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Sea-Eye-Helfer nach Freilassung in Libyen "Ich mache weiter"

Anfang September hatte die libysche Küstenwache zwei Crew-Mitglieder der Regensburger Flüchtlingshilfsorganisation Sea Eye festgenommen. Dittmar Kania war einer von ihnen. Er berichtet von Verwechslungen, Maschinenpistolen und Matrazenlagern.

Von: Bastian Girg

Stand: 19.09.2016

Schnellboot Speedy von Sea Eye | Bild: Sea Eye

Seit dem Frühjahr kreuzt das Schiff Sea Eye im Mittelmeer, um Flüchtlingen zu helfen, die in Seenot geraten sind. Bislang hat die Regensburger Rettungsmission nach eigenen Angaben bei Einsätzen mehr als 4.000 Menschen gerettet.

Auch Dittmar Kania und Michael Herbke gehören zu der Sea-Eye-Crew. Anfang September machten sie sich mit dem Schnellboot "Speedy" vom tunesischen Zarzis aus auf den Weg vor die Küste Libyens. Dort, so erzählt Kania dem BR, hätten die beiden zwei Schiffe entdeckt, die sich nicht bewegten. Da es sich um Tanker gehandelt habe, seien sie aber wieder nach Norden abgedreht, so Kania. Dabei bemerkten sie, dass sie verfolgt wurden.

"Wir hatten uns vorher darüber unterhalten, dass offenbar Piraten in der Gegend ihr Unwesen treiben. Ich sah ein Schnellboot mit sehr hoher Geschwindigkeit auf uns zukommen. Dann haben wir uns ein kurzes Rennen geliefert."

Dittmar Kania

Mit Maschinenpistolen bewaffnet

Das andere Schiff war zu schnell und holte sie ein. Da erkannten Kania und Herbke, dass die Männer auf dem Boot Maschinenpistolen in die Luft hielten.

"Als wir gesehen hatten, dass sie Uniformen anhatten, war für uns klar, dass es die Küstenwache sein muss. Dann haben wir uns ergeben."

Dittmar Kania

Eine Nacht im Matratzenlager

Die Sea-Eye-Mitglieder wurden an die Küste gebracht und in Gewahrsam genommen. Sechs Stunden, erzählt Kania, seien er und sein Mitstreiter vernommen worden. Die Nacht mussten Kania und Herbke nicht in einer Zelle verbringen. Sie wurden auf das Anwesen des Küstenwachen-Kommandanten gebracht.

"Das war für mich die skurrilste  Situation. Wir kamen auf das Anwesen des Kommandanten, das war etwa 1.000 Quadratmeter groß, mit Pferdekoppel und Stall. Wir wurden sehr gut bewirtet und mussten auf Matratzen im selben Raum wie der Kommandant schlafen."

Dittmar Kania

"Speedy" ist noch in Libyen

Auch dank der Hilfe des deutschen Botschafters in Libyen kamen die Sea-Eye-Mitglieder schnell wieder frei. Während ihrer Zeit in Gewahrsam seien sie gut behandelt worden, sagt Kania.

Einzig Boot "Speedy" ist noch in Libyen. Wann die Organisation das Boot zurückbekommt, ist noch unklar. "Jemand hat gesagt, das könnte drei Wochen dauern, aber das glaube ich nicht", sagt Kania. Angeblich müsse über die Herausgabe ein Gericht in Libyen entscheiden.

Trotz Verhaftung und Verhör: Dittmar Kania will sich weiterhin bei Sea-Eye engagieren.

"Ich bleibe mit Sicherheit dabei. Das war ein einzelner Vorfall. Inzwischen bin ich sogar sicher, dass Sea Eye nichts mehr zu befürchten hat von der Küstenwache, weil sie jetzt wissen, dass wir harmlos sind und nicht in Libyen eindringen wollen."

Dittmar Kania

  • Bastian Girg | Bild: BR Bastian Girg

    Arbeitet in Regensburg im Studio Ostbayern des Bayerischen Rundfunks. Dort kümmert er sich vor allem um die Online-Berichterstattung.


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Mediennutzer, Mittwoch, 21.September, 13:22 Uhr

2. Grün-linke Berichterstattung in vollendeter Form.

Sehr interessant daran sind die Matrazenlager, werter Verfasser! Aber heutzutage ist eben die politische Richtung wichtiger, als die Eins in Deutsch. Genau die gleiche Einstellung kennen wir ehemaligen Ossis überreichlich aus der ehemaligen DDR. Da wurden die (wirklich häufig begriffsstutzigen) Kinder vom ABV oder vom Parteisekretär des größten VEB im Ort von der Lehrerschaft hofiert. Diese Tendenz ist seit leider seit etlichen Jahren wieder erkennbar... Gibt es nicht sogar eine "linke" Journalistenschule, wo zum Beispiel die ("...") Reschke und Prantl sehr erfolgreich auf ihren Linkskurs eingeschworen wurden? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Erich, Montag, 19.September, 18:06 Uhr

1. Schleppertätigkeit

ist strafbar! Der Knast gerade richtig!

  • Antwort von Wolf, Montag, 19.September, 19:08 Uhr

    Volksverhetzung dito.

  • Antwort von Erich, Montag, 19.September, 19:39 Uhr

    @Wolf,
    wo wurde Volksverhetzung begangen?

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 20.September, 16:47 Uhr

    Und wo wurde Geschleppt? Einfach mal den Ball flach halten wenn Menschen unter dem Einsatz ihres Lebens andere vor dem sicheren Tod durch ertrinken bewahren. Ihre Kommentare sind unerträglich! Eure Empathielosigkeit kotzt mich an. Freunde von mir Sammeln Geld um in Griechenland Milchpulver zu kaufen damit syrische Mütter in den Lagern wenigstens ihre Babys satt kriegen,so sieht die Realität aus. Und Wirtschaftsflüchtlinge sitzen ganz woanders, nämlich auf Barbados, den Caimans und in der Schweiz,dort gibts Schlepper, Schwarzgeldschlepper ala deutsche Bank....wachen sie auf Mann!

  • Antwort von Erik W., Mittwoch, 21.September, 13:31 Uhr

    Wo sich dutzende Schiffe aufhalten, dürfte das Ertrinken sehr erschwert worden sein. Das ist ja auch ein Grund dafür, dass das unselige Schleusergeschäft Aufschwung erhielt. Wenn die Gefahr des Kenterns infolge fehlender Hilfskräfte ansteigt, überlegt sich nicht nur mancher Flüchtling, ob es sich wirklich lohnt, so ein Risiko einzugehen. Sondern die Transporte nehmen ab. Damit ist es nicht ganz falsch, diesen privaten Seenotrettern vorzuwerfen, dass die die Schleuser unterstützen.

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 21.September, 16:09 Uhr

    @erik,
    das ist kompletter Unsinn, niemand lässt sich abschrecken,es sind bereits tausende ertrunken und es wird weitere Opfer geben,jeder weis das! Viele dieser Menschen haben absolut nichts mehr zu verlieren,die schreckt der Tod nicht,das sollte inzwischen jeder vernünftige Mensch kapiert haben. (...)
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