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Missbrauch bei den Domspatzen Bistum relativiert Ratzinger-Aussagen

Im Zusammenhang mit dem Misshandlungs- und Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen versucht das Bistum Regensburg, den in die Kritik geratenen früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger aus der Schusslinie zu nehmen.

Stand: 13.01.2016

Ratzinger habe auf Nachfrage erklärt, es sei richtig, alle Beschuldigungen rückhaltlos aufzuklären. Das teilte am Dienstagabend (12.01.16) der Sprecher der Diözese Regensburg, Clemens Neck, dem Bayerischen Rundfunk mit. Ratzinger sei mit dem Vorgehen des Bistums Regensburg uneingeschränkt einverstanden und er begrüße es, dass diese Aufgabe einem Rechtsanwalt übertragen sei, der unabhängig vom Bistum vorgehe.

Ratzinger sprach von "Irrsinn"

Bistumssprecher Neck sagte weiter, der 91 Jahre alte Ratzinger sei gesundheitlich angeschlagen. Damit relativiert das Bistum Regensburg Aussagen, die der Bruder von Papst Benedikt am Dienstagmorgen im Gespräch mit dem BR gemacht hatte. Georg Ratzinger hatte hier von einer "Kampagne" gesprochen. Wörtlich hatte er gesagt:

"Diese Kampagne ist für mich ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn, wie man über 40 Jahre hinweg überprüfen will, wie viele Ohrfeigen bei uns verteilt worden sind, so wie in anderen Einrichtungen auch."

Georg Ratzinger, 91

Eine kritische Bewertung kommt von Ratzingers Nachfolger, dem heutigen Domkapellmeister Roland Büchner: Die Misshandlungsvorwürfe seien seit Ende 80er-Jahre bekannt gewesen. Das damalige Führungspersonal bei den Domspatzen sei blauäugig gewesen und hätte reagieren müssen.

20 neue Opfer melden sich

Ulrich Weber bei der Pressekonferenz.

Seitdem der mit der Klärung der Vorfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber einen Zwischenbericht über Misshandlungs- und Missbrauchsfälle vorgelegt hat, haben sich knapp 20 weitere ehemalige Domspatzen bei ihm gemeldet. "Die neuen Opfer bestätigen die bisherigen Einschätzungen der Gesprächspartner", sagt Ulrich Weber. Er sprach am Freitag von 231 misshandelten Buben und 62 Opfern sexuellen Missbrauchs, aber auch von einer weit höheren Dunkelziffer an Fällen. Weber stellt seine Zwischenberichte genau aus diesem Grund öffentlich vor: Er will ehemalige Opfer von sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt ermutigen, sich bei ihm zu melden. Die Reaktionen auf seinen Zwischenbericht seien sehr anerkennend gewesen, so Weber. Wann er einen Schlussstrich zieht und seinen Bericht als vollständig erachtet, entscheidet er.

Stimmen der Opfer

Josl

Ich war selbst in den Schuljahren 1983/84 und 1984/85 in Pielenhofen. Und ja, ich durfte selbst sowohl körperlichen (weit über das damalige übliche Maß hinaus) wie auch sexuellen Missbrauch "genießen", dieser hat in der Tat stattgefunden.

Leugnen oder verharmlosen wird an dieser Stelle nichts nutzen. Die Namen der beteiligten Protagonisten sind hinlänglich bekannt, es spielte sie immer nach den gleichen Schemata ab. Relativ beliebt für derartige Zwecken waren auch die wöchentlichen "Duschtage", die ja zumeist abends stattfanden. Erstaunlicherweise war dann auch der damalige Direktor dieses "Instituts" zugegen. Dort erhielt der ein oder andere Bub auch einmal eine "Sonderbehandlung".

Die meisten schwiegen, denn geglaubt hätte damals einem achtjährigen Buben ohnehin niemand. So auch meine persönliche Erfahrung mit meinen eigenen Eltern. Ein Herr Monsignore wäre doch zu so etwas niemals in der Lage!

Joseph

Als ehemaliger Domspatz muß ich dazu was anmerken: 
Tatsache ist, daß in Etterzhausen, der damaligen Vorschule der Domspatzen sowohl der Priester und Internats- Direktor ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt), als auch ein Präfekt namens ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) "sehr lockere Hände" gegenüber den Schülern hatten. Da reichte ein runtergefallene Gabel beim Essen für schallende Ohrfeigen. 

