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Roma-Protest im Regensburger Dom Kirche bietet Umzug in Pfarrheim an

In Regensburg halten sich noch immer 45 Personen im Dom auf und demonstrieren gegen ihre drohende Abschiebung. Sie wollen bleiben, bis sie ein Bleiberecht in Deutschland bekommen. Ob sie ein Umzugs-Angebot der Kirche annehmen, ist noch unklar.

Von: Andreas Wenleder

Stand: 08.07.2016

Die Flüchtlinge trafen sich mit Generalvikar Michael Fuchs vom Bistum Regensburg zu einer Aussprache. Die Kirche bot den Demonstranten an, sie im nahegelegenen Pfarrheim unterzubringen. Am Freitagnachmittag besuchte eine Gruppe von ihnen mit Vertretern des Bistums die eventuell neue Bleibe. Es gebe dort mehr Platz, eine Küche, Duschen sowie ein ruhigeres Umfeld. Nach Absprache mit Behörden und Polizei gilt im Pfarrheim auch weiterhin der Schutz der Kirche. Ob die Flüchtlinge das Angebot annehmen, ist noch unklar. Sie wollen sich jetzt beraten, fordern aber weiterhin ein Aufenthaltsrecht und einen Schutz auch außerhalb des Pfarrheims, um zum Beispiel Arztbesuche wahrnehmen zu können.

Aufenthalt im Dom nur begrenzt möglich

Gespräche der Demonstranten mit Generalvikar Fuchs (rechts)

Das Bistum teilte mit, dass ein Aufenthalt im Dom nur für einen sehr begrenzten Zeitraum möglich sei. Zwar gäbe es dort Toiletten und Waschbecken, aber zum Beispiel keine Duschen und nur schmale Fluchtwege, wenn abends die Feldbetten eng nebeneinander aufgebaut werden. Auch die gesundheitliche Versorgung der teils kranken Demonstranten sei in den Nebenräumen des Doms nur sehr eingeschränkt und risikoreich möglich, sagt Bistumssprecher Jakob Schötz. Für die Sicherheit der Balkan-Flüchtlinge im Dom müsse zudem ein Sicherheitsdienst beauftragt werden.

Sollte die Gruppe nicht umziehen, muss der für Samstagabend im Dom geplante Nightfever-Gottesdienst mit etwa 300 Jugendlichen in die nahegelegene Niedermünsterkirche verlegt werden.

Bitte um Kirchenasyl

Kirchenasyl könne den Geflüchteten derzeit nicht gewährt werden, sagte Generalvikar Michael Fuchs. In politische Entscheidungen wolle man sich auch nicht einmischen.

"Wir können nicht die Gesetze ändern, dafür sind andere zuständig. Aber wir versuchen, für die Menschen da zu sein."

Michael Fuchs, Generalvikar

Die Gruppe demonstriert seit Dienstag für ein Bleiberecht und gegen die Einstufung einiger Balkan-Staaten als sichere Herkunftsländer. Auf Transparenten fordern die Asylsuchenden ein Bleiberecht für sich: "Alle Roma bleiben hier" oder "Wir sind nicht zu stoppen". "Wir werden in der Heimat diskriminiert, unsere Kinder können nicht zur Schule gehen und schwerkranke Menschen können sich nicht behandeln lassen", sagte ein Sprecher der Demonstranten, der aus dem Kosovo kommt. Zudem baten die Demonstranten um Kirchenasyl. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht gewährt worden, betonte Bistumssprecher Jakob Schötz und sagte: "Das Bistum wird die Menschen so lange versorgen, wie es nötig ist."

Wie bedroht sind Roma?

Was ist Kirchenasyl?

Pfarreien oder Klöster können Flüchtlinge auf ihrem Pfarr- oder Klostergrund aufnehmen, um sie so vor einer drohenden Abschiebung zu bewahren, heißt es auf der Internetseite des Bistums Regensburg. Kirchenasyl sei kein Handeln gegen den Staat, sondern eine vom Staat geduldete Möglichkeit, bei tragischen Härtefällen Menschen in Schutz zu nehmen. Kirchenasyl dürfe nicht genutzt werden, um die Gesetze auszuhebeln, es gleiche vielmehr die Lücken menschlichen Rechts aus.

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