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Offene Fragen im Domspatzen-Skandal Schweigen an höchster Stelle

Beim Thema Misshandlung und Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen herrscht in der katholischen Kirchenleitung Schweigen. Kardinal Marx sagt gar nichts, der Missbrauchsbeauftragte der Kirche, Bischof Ackermann, verweist auf die laufende Präventionsarbeit.

Stand: 14.01.2016

Kardinal Marx schweigt zum Domspatzen-Skandal.

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, wie es denn sein könne, dass ein vom Bistum Regensburg beauftragter externer Gutachter in wenigen Monaten dreimal so viele Opfer ermittelt hat, wie das Bistum selbst in fünf Jahren, will sich weder der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, noch der Missbrauchsbeauftragte, der Trierer Bischof Stephan Ackermann äußern.

Präventionsarbeit mit Blick in die Zukunft

Trierer Bischof Ackermann

Dieser lässt über seine Pressestelle aber erklären, dass er die Prävention von sexuellem Missbrauch in den einzelnen Bistümern zukunftsgerichtet ausbauen will. Die Gelder des 2010 eingerichteten Präventionsfonds in Höhe von 500.000 Euro gehen zur Neige, dieser sei aber ohnehin finanziell unabhängig gewesen von der Finanzierung der jeweiligen Präventionsbeauftragten in den Bistümern, die es auch weiterhin geben werde. Auch die Zahlung von "Anerkennungsleistungen" an die Opfer sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich werde die Kirche in Zukunft weiter leisten, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme des Bistums Trier.

Neck: offen in anstehende Gespräche gehen

Clemens Neck, Sprecher Bistum Regensburg

Der Regensburger Bistumssprecher Clemens Neck erklärte, man habe die Stelle zur Prävention sexuellen Missbrauchs in der Diözese Regensburg erst letztes Jahr stärker an die Bistumsleitung angebunden. Zu den aktuellen Vorfällen rund um die Regensburger Domspatzen will sich Neck jedoch nicht weiter äußern.

"Wir wollen mit aller Offenheit in anstehende Gespräche gehen und möchten daher nicht vorher durch öffentliche Äußerungen eventuelle Weichen stellen."

Clemens Neck

Zwischenbericht sorgt für Furore

Ulrich Weber bei der Pressekonferenz.

Der unabhängige und mit der Aufklärung beauftragte Anwalt Ulrich Weber stellte am Freitag (08.01.16) seinen Zwischenbericht vor. Demnach seien von 1953 bis 1992 mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern misshandelt worden. Zudem seien mindestens 62 Kinder auch Opfer sexueller Gewalt geworden. Die meisten Misshandlungen seien in der früheren Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen und dann in Pielenhofen bei Regensburg begangen worden. Weber geht davon aus, dass die Dunkelziffer der misshandelten Kinder noch deutlich höher liegt. Er rechnet damit, dass etwa jeder Dritte der rund 2.100 Vorschüler zwischen 1953 bis 1992 unter körperlicher Gewalt litt - das wären bis zu 700 Opfer. Kurz nach Vorstellung des Berichtes haben sich bei Weber weitere 20 Opfer gemeldet.

Reaktionen darauf

Weber geht davon aus, dass der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger (91) von den Vorgängen gewusst hatte. Er habe zumindest im Jahr 1987 von Gewalt in der Vorschule erfahren. Der Anwalt betonte zudem, selbst wenn man die Prügel im zeitlichen Kontext der damaligen Erziehung sehe, zeige sich eine "grobe Unverhältnismäßigkeit". Ratzinger sagte daraufhin zum Bayerischen Rundfunk, dass er von Ohrfeigen, nicht aber von Missbrauch gewusst habe. Er sprach aber auch von einer "Kampagne".

"Diese Kampagne ist für mich ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn, wie man über 40 Jahre hinweg überprüfen will, wie viele Ohrfeigen bei uns verteilt worden sind, so wie in anderen Einrichtungen auch."

Georg Ratzinger, ehemaliger Domkapellmeister

Diözese nimmt Ratzinger aus der Schusslinie

Die Diözese reagierte: Ratzinger habe auf Nachfrage erklärt, es sei richtig, alle Beschuldigungen rückhaltlos aufzuklären. Das teilte am Dienstagabend (12.01.16) der Sprecher der Diözese Regensburg, Clemens Neck, dem Bayerischen Rundfunk mit. Ratzinger sei mit dem Vorgehen des Bistums Regensburg uneingeschränkt einverstanden und er begrüße es, dass diese Aufgabe einem Rechtsanwalt übertragen sei, der unabhängig vom Bistum vorgehe.

