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Jüdische Gemeinde Regensburg Grundstein für die neue Synagoge gelegt

Für die Jüdische Gemeinde Regensburg ist ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen: Am Mittwoch wurde der Grundstein für eine neue Synagoge und ein jüdisches Gemeindezentrum gelegt.

Stand: 19.10.2016

"Für uns ist die Grundsteinlegung nicht nur ein besonderes historisches Ereignis, es sichert auch die Fortführung jüdischen Lebens in dieser Stadt", sagt die Vorsitzende der Jüdischen Geimeinde in Regensburg, Ilse Danziger.

"Ich jauchze innerlich, weil das wirklich mehr als ein historischer Moment ist. Lange lange haben wir vorbereitet und haben eigentlich keinen Weg gesehen, dass es mal wirklich so sein kann - und jetzt ist es wirklich, es ist Realität."

Vorsitzende Ilse Danziger

Gemeinde mit langer Geschichte

Die Gemeinde in Regensburg ist nicht nur eine von 13 in Bayern, sondern auch eine mit einer langen Geschichte. Bereits um das Jahr 1000 ist ein jüdisches Gemeindeleben in der Stadt belegt. Lange bevor der bekannte Regensburger Dom St. Peter erbaut wurde, war Regensburg für Juden ein bedeutendes Zentrum jüdischer Theologie und verfügte über eine beachtliche Synagoge im Herzen der Stadt.

Ilse Danzinger

Auch Anfang des vergangenen Jahrhunderts prägte die Synagoge noch das Stadtbild. Nicht mal 400 Meter vom Regensburger Dom entfernt weihte die Gemeinde 1912 ein neues Gotteshaus ein, das für fast 500 Gläubige Platz bot - nichts ahnend, dass 1938 die Nationalsozialisten die Synagoge zerstören sollten. Ende der 1960er-Jahre wurde auf dem Boden der zerstörten großen Synagoge ein Mehrzwecksaal errichtet, der zugleich als Gotteshaus, Schulungsraum, Theater- und Konzerthaus dient.

Bund und Stadt beteiligen sich an Kosten

Architekten-Entwurf: So soll die Synagoge von innen aussehen.

Auch wenn das Gemeindehaus nach Fertigstellung der Synagoge Ende 2018 als Gebetshaus ausgedient hat, wird es dringend gebraucht. Die jüdische Gemeinde ist auf weit mehr als 1.000 Mitglieder angewachsen und saniert deshalb das Gebäude. Der Freistaat unterstützt die 2,5 Millionen teure Sanierung finanziell.

Der Neubau der Synagoge ist doppelt so teuer. Der Bund wird von den fünf Millionen etwa zwei Drittel übernehmen, die Stadt etwa ein Drittel. Für Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) eine Selbstverständlichkeit:

"Mit der ideellen und finanziellen Unterstützung des Synagogen-Neubaus geben wir unserer jüdischen Gemeinde das zurück, was vor beinahe acht Jahrzehnten von Regensburger Bürgern zerstört worden ist. Ich finde, dass dies das Mindeste ist, was wir tun können."

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs

Darüber hinaus hat sich ein Förderverein nicht-jüdischer Regensburger gegründet, der mit Spenden das neue jüdische Gemeindezentrum unterstützt.

Die Stadt Regensburg konnte als Schirmherrin die Schauspielerin und bekannte TV-Kommissarin Adele Neuhauser gewinnen. Sie legte unter anderem den Grundstein.

Adele Neuhauser

Neuhauser sagte, sie habe sofort zugesagt, die Schirmherrschaft zu übernehmen: Zum einen, weil sie sich der Stadt Regensburg immer noch sehr verbunden fühle, zum anderen weil ihre eigene Geschichte mit der jüdischen zusammenhängt. Neuhauser erzählte, wie ihre Urgroßmutter ihrem jüdischen Ehemann freiwillig ins Konzentrationslager Theresienstadt folgte. Ihre Urgroßmutter überlebte, deren Lebensgefährte starb. "Diese Geschichte zeigt mir, was Liebe kann", sagte Neuhauser. Neuhauser ist ehemaliges Ensemblemitglied des Regensburger Stadttheaters.

Der Neubau soll spätestens 2019 fertig sein. Die Jahreszahl hat einen hohen symbolischen Wert, da 1519 die mittelalterliche Synagoge am Neupfarrplatz während eines Pogroms zerstört wurde.


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Münchner, Mittwoch, 19.Oktober, 12:52 Uhr

1. Bleibt zu hoffen, dass die Mühen

nicht vergeblich sind.