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Regensburger Buch wirft Zweifel auf Ist das Reinheitsgebot Humbug?

Im März erscheint ein neues Buch des Regensburger Kulturwissenschaftlers Professor Gunter Hirschfelder - und das könnte Bierliebhaber erschüttern: Darin stellt er das bayerische Reinheitsgebot infrage.

Stand: 24.02.2016

 Ein Maߟkrug Bier steht am 24.10.2015 in einem Biergarten bei Stegen am Ammersee (Bayern) im Sonnenschein. | Bild: picture-alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Gunter Hirschfelder veröffentlicht zusammen mit seinem Kollegen Manuel Trummer nächsten Monat das Buch "Bier - Eine Geschichte von der Steinzeit bis heute". Darin wird dem Reinheitsgebot, das vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. und seinem Bruder Herzog Ludwig X. vor 500 Jahren in Ingolstadt erlassen wurde, etwas von seiner majestätischen, unangreifbaren Aura genommen.

"Bier hat eine unglaublich stabile und lange Geschichte. Die Qualität war aber immer ganz unterschiedlich. Wir haben heute eine absolute Spitzenqualität. Als vor 500 Jahren das Reinheitsgebot erfunden worden ist, da denken viele Leute: 'Das war die Geburtsstunde des Qualitätsbieres' - aber das stimmt nun gerade nicht."

Gunter Hirschfelder

Bier mit Ochsengalle und Gerbstoffen

Natürlich sei das Reinheitsgebot kein reiner Schmarrn, aber ganz sauber sei es auch nicht. Laut Hirschfelder war das, was die Menschen bis zum Ende des Mittelalters als Bier getrunken haben, eigentlich gar kein richtiges Bier, sondern ein Biermischgetränk.

"Da kamen Mittel zum Klären rein, da konnte Ochsengalle darin sei, Gerbstoffe, ein Sammelsurium von Dingen, die eine schwach alkoholhaltige, schaumige Brühe hervorbrachten. Das Reinheitsgebot versuchte vor allem, auswärtige Biere in Bayern vom Markt zu drängen und eine Imagekampagne des bayerischen Bieres auf die Agenda zu heben, sowie Preisstabilität hervorzurufen."

Gunter Hirschfelder

Was wir heute als Qualität verstehen, sei damals noch überhaupt nicht im Mittelpunkt gestanden, so Hirschfelder.

Qualität durch richtige Herstellung und Kühlung

Im Grunde hat die Geburtsstunde des bayerischen Qualitätsbieres weniger etwas mit dem Reinheitsgebot zu tun als vielmehr mit den modernen Herstellungstechniken. Die Qualität des Brauvorganges und des Endergebnisses wurde erst im Lauf der Zeit immer besser. Der Durchbruch kam erst im 19. Jahrhundert mit den neuen Kühltechniken. "Was wir heute haben, ist die Spitze der Qualität", sagt Hirschfelder.


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