In Regensburg war das anders. Hier wurde nur in großen Ausnahmen wirklich von der Watschn Gebrauch gemacht. Und es war auch keine Angst, die da im Raum stand. Und grade der Cheef, wie unser Domkapellmeister bei uns hieß, war ein sehr verständiger, aber auch strenger Chorleiter. Der konnte sehr laut werden, wenn die Disziplin im Chor sank. Nach 3 Ermahnungen, daß ich mein "Schwätzen" aufhören sollte, bekam ich mal ein Ohrfeige von ihm. Verdientermaßen, da ich den Chor massiv störte. Da hätte es in meinem Elternhaus ganz andere Strafen gegeben. 
Aber jetzt alles in den Dreck treten, was dieser Mann geleistet hat, ist unterste Schublade.

Gammy

Ich bin selbst Opfer von Übergriffen (Prügeln, körperliche Züchtigungen) von Priestern geworden. 

Der damalige Dorfpfarrer von ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) hat im Religionsunterricht in den sechziger Jahren regelmäßig uns Kinder mit einem Lineal auf die Finger geschlagen, und zwar mit der Kannte, damit es besonders schmerzhaft war.

Der spätere Stadtpfarrer von ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) hat mich Anfang der siebziger Jahre in seiner Zeit als Religionslehrer an der ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) mit der Faust niedergeschlagen, so dass ich vor der Klasse auf dem Boden lag. Da war ich 16 Jahre alt. 

Sexuelle Übergriffe von Priestern habe ich selber nicht erlebt. Nach den Erzählungen im Familienkreis scheinen sie aber keine Seltenheit gewesen zu sein.

Franz

Ich war zwei Jahre im Internat in Etterzhausen. Meine Mutter sagte bei der Vorstellung zum Internetsleiter: "Wenn er nicht pariert geben Sie ihm Strixen (Schläge)." So war das damals und ich bekam Strixen. Einmal schoss ich mit dem Fussball Richtung Hauswand, traf aber das Fensterkreuz und die Scheibe war kaputt.

Ich wurde zum Direktor gebracht der das Zimmer absperrte und mich mit einem Stock ausgiebig verprügelte.

Das war ganz normal, und normal war auch was der Musiklehrer als Bestrafung veranstaltete. Er zwickte einen mit senen langen Fingernägeln ins Ohrläppchen, riss nach unten und gab einem mit der Rückhand noch eine Ohrfeige. Ich hatte teilweise monatelang verkrustete Ohren, da er immer wieder die Krusten aufriss.

Harald

Aus eigener leidvoller Erfahrung finde ich es richtig, dass Untersuchungen stattfinden. Es ging weit über "normale Ohrfeigen" oder mal "Hosenboden strammziehen" hinaus, und es war auch in meinem Fall nicht in den 50ern oder 60ern, sondern in den 80ern.

Die Realität sah so aus, dass man von seinem "Erzieher" schon mal so heftig an den Koteletten (Haaren) gezogen wurde, dass sie einem ausgerissen wurden. Und der Direktor war ein absoluter Choleriker, der mit seinem Schlüsselbund gerne mal auf uns warf, wenn wir nicht sofort ruhig waren. Hatte man das Pech und wurde damit getroffen, durfte man nichts erzählen.

Aus Angst haben wir alle geschwiegen. Wie sollte man auch sonst als Neunjähriger damit umgehen. War man abends in den Schlafsälen nicht ruhig, weil man noch mit seinem Bettnachbarn redete, wurde man für eine Stunde in den kalten Waschraum gestellt. Das Schlimme daran war, dass man manchmal "vergessen" wurde.

Alfred

Ich war von 1954 bis 1956 Schüler in Etterzhausen. Mein damaliger Präfekt ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) hat mich vor versammelter Schülerschaft blutig geschlagen. Grund: Nach einem Schulausflug hatte ich das Taschengeld von 2,50 DM - wie meine Mitschüler - vollständig ausgegeben. Mein Fehler war nur, dass ich mich (...) als einziger Schüler zu dem Vorgang gemeldet hatte.

Von 1957 bis 1958 war ich Schüler im Domgymnasium und Sänger unter Theobald Schrems. Da ich einmal das Internat unerlaubt verlassen hatte, wurde ich nach meiner Rückkehr von dem damaligen Priester ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) im Speisesaal vor allen Schüler 1.-9. Klasse brutal verprügelt. Weiter hat mich der damalige Präfekt ... (Name von der BR24-Redaktion entfernt) wegen Bettnässens vor allen Mitschüler mehrmals bloßgestellt. Das war ziemlich entwürdigend.

