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Angst um Crews im Mittelmeer Sea-Eye stoppt Rettungseinsätze

Die private Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye setzt ihre geplanten Rettungsmissionen im Mittelmeer vorerst aus. Das teilte der Verein auf seiner Homepage mit. Grund sei die veränderte Sicherheitslage im westlichen Mittelmeer.

Von: Günther Rehm

Stand: 13.08.2017

Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer vor dem Rettungsschiff "Seefuchs"  | Bild: picture-alliance/dpa/Stefan Sauer

Die libysche Regierung hatte angekündigt, ihre Hoheitsgewässer unbestimmt und einseitig auszudehnen – verbunden mit einer expliziten Drohung an private Nichtregierungsorganisationen.

"Eine Fortsetzung unserer Rettungsarbeiten ist unter diesen Umständen aktuell nicht möglich. Wir können dies auch gegenüber unseren Crews nicht mehr verantworten."

Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer

Wie Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer auf der Homepage schreibt, wird man die veränderte Sicherheitslage vor der libyschen Küste sorgfältig analysieren und das weitere Vorgehen beraten. Die Hilfsorganisation hat zwei Schiffe, "Sea-Eye" und "Seefuchs", im Einsatz.

"Wir hinterlassen eine tödliche Lücke im Mittelmeer. Ich appelliere an die italienische Regierung und die EU-Einsatzkräfte der Mission Sophia, jetzt endlich alles zu unternehmen, um das sinnlose Sterben der Flüchtenden zu beenden."

Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer

Die beiden Schiffe der Regensburger Organisation liegen jetzt in Häfen in Tunesien und Malta. Auch die Besatzung wartet dort auf ein Handeln der EU. "Ganz Europa ist gefordert, diesen Missstand abzustellen", sagt Buschheuer.

Große Sorge um Flüchtlinge in Libyen

Mit großer Sorge beobachte die Regensburger Hilfsorganisation die Menschenrechtslage in Libyen, heißt es auf der Homepage weiter. Hunderttausende sind nach Buschheuers Worten auf ihrer Flucht in der Hölle von Libyen gelandet und nun "schutzlos der Willkür von Banditen, Schleppern und regierungsnahen Milizen ausgesetzt". Den Flüchtlingen werde nunmehr auch die letzte Chance genommen, dieser Zwangslage zu entkommen. Der Sea-Eye-Gründer hofft, dass die Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel, den UN-Flüchtlingsorganisationen bei der Bewältigung der humanitären Krise in Libyen zu helfen, kein leeres Versprechen bleibt.

"Ganz Europa ist gefordert, diesen Missstand abzustellen", sagt Buschheuer.

"Ein unvorstellbarer Vorgang"

Doch gleichzeitig zeigt er sich nicht gerade zuversichtlich, bezeichnet er doch die libysche Küstenwache als den verlängerten Arm der EU:

"Wir sind ja vor Ort nicht nur eine Hilfe für die Menschen, die ertrinken. Sondern wir sind auch diejenigen, die sie zur Statistik führen und die ihnen eine Berichterstattung sicherstellen. Sie werden jetzt in den nächsten Tagen feststellen, dass es nur noch Erfolgsmeldungen gibt, dass die Fluchtbewegung abgebrochen ist. Und dann schläft das Thema der ertrinkenden Menschen einfach ein. Das ist ein unvorstellbarer Vorgang, den werden sie nicht alle 15 Jahre in der europäischen Geschichte finden."

Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer

In den vergangenen Tagen hatten auch andere Seenotrettungsorganisationen – unter ihnen "Ärzte ohne Grenzen" – verkündet, dass sie sich vorläufig aus dem Search-and-Rescue-Gebiet vor der libyschen Küste zurückziehen werden. Die Seenotrettungsleitstelle in Rom, so "Ärzte ohne Grenzen", habe sie vor Sicherheitsrisiken gewarnt.


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kalinchen, Montag, 14.August, 21:42 Uhr

30. Einstellung "Seenot"rettung

Hat mal jemand eine aktuelle Zahl zur Verfügung, wieviel Migrationswillige seit Reduzierung der Einsätze der NGO's auf der Mittelmeerroute von Lybien nach Italien ertrunken sind? Ist die Vorhersage der NGO's bestätigt, dass durch ihr Unterlassen mehr Menschen ertrinken?

EMGI, Sonntag, 13.August, 17:55 Uhr

29. Man staune

vor einer guten Woche Bericht im heute journal Claus Kleber am Moderieren brachte einen Bericht gefilmt von einem italienischen Beamten der sich auf so ein Boot geschlichen hatte. Da wurden sog. Flüchtlinge sauber vom Schlepper an das "Rettungsboot" übergeben. Niemand war in Seenot. Keiner schwamm im Meer. Bestes Wetter. Alles gut und die Kette hat offenbar bestens funktioniert. Das wurde bisher bestritten ist aber offensichtlich doch wahr. Und immer dieselbe Frage: warum nach Lampedusa und Sizilien und nicht zurück nach Libyen? Wenn es aussichtslos wäre, dann würde das ziemlich schnell aufhören. So wir der Migrationsprozess angeheizt.