Sonderermittler Ulrich Weber

Seit fast einem Jahr untersucht Ulrich Weber Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe beim weltberühmten Knabenchor. Das Bistum hatte den langjährigen Anwalt der Opferschutzorganisation Weißer Ring im April als unabhängigen Sonderermittler eingesetzt. Er hatte mit Betroffenen und dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums gesprochen sowie Geheimarchive, Personalakten des Bistums und persönliche Notizen des Generalvikars eingesehen.


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Herbert Turetschek, Freitag, 15.Januar, 19:23 Uhr

10. Für mich Schweigen heißt die Existenz eines Menschen auszuradieren.

"Für mich Schweigen heißt die Existenz eines Menschen auszuradieren", LiFe hat Recht. Es muss endlich aufhören! Reden wir endlich!

MA, Freitag, 15.Januar, 08:15 Uhr

9. So denkt die Kirche5

Frage: "Der Missbrauch um die Domspatzen wird nun aufgearbeitet. Wie finden Sie das?"

Antwort: "Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen."

Stiftsdekan Heinrich Wachter, Regensburg, im Wochenblatt.

So denkt der kern der der katholischen Kirche.

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 14:42 Uhr

    Genau, oane links, oane rechts, und a Ruah is!

    Mit Verlaub, Herr Wachter, ...

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 23:51 Uhr

    Das ganze Interview:

    https://www.google.de/url?sa=t&source=web&rct=j&url=http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Regensburger-Geistlicher-Papst-Franziskus-blamiert-doch-unseren-Papst-Benedikt-dauernd-%3Bart1172,346292&ved=0ahUKEwjbhpGP8qzKAhXG_nIKHSvkBocQFggbMAA&usg=AFQjCNGHr9Bt6i-6NsZRCb4kg_VtC1KlgQ

    Alles klar?

MA, Freitag, 15.Januar, 07:40 Uhr

8. "Ich sehe meine Aufgaben als nahezu abgearbeitet an"

"Ich sehe meine Aufgaben als nahezu abgearbeitet an"
Zitat Bischof Dr. Stephan Ackermann, Dezember 2013.
Beauftragter für den Missbrauch innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz
(...)
Mit anderen Worten: Das Thema ist für die Kirche erledigt. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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MA, Freitag, 15.Januar, 07:26 Uhr

7. Kardinal Marx hat wichtigeres zu tun

Nachdem uns der Deutsche Klerus mit seiner Liturgie des Willkommens beglückt und uns auch schon die Einschränkungen prophezeit hat, die auf uns alle zukommen, möchte man nun, nach dem Silvesterabend in Köln, auch noch den Zug der Echauffierten anführen,
Denn daß da Muslime den Dom mit Raketen beschiessen und dabei noch eine Messe stören, das geht natürlich gar nicht. Was haben Sie erwartet, Exzellenz ?

Wobei die Tatsache, daß Frauen an den Herd gehören und nicht allein zu feiern haben, doch seit Jahrhunderten so von den Kanzeln gepredigt wird und da wird sich doch ausgerechnet nicht im Jahr 2016 etwas geändert haben ?
Als nächstes machen wir dann noch die restlichen Hallenbäder dicht oder führen muslimische Badestunden ein.

Wo ist der Unterschied zwischen konservativen Christen und Muslimen bzw. wo ist der Unterschied in dem was Ihnen gelehrt wird ? Ich sehe keinen.
Wo ist in der katholischen Kirche die Wertschätzung der Frau, die des Laien generell und überhaupt?

RB, Donnerstag, 14.Januar, 18:52 Uhr

6. Generalvikar Fuchs muss zirücktreten

Nach misslungener Aufarbeitung vom Bistum Regensburg, solle der Herr Generalvikar Fuchs eben jetzt zurücktreten und Charakter zeigen. Die Leute draussen wissen jetzt Bescheid, und ich finde dass der Herr Fuchs zuerst seinen Hut nehen sollte. Da fühlt man sich schon ein wenig vergackeiert nach all den vielen Jahren.

  • Antwort von MA, Freitag, 15.Januar, 07:45 Uhr

    Wie in der Kirche wirklich über das Thema gedacht wird, das sieht man in Postillen wie dieser hier. (...)
    Interview mit einem Regensburger Geistlichen:

    Zitat:
    Der Missbrauch um die Domspatzen wird nun aufgearbeitet. Wie finden Sie das?

    Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.