Vorfälle wie geschildert gab es viele..





Die Berichterstattung über den Zwischenbericht von Opferanwalt Ulrich Weber über die Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe bei den Regensburger Domspatzen hat auch einige Opfer ermutigt, sich zu Wort zu melden. Die Schilderungen der ehemaligen Schüler - bei den Domspatzen und auch andernorts - in unseren Kommentaren sind berührend. Deshalb hat die BR24-Redaktion einige an dieser Stelle zusammengestellt.

Ratzinger: "Ohrfeigen ja - Missbrauch nein"

Weber war von Bistum und Chor mit der Klärung des Skandals beauftragt worden. "Die sexuellen Übergriffe reichten von Streicheln bis zu Vergewaltigungen", so der Anwalt. Weber geht davon aus, dass Georg Ratzinger von den Vorgängen gewusst hatte. Er habe zumindest im Jahr 1987 von Gewalt in der Vorschule erfahren. Der Anwalt betonte zudem, selbst wenn man die Prügel im zeitlichen Kontext der damaligen Erziehung sehe, zeige sich eine "grobe Unverhältnismäßigkeit". Georg Ratzinger leitete die Regensburger Domspatzen von 1964 bis 1994. In jene Zeitspanne fielen die weitaus meisten Fälle von Misshandlung im Chor. Der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. sagte, er habe von "sexuellen Missbräuchen überhaupt nichts gehört". Prügel seien damals dagegen üblich gewesen.

Forderung nach personellen Konsequenzen in der Diözese

Generalvikar Michael Fuchs

Derweil forderte Fritz Wallner, der stellvertretende Vorsitzende der kirchenkritischen Laienverantwortung Regensburg, personelle Konsequenzen, insbesondere den Rücktritt von Generalvikar Michael Fuchs. Der Grund: Fuchs stehe - obwohl er Anwalt Weber zum Sonderermittler berufen hatte - in besonderer Weise für das "System Müller" in der Diözese Regensburg und trage als Vertreter des früheren Bischofs "Mitverantwortung dafür, dass die Aufklärung der Missbrauchsfälle über Jahre hinweg verzögert oder sogar verhindert" wurde. Wallner bezeichnete es in einem Brief, den er an mehrere Medien verschickte, "geradezu als Hohn", dass Fuchs einem Beratungskuratorium angehören soll, das ab Februar Weber unterstützend zu Seite steht.

"Ich will von den Domspatzen Schaden abwenden. Wenn man die Chronologie verfolgt, sieht man, dass immer von der Diözesanleitung verzögert, verharmlost, verniedlicht worden ist. Es muss klar sein, wer für diese Handhabung wirklich die Verantwortung trägt."

Fritz Wallner, stellvertretender Vorsitzende der kirchenkritischen Laienverantwortung Regensburg

Clemens Neck, Sprecher Bistum Regensburg

Der Verein "Freunde des Regensburger Domchores" steht dagegen hinter Michael Fuchs. Der Vereinsvorsitzende Marcus Weigl hat keinen Zweifel am Aufklärungswillen des Generalvikars. Er habe den Eindruck, dass eine transparente Aufarbeitung in der Bistumsleitung unbedingt gewollt sei, so erlebe er den Generalvikar in Gesprächen. Aus der Diözesanverwaltung gibt es keine Reaktion auf die Rücktrittsforderung gegen den Generalvikar. Stattdessen Lob von Bistumssprecher Clemens Neck für den Sonderermittler.

Stiftungsvorstand entsetzt

Auf Webers Zwischenbericht hatte der Vorstand der Domspatzen bestürzt reagiert. Jeder einzelne Fall berühre die Mitglieder des Gremiums "im Innersten" und mache sprachlos, sagte Roland Büchner, Chorleiter und Vorstand der Regensburger Domspatzen. Der Vorstand wiederholte deshalb auch "in tiefer Erschütterung und Scham" seine Entschuldigung "gegenüber allen Opfern von Missbräuchen und Misshandlungen in Einrichtungen der Domspatzen".

Zugleich gab es seitens des Stiftungsvorstands Lob für Rechtsanwalt Weber. Man sei "froh und dankbar", dass er mit seiner Arbeit offenbar gut vorankomme und auch von den Opfern als Gesprächspartner akzeptiert werde. Seitens der Stiftung wolle man ihn auch künftig in allen Belangen vorbehaltlos unterstützen. Es sei wichtig, "dass er den eingeschlagenen Weg weiterhin unabhängig und transparent gehen" könne.

