16

Domspatzen-Skandal Diskussion im Presseclub kreist um Ratzingers Rolle

Ehemalige Domspatzenschüler aus drei Jahrzehnten haben am Abend im Regensburger Presseclub über Konsequenzen aus dem Misshandlungs- und Missbrauchsskandal bei dem weltberühmten Knabenchor diskutiert. Vor sechs Jahren wurde der Skandal bekannt - er lässt bis heute niemanden kalt.

Von: Uli Scherr

Stand: 04.03.2016

Regensburger Domspatzen | Bild: picture-alliance/dpa

Es geht hitzig zu im Presseclub. Opfer, Zeitzeugen und journalistische Berichterstatter ringen um Deutungshoheit. Immer wieder kreist die Diskussion um die Rolle des früheren Domkapellmeisters Georg Ratzinger. Rudolf Neumaier, Journalist der Süddeutschen Zeitung und ehemaliger Domspatz, erinnert sich:

"Natürlich hätte Ratzinger etwas beeinflussen können. Ich selber habe es ihm auf Chorreisen gesagt, was sich da draußen abspielt. Aber er war taub für sowas."

SZ-Journalist Rudolf Neumaier

Medienmanager und Ex-Domspatz Ludwig Faust spricht von einer Kultur des Prügelns, die er erlebt hat. Ratzinger hätte seiner Meinung nach den Spuk beenden können.

"Ein Wort hätte genügt. Er hätte sagen müssen: 'Jetzt ist Schluss, wer prügelt, der fliegt.' Dann wäre die Sache erledigt gewesen."

Ex-Domspatz Ludwig Faust

Einig ist sich die Runde, dass das Bistum Regensburg viel zu spät mit der ernsthaften Aufarbeitung begonnen hat. Eine Konsequenz aus der schlechten Performance: Die Domspatzen machen ihre Öffentlichkeitsarbeit wieder selber, erläutert Chormanager Christoph Hartmann.

"Weil uns viele Leute vorgeworfen haben, warum wir uns nicht gerührt hätten, wollen wir diesen Fehler nicht nochmal machen."

Chormanager Christoph Hartmann

Ein Fehler weniger, vielleicht ein Schritt hin zu mehr Transparenz bei der Aufarbeitung des Domspatzenskandals.

Tag der offenen Tür bei den Domspatzen

Am Samstag (05.03.16) laden die Regensburger Domspatzen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zu einem "Tag der offenen Tür" ein. Zuletzt hatten die Domspatzen am 30. Januar eine solche Veranstaltung abgehalten. An Infoständen können sich interessierte Buben mit ihren Eltern über Chor, Schule und Internat informieren. Der "Tag der offenen Tür" im Januar war nach Berichten über den Missbrauschsskandal als Test für die Akzeptanz und künftige Existenz dieser Institution angesehen worden. Damals zeigte sich Chormanager Christoph Hartmann zufrieden. Rund 100 Eltern seien mit ihren Kindern gekommen, um sich Schule und Internat anzusehen.

  • Uli Scherr | Bild: Timo Lauber Uli Scherr

    Uli Scherr ist Mitarbeiter im Regionalstudio Ostbayern in Regensburg


16

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Angelika Oetken , Samstag, 05.März, 10:07 Uhr

4. Ursachen


Die selektive Taubheit des Herrn Georg Ratzinger, die Herr Neumaier beschreibt, könnte im Zusammenhang mit dem stehen, was ein Forist vor einigen Wochen zu einem Artikel, der hier auf der Homepage rechts verlinkt ist beigetragen hat, ""Ohrfeigen ja- Missbrauch nein" (Kommentar 142).

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

Ehemaliger, Samstag, 05.März, 07:15 Uhr

3. Domspatzen

@ Thomas,
ihr Thema von damals kann man nicht mit dem Thema Domspatzen vergleichen.
Dort in Etterhausen und Regensburg hatte man diese derartige Gewalt mal 10 !!!
Wir hatten damals Sadisten , Pädophile und schiefe Typen ...

aucheinehemaliger, Freitag, 04.März, 14:50 Uhr

2. Die drei Affen...

Christoph Hartmanns Spitzname war Hase. Und der weiss bekanntlich von nichts.