  • Antwort von Ist es wirklich so?, Sonntag, 13.August, 19:22 Uhr

    So eindeutig, wie es dargestellt wird, ist es aber nicht. das erkennt man schon daran, dass keine Person bisher festgenommen wurde. Wären die Beweise stärker, wäre das schon längst passiert. Und auf die Frage warum nicht nach Libyen, das wurde schon beantwortet, sicher auch dir mehrmals. PS: Unter anderem sagt auch der Artikel oben, warum nicht nach Libyen. Und nicht erst, seit die auch in internationalem Gewässer bedrohen.
    https://www.tagesschau.de/ausland/iuventa-109.html

Dieter, Sonntag, 13.August, 17:52 Uhr

28. Flüchtlinge

Die einfachste Lösung für die EU + Flüchtlingsbedürftigen, richtet ein Spendenkonto bei der EU ein. Jeder Deutsche der Pro-EU + Flüchtling ist kann dort Geld einzahlen. Aus diesem Topf werden dann Sozialität Programme oder Investitionen der Südländer getätigt. Vorteil: Die Staatsverschuldung und die Steuerlast der normalen deutschen Bevölkerung steigt nicht, soziale Verwerfungen bei Reformen werden abgefedert u.s.w. . Da es in der Wirtschaft, bei den wohlhabenden Eliten und Islambedürftigen zahlreiche EU/Euro Befürworter und viele Gutmenschen gibt, werden sicherlich etliche Milliarden zusammenkommen.
M.f.G.

  • Antwort von winfried, Sonntag, 13.August, 18:10 Uhr

    Ihr Vorschlag hat was. Das wäre so was wie "Butter bei die Fische" oder auch "nicht nur die Lippen spitzen, auch pfeifen".
    P.S.: Sicher wäre es sinnvoll bereits präventiv ein zweites Spendenkonto einzurichten, weil ?, das erste wäre sicher schnell randvoll.

Peter Forwert, Sonntag, 13.August, 16:48 Uhr

27. Frage

Verstehe ich das richtig?
Es werden keine Migranten direkt an der libyschen Küste mehr abgeholt, weil Libyen, so wie jeder andere souveräne Staat, endlich sein Staatsgebiet schützt?!
Somit können also auch da keine Menschen mehr ertrinken, weil die kriminellen Schlepper keine seeuntüchtigen Schlauchboote mehr aufs Wasser lassen können?
Das ist doch sehr gut!
Ich verstehe nicht, warum man das bedauern kann.
Aber wahrscheinlich wird Merkel diesen für sie herben Rückschlag mit ordentlich Kreativität und Machtmissbrauch wieder wettmachen. Seehofer sei Dank!

Elisabeth, Sonntag, 13.August, 16:44 Uhr

26. Afrika selber schuld

Liebe Europäer seits froh dass ihr hier geboren seit gebildet seit und in einer Demokratie lebts
Wir haben Verantwortung und müssen für den Frieden auf der Welt sorgen

  • Antwort von ERICH, Sonntag, 13.August, 17:40 Uhr

    Es ist nicht unsere Aufgabe, überall auf der Welt für Frieden zu sorgen!

  • Antwort von Urs, Sonntag, 13.August, 18:00 Uhr

    @ Elisabeth
    Das gelingt am besten, wenn man sich nicht überall ungefragt einmischt und um ungelegte Eier kümmert (mit den gelegten haben wir derzeit genug zu tun).

  • Antwort von Wolfgang, Sonntag, 13.August, 18:46 Uhr

    Für Frieden in Afrika und islamische Länder zu sorgen bedingt massive Einmischung und Bevormundung:

    Z.B. Hilfe nur für Staaten mit leicht sinkender Bevölkerung.

  • Antwort von Elisabeth, Sonntag, 13.August, 20:25 Uhr

    Ihr wollt einfach nicht hinschauen und hinhören .
    Wir sind die Gewinner der Globalisierung
    Die Europäer waren die Kolonialmächte das hat immer noch Folgen zB Grenzziehungen...
    Wir bezahlen oft viel zu wenig für Rohstoffe
    z.B Kaffeebohnen ,Kakaobohnen ,Baumwolle ,für die giftigen Handy Grundstoffe ....
    Kleider Industrie eine Katastrophe
    Tja es gibt noch mehr Beispiele
    Leider gibt es zu viele Gewinner bezüglich destabilisiert er Volker und wir profitieren von deren billiigen Waren
    Klar Diktaturen Waffen Lobbyisten sind auch mit schuld an der Weltmisere aber ein bisserl können wir die Welt gerechter machen
    Du auch

  • Antwort von Urs, Sonntag, 13.August, 23:47 Uhr

    @ Elisabeth, 20.25 Uhr
    Alle Macht geht vom Volker aus - das wissen wir. Aber wenn der jetzt destabilisiert wird ...

    Wir duzen uns? Ist mir entgangen.