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Was für eine Ironie Flüchtlingsretter der "Sea Eye" wollten Rechtsextreme retten

Im Mittelmeer ist offenbar das Schiff der "Identitären Bewegung", die "C-Star", in Seenot geraten. Die Regensburger Flüchtlingshilfsorganisation "Sea-Eye" wollte die Rechtsextremen retten. Diese lehnten die Hilfe jedoch ab.

Von: Guido Fromm

Stand: 11.08.2017

Der Kutter der Regensburger Flüchtlingsinitiative "Sea Eye" | Bild: pa/dpa/Bernd Wüstneck

Die rechtsextreme Bewegung hat unter anderem das Ziel, zu verhindern, dass weiterhin Flüchtlinge nach Europa kommen.

Flüchtlingshelfer waren am nächsten dran

Über die Europäischen Union wurde "Sea-Eye"-Gründer Michael Buschheuer darüber informiert, dass die "C-Star" einen Maschinenschaden habe und manövrierunfähig sei. Anschließend beauftragte die Seenotleitzentrale für das westliche Mittelmeer in Rom die "Sea-Eye", der "C-Star" zu Hilfe zu kommen, da sie dem Havaristen offenbar am nächsten ist.

Laut Mitteilung der Flüchtlingsretter von "Sea Eye" nahm man Kurs auf das Schiff der rechtsradikalen Bewegung. Michael Buschheuer betonte in diesem Zusammenhang:

"In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist - unterschiedslos zu seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung."

Michael Buschheuer, Gründer von Sea-Eye

Nach Angaben der Flüchtlingsrettungsorganisation hat die Besatzung der "C-Star" die angebotene Hilfe jedoch abgelehnt. Auf Weisung der Seenotleitzentrale für das westliche Mittelmeer in Rom habe man daraufhin die Suche nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden fortgesetzt, hieß es weiter in einer Mitteilung.

Identitäre Bewegung dementiert auf facebook

Zwischenzeitlich dementiert die "Identitäre Bewegung" auf ihrer facebook-Seite die öffentliche Berichterstattung. Es hätte lediglich ein kleineres technisches Problem gegeben woraufhin das Schiff für den Zeitraum der Wartung als "manövrierunfähig" deklariert werden muss. Laut der Stellungnahme "handelt es sich weder um einen Notfall, noch wurde Hilfe angefordert".

Sea-Eye Regensburg

Die Regensburger Sea-Eye-Initiative ist seit vergangenem Jahr mit zwei Rettungsbooten im Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlingen in Seenot zu helfen. In dieser Zeit haben sie mehrere Tausend Menschen gerettet. Auf den Booten befinden sich ehrenamtliche Helfer.

Die Identitäre Bewegung

Gegründet hat sich die Gruppe der Identitären in Frankreich. 2012 wurde sie in Österreich unter der Bezeichnung "Verein zur Erhaltung und Förderung der kulturellen Identität" eingetragen. In Deutschland ist die Gruppe ebenfalls seit 2012 bekannt. Sie hat sich nach der Veröffentlichung des Buches von Thilo Sarrazin gebildet. Es wird vermutet, dass sich ihr rund 400 Menschen angeschlossen haben. Vereinssitz ist Paderborn.


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