  • Antwort von Angelika Oetken , Samstag, 05.März, 17:56 Uhr


    Christoph Hartmann wird dieses Jahr 57 Jahre alt. Seit seiner Schulzeit ist er den Domspatzen bzw. dem Bistum verbunden. Nicht zuletzt beruflich. Wir wissen nicht, wie er seine Schulzeit in Wirklichkeit erlebt hat. Sprich: Menschen wie er sind doch total abhängig von dieser Einrichtung, möglicherweise sogar erpressbar. Wie die meisten anderen Erwachsenen, die bei den Domspatzen bzw. im Bistum beschäftigt sind. Insofern rechne ich es Christoph Hartmann an, dass er den Mut hatte, sich den Fragen der Journalisten im Presseclub zu stellen.

    P.S. beim Aloisiuskolleg war es übrigens ähnlich. Im Frühjahr 2010 gelang es Strippenziehern noch, 500 Unterschriften von Ehemaligen für einen Schrieb zu bekommen, der die Täter und die Verantwortlichen entlasten sollte. Dank der Hartnäckigkeit der Betroffenen, Mitbetroffenen und Medien hat sich das Blatt aber mittlerweile ziemlich gewandelt. Immer mehr Alumni und Einwohner kommen ins Nachdenken und ändern ihre Einstellungen

Thomas, Freitag, 04.März, 13:41 Uhr

1. Domspatzen

Wer kümmert sich eigentlich um die Leute, die in den normalen Volksschulen misshandelt worden sind ? Jeder weiß dass es auch dort so war. In der Schule in meinem Heimatort wurden wir von mindestens 50% der Lehrer geschlagen, teilweise blutig. Das weiß jeder, dass dies damals in jeder Schule üblich war. Aber da man ja ständig auf der Suche ist, der Kirche etwas anzuhängen, kann man darüber ja nicht berichten. Man will den Hörern und Lesern ja suggerieren, dass nur die Kirche und Priester sowas machen, da würde es ja gar nicht in den Kram passen, wenn man darüber berichten würde dass es in normalen Volksschulen auch so lief. Naja, das ist halt die Zensur durch die Medien...... Die Hörer sollen hören, was die Medien wollen dass sie hören sollen.

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 04.März, 15:38 Uhr

    War es an deiner Schule auch normal, kleine Jungen zu missbrauchen? Hast du dir schon mal vor Angst in die Hose geschissen, weil du dreimal hintereinander einen Ton nicht absolut sauber getroffen hast? Hast du schon mal erlebt, dass dir ein Präfekt mitten in der Nacht brüllend den Gang entgegenläuft, weil du es gewagt hast, auf das Klo zu gehen?

  • Antwort von Angelika Oetken , Samstag, 05.März, 12:18 Uhr


    Sie haben Recht. Gegen Kinder gewalttätig vorzugehen, war in früheren Jahren verbreitet und wurde auch als normales Erziehungsmittel angesehen. Auch sexuelle Ausbeutung (Missbrauch) war gang und gäbe, es wurde aber im Gegensatz zu heute nicht offen darüber gesprochen. Was in Einrichtungen wie Etterzhausen, aber auch in vielen Kinderheimen und Kinderkrankenhäusern geschah, ging allerdings weit über das damals übliche Maß an Gewalt und Ausbeutung hinaus. Die Systematik, mit der die Kinder (in Etterzhausen/Pielenhofen Jungen im Grundschulalter) misshandelt und missbraucht wurden, und zwar über Jahrzehnte unter den Augen der Öffentlichkeit und der Verantwortlichen, sollte stutzig werden lassen. Es ist davon die Rede, dass die Jungen Betäubungsmittel eingeflößt bekamen und nachts und an Wochenenden "Gäste" eingeladen wurden. Beides, Kinder unter Betäubung missbrauchen und die Organisation des Missbrauch in der Gruppe sind unter Pädokriminellen verbreitet.