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Nach Treffen im Bundesinnenministerium "Sea Eye" bekommt keinen Schutz vom Bund

Nach dem erzwungenen Stopp der Seenotrettung für Flüchtlinge im Mittelmeer sind Mitarbeiter der Regensburger Hilfsinitiative "Sea Eye" im Bundesinnenministerium gehört worden. Sie schilderten die Lage im Mittelmeer, bekamen aber nicht die Unterstützung, die sie sich erhofft hatten.

Von: Katharina Häringer

Stand: 23.08.2017

Sea Eye startet mit zweitem Rettungsschiff | Bild: picture-alliance/dpa

"Es ist ein erfreuliches Zeichen, dass man nicht mehr über uns redet, sondern mit uns", fasst Hans-Peter Buschheuer von "Sea Eye" das Treffen im Bundesinnenministerium am Mittwoch zusammen. Die Schärfe sei damit aus der Debatte genommen worden. Auch das Ministerium wertete das Gespräch als "konstruktiv". Nichtsdestotrotz hätten die Regensburger Seenotretter von der Regierung Unterstützung erwartet, um ihre Rettungsmaßnahmen wieder aufzunehmen. Doch die kam nicht. Das Bundesinnenministerium sei zwar auch der Meinung, dass die Search-and-Rescue-Zone der Libyer völkerrechtswidrig sei.

"Nur ist das für uns nicht genügend Schutz, dass wir dennoch rausfahren können. Wir brauchen eine gewisse Sicherheitsgarantie für unsere Mission und unsere Schiffe. Und so lange wir die nicht kriegen, bleiben die Schiffe im Hafen."

Hans-Peter Buschheuer

Die Initiative "Sea Eye" stellte die Patrouillenfahrten ihrer beiden Rettungsschiffe vor der libyschen Küste vor etwa zwei Wochen wegen Sicherheitsbedenken ein. Zuvor hatte die libysche Küstenwache gedroht, gegen Schiffe von privaten Hilfsinitiativen vorzugehen.

"Menschen ertrinken unbeobachtet"

Hans-Peter Buschheuer zeigte sich froh, dass das Bundesinnenministerium viele Befürchtungen zu Libyen teile. "Man betont, dass man daran arbeitet, die Situation zu verändern", erzählt er. Dennoch werde in Kauf genommen, dass derzeit Menschen unbeobachtet ertrinken.

"Man nimmt billigend in Kauf, dass die Flüchtlinge in dieser Situation verbleiben. Das ist für uns nicht hinnehmbar. Wir wissen nicht, wie viele versuchen, dennoch aufs Meer zu kommen und wie viele ihr Ziel nicht erreichen."

Hans-Peter Buschheuer

Mehr als 12.000 Flüchtlinge gerettet

Die "Sea Eye"-Helfer üben scharfe Kritik am Kurs der EU, die die libysche Küstenwache mit Geld, Technik und Ausbildungsprogrammen unterstützt, um die Flüchtlingsboote im Mittelmeer zu stoppen.

Die privaten Seenotretter von "Sea Eye" haben nach eigenen Angaben seit April 2016 schon mehr als 12.000 Flüchtlinge aus Seenot gerettet.


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Wolfgang, Donnerstag, 24.August, 22:04 Uhr

10. Was hinzunehmen ist, nämlich die Realität.

Zitat Peter Buschheuer: "Man nimmt billigend in Kauf, dass die Flüchtlinge in dieser Situation verbleiben. Das ist für uns nicht hinnehmbar."!

Doch das ist hinzunehmen, die Realität auf der Erde ist bei 7,5 MRD Menschen daß eben 1 bis 2 MRD in äusserst prekären Lagen leben und sehr viele davon an Hunger, Durst, primitiver kaum produktiver Arbeit hinvegetieren, in Bürgerkriegen erschlagen werden oder auf Wanderungsbewegungen getötet, verdursten, verhungern oder ertrinken.

Und dieses vor allem durch Überbevölkerung induzierte Elend ist so groß daß Deutschland oder die EU damit schlicht überfordert ist. Hilfe geht nur symbolisch in kleinsten Tröpfchen zum Wohle der eigenen Befindlichkeit.

Mitteleuropa kannt Erbregelungen nur einer erbt den Bauernhof, nur der durfte heiraten, die Zahl unehelicher Kinder wurde durch kirchliche Gebote und massiven sozialen Druck kleingehalten. Ergebnis keine Überbevölkerung!

  • Antwort von Helmut, Freitag, 25.August, 11:57 Uhr

    Die REalität ist aber auch, daß unser Reichtum auf der Armut anderer entstanden ist, die uns für billigstes Geld mit Waren versorgen und sich ihre Rohstoffe abnehmen lassen.
    Sie sagen richtig 'Hilfe geht nur symbolisch in kleinsten Tröpfchen zum Wohle der eigenen Befindlichkeit'.
    Das ist aber ein arges Armutszeugnis, daß Sie sich selbst ausstellen.

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 25.August, 15:10 Uhr

    @ Helmut

    Weltweit werdne Rohstoffe zu Förderkosten gehandelt, bei einigen gibt es Knappheitsaufschläge. Aber Eisenerz aus Katanga oder Kupfer aus Sambia ist nicht billiger als Eisen aus Australien oder Kupfer aus den USA.

