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Uniklinik Regensburg Gene entscheiden über dick oder dünn

Fasten schön und gut - aber letztlich entscheiden auch die Gene über dick oder dünn, haben Forscher der Regensburger Uni in einer internationalen Studie herausgefunden. Eine ernüchternde Wahrheit, der sie jetzt noch weiter auf den Grund gehen wollen.

Von: Katharina Häringer

Stand: 23.02.2016

Arzt misst den Bauchumfang bei einem Mann | Bild: BR

Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, weniger Fleisch - das sind die Fasten-Klassiker, besagt eine Forsa-Umfrage, die im Auftrag der Krankenkasse DAK gemacht wurde. Grundsätzlich ein guter Vorsatz für bereits schlanke wie auch füllige Menschen. Doch die Gene mischen mit, wenn es um die Figur geht. Eine Studie vom Lehrstuhl für genetische Epidemiologie der Universität Regensburg hat ergeben: Ein Mensch mit einer ungünstigen Adipositasgenetik ist sechs bis acht Kilogramm schwerer als der Durchschnittsmensch. 

Genorte liefern Hinweise zu biologischen Mechanismen für Fettverteilung

Thomas Winkler und Iris Heid erforschen den Zusammenhang zwischen Genetik und Übergewicht. Unter Leitung der beiden Regensburger und in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Wissenschaftlern haben sie Daten von 330.000 Personen gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis: Es gibt genetische Varianten, die einen Einfluss auf den Bodymaßindex (BMI) und die Fettverteilung im Bereich von Taille und Hüfte haben. Die Wissenschaftler des GIANT-Konsortiums haben über 100 Genorte gefunden, die Einfluss auf die Figur haben - das sind dreimal so viele wie bislang bekannt. Einige dieser Gene sind auch an Prozessen des zentralen Nervensystems beteiligt: Sie kontrollieren den Energieumsatz und den Appetit.

GIANT-Konsortium

GIANT ist das Kürzel für "Genetic Investigation of Anthropometric Traits". Der Wissenschaftsverbund aus über 200 internationalen Einrichtungen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die genetischen Ursachen für körperliche Eigenschaften aller Art herauszufinden. So wird neben den genetischen Ursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit zum Beispiel auch untersucht, was die Körpergröße eines Menschen bestimmt.

Die Wissenschaftler erhoffen sich nun neue Kenntnisse zur Rolle des Gehirns bei der Steuerung des Stoffwechsels. Zudem identifizierten die Forscher mehrere Genvarianten, die je nach Geschlecht der untersuchten Teilnehmer verstärkt auf das Gewicht einwirkten. Denn Männer speichern mehr Fett im Bauch, wohingegen Frauen Fett in der Hüftgegend einlagern. "Aber bei Frauen ändert sich das nach der Menopause, sie werden Männern dann ähnlicher", sagt Winkler.

Regel: gesund ernähren, genügen bewegen, gilt für alle

Mehr als 50 Prozent der Deutschen sind übergewichtig oder fettleibig, Adipositas ist weltweit ein Problem. Das ist bestimmt mit ein Grund, warum Winklers Studie vergrößert wird: Insgesamt sollen die Daten von einer Million Menschen gesammelt werden. Mit der Studie sollen noch mehr Genorte gefunden werden, die Einfluss auf Fettverteilung haben. Mit den Studienergebnissen soll es künftig möglich sein, Medikamente und Therapien besser abzustimmen auf die jeweilige genetische Disposition.

Aber so lange noch geforscht wird, bleibt jetzt nur: resignieren, sich seinem Gen-Schicksal ergeben und vor lauter Frust essen?

"Die Genetik ist einem vorbestimmt, da kann man nichts dran ändern. Aber das sollte man nicht überbewerten. Jeder - auch jemand mit einem ungünstigen genetischen Profil für Adipositas - kann dem entgegensteuern und muss nicht zwingenderweise übergewichtig sein."

Thomas Winkler vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg 

  • Katharina Häringer | Bild: BR/Markus Konvalin Katharina Häringer

    Katharina Häringer arbeitet in Regensburg im Studio Ostbayern des Bayerischen Rundfunks.


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