Sonderermittler Ulrich Weber

Seit fast einem Jahr untersucht Ulrich Weber Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe beim weltberühmten Knabenchor. Das Bistum hatte den langjährigen Anwalt der Opferschutzorganisation Weißer Ring im April als unabhängigen Sonderermittler eingesetzt. Er hatte mit Betroffenen und dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums gesprochen sowie Geheimarchive, Personalakten des Bistums und persönliche Notizen des Generalvikars eingesehen.


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Charles X., Donnerstag, 14.Januar, 15:03 Uhr

42. Was man in Regensburg wirklich denkt...

Georg Ratzinger ist Mitglied im Stiftskapitel St. Johann. Der dortige "Chef", also der Stiftsdekan ist sein Freund Heinrich Wachter. Und der äußert sich gerade in schonungsloser Offenheit.

- über den jetzigen Papst:
"Franziskus macht alles anders. Das ist zwar sicher nicht seine Absicht, das muss man Franziskus nicht unterstellen, aber in vielem, wie er handelt, blamiert er seinen Vorgänger."

- über Aufklärung der Domspatzenmissbrauchsaffaire:
"Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen "(...)

Man kann davon ausgehen, dass das letztlich auch die Meinung von Bischof Voderholzer und Georg Ratzinger ist. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 01:32 Uhr

    Da Wachta Heini, ollawal für an Gspas zum hom.

  • Antwort von Angelika Oetken, Freitag, 15.Januar, 09:36 Uhr


    Ja, der Wachter ist ja wie der Herr Ratzinger mittlerweile ein alter Mann. Was nicht heißt, dass man(n) keinen Spaß mehr miteinander haben kann. Aber....

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 23:47 Uhr

    Das ganze Interview:

    https://www.google.de/url?sa=t&source=web&rct=j&url=http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Regensburger-Geistlicher-Papst-Franziskus-blamiert-doch-unseren-Papst-Benedikt-dauernd-%3Bart1172,346292&ved=0ahUKEwjbhpGP8qzKAhXG_nIKHSvkBocQFggbMAA&usg=AFQjCNGHr9Bt6i-6NsZRCb4kg_VtC1KlgQ

    Alles klar?

Ein besorgter Leser, Donnerstag, 14.Januar, 10:55 Uhr

41. Wichtig ist eine Aufklärung in Liebe

Bei der Beurteilung der Handelnden und nicht Handelnden Personen ist immer der Kontext zu beachten. Eine sofortige Aufklärung käme einer Explosion gleich. Unendliche Schuldgefühle bei allen. Denken Sie an die Eltern der Missbrauchten. Und waren die Missbraucher nicht auch Opfer einer Erziehung die sie erlebt haben. Dazu die Art der Struktur der damaligen Kirche. absoluter Gehorsam. So wichtig die Aufklärung ist, so Schmerzhaft ist sie für alle. Man sollte die Probleme aller beleuchten, wenn man gerecht sein will.

  • Antwort von Angelika Oetken , Donnerstag, 14.Januar, 19:08 Uhr


    Sie haben Recht. Darum gehört Aufklärung und Aufarbeitung auch in die Hände eines multiprofessionellen, unabhängigen Teams. Unter Einbezug von Betroffenen. Mit großer Sicherheit waren die Täter in ihrer Kindheit auch einmal selbst Opfer. Gerade die sadistischen Persönlichkeitsstörungen entwickeln sich in frühester Kindheit. Darum ist es nicht einfach, sie zu behandeln.
    Die Systematik und Unmenschlichkeit, mit der in den Domspatzeneinrichtungen Kinder misshandelt und missbraucht wurden zeigt, wie weit nach außen hin propagierte ethische Norman und moralische Ansprüche von der gelebten Realität abweichen können. So war es übrigens auch bei der Odenwaldschule. Bücher über die ideale Erziehung schreiben, aber Jungen unter der Dusche missbrauchen.
    Im Übrigen stoßen wir bei ernst gemeinter Aufarbeitung der Hintergründe irgendwann auf ihre Söhne missbrauchende Mütter. Deshalb bleiben die meisten lieber an der Oberfläche.

muss wohl Ratzingers Erklärung von 2010 reichen, Donnerstag, 14.Januar, 10:29 Uhr

