionen Jahren gab. Das sei eine geologische Sensation, sagte Ministerin Scharf.

Stand: 03.06.2015

Der Leitende Regierungsdirektor des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Roland Eichhorn (l), und Regierungsdirektor Johann Rohrmüller erklären am 09.04.2015 bei Neualbenreuth einen Vulkanausbruch. Experten des Landesamtes für Umwelt erforschen den möglicherweise jüngsten Vulkanausbruch in Bayern aus der Steinzeit.  | Bild: picture-alliance/dpa

Der jüngste Vulkanausbruch in Bayern hat sich vor 200.000 Jahren ereignet, also weitaus später als bisher angenommen. Im Rahmen einer siebenwöchigen Untersuchung entdeckten Experten des Landesamtes für Umwelt in der Oberpfalz vulkanische Überreste. "Das ist eine geologische Sensation. Die letzte massive Vulkanaktivität in Bayern liegt nur einen erdgeschichtlichen Wimpernschlag zurück", sagte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) am Mittwoch (03.06.15) in Neualbenreuth (Lkr. Tirschenreuth).

Neuer Vulkan-Radweg geplant

Vorstellung der Untersuchungsergebnisse in Neualbenreuth

Der Vulkan soll mit Hilfe eines neu konzipierten Vulkan-Radwanderwegs den Menschen näher gebracht werden. "So wird die explosive Vergangenheit der Oberpfalz lebendig", betonte Scharf. Bisher wurde angenommen, dass die jüngsten vulkanischen Aktivitäten in der Oberpfalz 10 bis 20 Millionen Jahre zurückliegen.

"Wir werden die Erdgeschichte in der Oberpfalz neu schreiben müssen."

Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU)

Der Nachweis des jüngsten Ausbruchs in Bayern sei durch den Fund von Relikten vulkanischem Glases erfolgt. "Zudem können wir die Klimageschichte seit der Steinzeit rekonstruieren", erläuterte Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU). Anhand von Analysen des in 26 Metern gefundenen Pollenspektrums war das Gebiet zum Zeitpunkt der Eruption eine baumlose Kaltsteppe.

100 Meter in die Tiefe gebohrt

Die kreisrunde Öffnung des Vulkans ist auf diesem Ausschnitt aus der geologischen Karte rot eingezeichnet.

In den folgenden 80.000 Jahren hatte sich die Gegend aufgrund einer Warmzeit in einen dichten Laub-Mischwald verwandelt. Es folgte wieder eine Eiszeit, in der der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt wurde - auch der Wald verschwand wieder. Die heutige Landschaft mit Nadelwald und Moor entstand erst in den letzten 10.000 Jahren.

Die Experten waren dem Naturphänomen in dem Waldgebiet an der Grenze zu Tschechien mit Hilfe von Bohrungen in bis zu 100 Meter Tiefe auf die Spur kommen. Zuvor waren die Geologen bei routinemäßigen Untersuchungen in dem Waldgebiet auf eine kreisrunde Struktur mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern gestoßen. Dabei deutete auf den ersten Blick nichts auf einen Vulkan hin, von einem typischen Trichter war keine Spur zu erkennen.

Bilder vom Start der Bohrungen


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