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Angeblicher Dürer-Fund in Regensburg Gemälde möglicherweise NS-Raubkunst

Das als angebliches Dürer-Werk in Regensburg präsentierte Ölgemälde ist womöglich NS-Raubkunst. Das Bild aus dem Historischen Museum in Regensburg gehörte in der Nazizeit zur Kunstsammlung von Reichsmarschall Hermann Göring, bestätigten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Von: Katharina Häringer und Marcel Kehrer

Stand: 18.10.2016

Der angebliche Dürer-Fund in Regensburg | Bild: BR/Katharina Häringer

Das Ölgemälde, das die Heiligen Drei Könige bei der Anbetung von Maria und Jesus zeigt, war Teil der Sammlung von Nazi-Größe Göring. Möglicherweise hatte es frühere Besitzer, die enteignet wurden. Der Künstler ist bislang unbekannt.

"Wir müssen quasi davon ausgehen, dass die Möglichkeit besteht, dass es sich hierbei um Raubkunst handelt, weil doch einige Namen auftauchen, die normalerweise die Alarmglocken schrillen lassen. Wenn ich zum Beispiel lese, dass es eine riesige Überlieferungslücke gibt zwischen 1918 - dort war das Bild in einer Versteigerung in einem Berliner Auktionshaus nachweisbar - und 1942, das ist doch ein ziemlich großer Zeitraum, in dem wir gar nichts über das Bild in Erfahrung bringen können."

Martin Schawe, stellvertretendet Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen

Die Stadtverwaltung betonte auf BR-Anfrage, man wisse seit 2004, dass das Gemälde womöglich Raubkunst ist. Damals hatte eine Kunstexpertin den Weg des Bildes im Auftrag der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erforscht. Diese haben es daraufhin in der "Lost Art"-Datenbank eingetragen.

Laut Martin Schawe von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bestehen durchaus Chancen, auf diesem Weg noch rechtmäßige Eigentümer zu finden. Die Beweisführung sei nach all den Jahren allerdings schwierig. Für das Regensburger Bild gebe es derzeit keine Anfrage.

Demnächst erwartet das Historische Museum Dürer-Experten der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München, die den vermeintlichen Dürer einer genauen Expertise unterziehen sollen - etwas, wogegen sich Historiker Reiser, der den Fund vergangene Woche präsentiert hatte, bislang gewehrt hatte.

Albrecht Dürer - ausgeschlossen

Das Ölgemälde zeigt die Heiligen Drei Könige bei der Anbetung von Maria und Jesus. Martin Schawe von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, ein ausgewiesene Kenner altdeutscher Malerei, hält es für absolut ausgeschlossen, dass das Bild von Albrecht Dürer ist, einem der wichtigsten deutschen Maler der Renaissance. Seiner Ansicht nach fehlen die Malweise, die Komposition und die Qualität von Dürer - wenngleich es kein schlechtes Bild sei.

Stationen des Bilds

Bis 1918 gehörte es der Lost-Art-Datenbank zufolge Georg Krakau und wurde in Berlin versteigert. Zu einem unbekannten Zeitpunkt, womöglich um 1930, gelangte das Bild in die Schweiz, 1942 dann in die Kunstsammlung von Nazi-Größe Hermann Göring - über dessen Kunstbeschaffer Bruno Lohse. Nach Kriegsende ging das Gemälde an den Central Collecting Point der Amerikanischen Besatzungsmacht, 1961 an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und später nach Regensburg, weil es der sogenannten Donauschule zugeschrieben wird.

Historiker von Echtheit überzeugt

Vergangene Woche hat Historiker Rudolf Reiser den Fund in Regensburg präsentiert. Reiser hat monatelang Forschungsarbeit im Depot des Historischen Museums Regensburg betrieben. Dort hat er sich vor allem mit der Gemäldesammlung beschäftigt. Er ist davon überzeugt, dort ein neues Bild von Albrecht Dürer entdeckt zu haben.

Parallelen in Briefen Dürers gefunden

Er zitierte aus Briefen Dürers, denn für Reiser gibt es eindeutige Textpassagen, die Parallelen zu dem Bild aufweisen. So soll Dürer einst drei Ringe an einem Finger getragen haben. Dieses Detail findet sich auch im Bild wieder. Für Dürer typisch seien unter anderem die Nürnberger Burg und der Torbogen im Hintergrund, der Mohr und das Gewand der knienden Person. Dieser Rock sei typisch venezianisch, was zur Zeit passe, denn Dürer sei auch in Venedig gewesen. Reiser zählte noch viele weitere Parallelen auf und sprach von einer Übereinstimmung zu Archivalien, die "seltener als ein 6er im Lotto ist".

"Expertenwissen interessiert mich nicht"

Kunsthistoriker oder Dürer-Experten ließ Reiser bislang das Bild nicht anschauen. "Ihre Expertise interessiert mich nicht, die wären nur neidisch. Außerdem gehen Kunsthistoriker nicht in Archive", sagte er gereizt. Auch eine physikalische Untersuchung sei noch nicht veranlasst worden. Alles unerheblich - findet Reiser.

Rudolf Reiser will noch weitere Kunstwerke von bekannten Malern im Depot entdeckt haben: darunter auch ein Werk von Albrecht Altdorfer. Der Museumsdirektor Peter Germann-Bauer intervenierte in diesem Punkt: Er will eine Untersuchung und Experten-Einschätzung in die Wege leiten.

Daniel Hess, ausgewiesener Dürer-Experte vom Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, sagte auf BR-Anfrage, dass man wissenschaftliche Expertisen vornehmen lassen sollte, bevor man mit so etwas Großem an die Öffentlichkeit gehe, ansonsten drohe eine Blamage.

Das angebliche Dürer-Bild soll für einen Monat im Historischen Museum ausgestellt bleiben.

Historiker Rudolf Reiser

Der gebürtige Regensburger Rudolf Reiser studierte Geschichte und Südost- und Osteuropakunde in München und Wien. Er war jahrelang Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und ist Verfasser zahlreicher Bücher und wissenschaftlicher Aufsätze.

  • Katharina Häringer | Bild: BR/Markus Konvalin Katharina Häringer

    Katharina Häringer arbeitet in Regensburg im Studio Ostbayern des Bayerischen Rundfunks.


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