    Hiesige Braunkohle kostet auch nur Förderkosten!

    Und billige Waren, klar wenn viele etwas anbieten ist kein Platz für hohe Preise.

  • Antwort von highwayfloh, Sonntag, 27.August, 18:32 Uhr

    @Wolfgang:

    Gar nichts ist "hinzunehmen" schon gar nicht aus einseitiger Sichtweise! Das was ursächlich ist, ist unser urgeinstes (angenommene) Verständnis wie die "Welt" funktioniert, gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch usw. Die erlebten Kriege und alles andere sollten uns doch zeigen, dass es "so" wie "wir" es annehmen, dass es damit funktioniert, ein Trugschluss ist! Unsere Aufgabe ist es vielmehr als "Menschen" zusammenzuwirken, dies global, auch wenn es noch einiger Generationen benötigen wird. Anders wird sich die Spezies "Mensch" selbst zu Grunde richten.

Otto Freundlich, Donnerstag, 24.August, 14:59 Uhr

9. Spendet an Flüchtlingsretter

Habe gerade wieder mehrere Beträge an diverse Seenotretter und auch an Pro Asyl überwiesen. Die Menschenverachtung der Politik ist traurig, das "C" in diversen Parteien nur noch Marketing. Aber jeder Einzelne kann was tun, Kleinvieh macht auch Mist. Und jeder einzelne muss im Zweifelsfall vor seinen Kindern erklären, warum er "damals nichts gemacht hat".

  • Antwort von Wolfgang, Donnerstag, 24.August, 15:35 Uhr

    @ Otto Freundlich:

    Wieso "menshcenverachtend", es gilt die oder wir, wir wenige mit Wohlstand ( Bevölkerungsanstieg seit 1950 um 20% max. ), "die teils ver-7-fachung seit 1950.

    Unsere Väter und Großmütter arbeteten für ein lebenswertes komfortabeles Deutschland als Luxus für sich und statistische ihre 4 Enkel und 8 Urenkel.

    ( warum sollten die 4 enkel oder 8 Urenkel ihren Wohlstand mit den vielen aus Afrika teilen? )

    Europas Politiker achten die Menschen in Europa, das ist nicht menschenverachtend.

    Die Völker Afriaks und Arabiens schufen schlecht funktionierende Staaten und gönnten sich den Luxus von 16 Enkeln und 40 Urenkeln. Deren freie Entscheidung, dann auch frei die Folgen ertragen.

Thomas L., Donnerstag, 24.August, 06:38 Uhr

8. Begleitschutz

Was haben die "Schleuserhelfer" erwartet. Begleitschutz durch eine Fregatte?

  • Antwort von Floh, Donnerstag, 24.August, 06:47 Uhr

    Vielleicht noch nehn Zuschuß vom Staat.

  • Antwort von Thomas Stollberger, Freitag, 25.August, 16:33 Uhr

    Das wohl nicht, aber man darf erwarten, dass internationales Recht eingehalten wird.
    Vor der Küste Libyens wird dieses gerade gebrochen, und das nicht von den Helfern.

Robert, Donnerstag, 24.August, 02:12 Uhr

7. Weniger Ertrinkende

Wenn den NGO Hilfsschiffen schon im Januar die Aktivitäten untersagt worden wäre, wären bis August nicht 2400 Menschen ertrunken. Die Schleuser hätten mangels Kunden recht bald ihre Fahrten eingestellt.

  • Antwort von Helmut, Freitag, 25.August, 12:01 Uhr

    Schön wärs. Setzt voraus , daß ihre Kunden das auch mitbekommen.
    Denen ist es egal, wie viele Menschen ertrinken, so lange sie ihr Geld abliefern.
    Wie viele Leichen im Mittelmeer würden Sie akzeptieren ?

konstanze, Mittwoch, 23.August, 22:15 Uhr

6. deutliche worte sind notwendig

Wie wäre es einmal mit einer öffentlichen stellungnahme der bundesregierung zum verhalten der deutschen NGOs !

  • Antwort von Johann Pätzold, Freitag, 25.August, 12:34 Uhr

    Die Bundesregierung begrüßt unsere Anwesenheit im Mittelmeer. Können sie sich gerne bestätigen lassen.

  • Antwort von Suzie, Freitag, 25.August, 14:49 Uhr

    "Die Bundesregierung begrüßt unsere Anwesenheit im Mittelmeer. Können sie sich gerne bestätigen lassen."

    Mich würde sehr interessieren, wo diese Aussage "der Bundesregierung" nachzulesen ist, wer genau diese Aussage Ihnen gegenüber getroffen hat. Bitte spezifizieren.

  • Antwort von Johann Pätzold, Samstag, 26.August, 13:20 Uhr

    Dies wurde uns in dem Gespräch im Innenministerium mitgeteilt und bestätigt. Wollen sie es direkt wissen, so können sie gerne Direkt Kontakt mit dem BMI aufnehmen. Die Pressemitteilung der Sea Eye ist in Abstimmung mit dem BMI erfolgt, welche genau jene passage enthält.
    Beste Grüße.