40. Diesen alten Mann fragt man besser nicht mehr.

siehe SZ 14.20.16

"Auf vieles hat er vor sechs Jahren geantwortet, als die Domspatzen von ihrer Vergangenheit eingeholt wurden. Nein, der brutale Erziehungsstil in der auswärtigen Vorschule sei ihm nicht bewusst gewesen. Nein, von sexuellem Missbrauch im Domspatzen-Internat habe er nichts mitbekommen. Ja, er habe selbst Buben geohrfeigt, ehe in Bayern Ende der Siebziger diese Züchtigung verboten wurde. Für all das bat er um Entschuldigung, für das, was er tat, und für das, was ihm entgangen sei."
...
"Am Freitag wird Georg Ratzinger 92 Jahre alt. Er ist fast blind, braucht eine Gehhilfe. Angeblich will er jetzt wirklich keine Interviews mehr geben. Den Opfern muss vermutlich seine Erklärung von 2010 reichen."

  • Antwort von Angelika Oetken, Donnerstag, 14.Januar, 19:18 Uhr


    Egal wie gebrechlich oder senil jemand ist: das Altgedächtnis bleibt ziemlich lange intakt. Was die Gebrüder Ratzinger zur jüngsten Vergangenheit zu sagen haben, ist recht irrelevant. Sie könnten aber sicherlich eine Menge zur Aufklärung der systematischen Missbrauchskriminalität beitragen, die in den Domspatzeneinrichtungen betrieben wurde, als die beiden Männer noch aktiv Dienst taten.

Ehemaliger Domspatz, Mittwoch, 13.Januar, 21:12 Uhr

39. Es gab in Etterzhausen sehr wohl das System der Angst

Also , was jetzt irgendwelche Zeitgenossen hier schreiben ist schon der Wahnsinn!
In Etterzhausen gab es das System der Angst.
Viele ehemalige Domspatzen waren nie in Etterhausen, also können Sie auch zu einigen vielen Themen nichts dazu sagen und auch nicht mitreden!
Se comprende Que

  • Antwort von Und dann setzte es was. Aber nicht zu knapp. , Donnerstag, 14.Januar, 10:01 Uhr

    Es gibt ja Autoren die von einer geprügelte Generation in Deutschland sprechen.

wellenfront, Mittwoch, 13.Januar, 20:27 Uhr

38. Es gab kein System der Angst

Das Geschrei wir gerade ohrenbetäubend. Eine nüchterne Betrachtung der Sache scheint im Moment aussichtslos. Ich als Ehemaliger sage nach wie vor: Es gab in meiner Zeit bei den Domspatzen kein "System der Angst". Ich hatte Freude, Frust, Stress, Spaß, alles durchmischt wie ein Schülerleben wahrscheinlich ist. Herr Weber nimmt die an ihne angetragenen Sachverhalte gewissenhaft auf. Er vollzieht jedoch Schlußfolgerungen, die nicht zutreffen. Um das Gesmatbild wiederzugeben, müßten ALLE Ehemaligen zu Wort kommen, was offensichtlich nicht pasiert.
Ich könnte mir es leicht machen und die Diskussion laufen lassen und denken: "Was geht mich das an?". Aber ich kann nicht dabei zusehen, wie ein Bild von unserer ehemaligen Schule gezeichnet wird, das einfach nicht stimmt.
Georg Ratzinger? Ganz ehrlich, er spielte nicht die Hauptrolle in meinem täglichen Leben. Mehr zu sagen, wäre jetzt bei dieser explosiven Stimmung in jedem Fall zu viel.

  • Antwort von Rumplhanni, Freitag, 15.Januar, 00:54 Uhr

    @wellenfront
    Die Einzelschicksale wird niemand anzweifeln. Sie gehören entsprechend geprüft.

    Die meisten Bürger, in diesem Fall Bayern, haben ein nüchternes Gerechtigkeitsempfinden, was den Klerus und dessen Finanzen betrifft. Ich bin mir sicher, einige haben sich deshalb auch bereits zurück gezogen. Das weiß nur der BR.

    Gewisse Kritiker beleidigen nicht nur den benannten Klerus, sondern ganze Völker. Sie haben nach meinem Verständnis auf eine gewisse Art und Weise sogar den Bezug zum Menschlichen verloren, obwohl sie vermeintlich dafür sprechen. Die in einem Kommentar belächelte Schlüsselgewalt würde ich solchen Personen nicht anvertrauen.

    Wie sagte Merkel? „Folgen Sie nicht denen, die voller Hass sind.“
    Obwohl sie Recht hat, hat auch sie dabei nur eine Seite betrachtet und ist ins Fettnäpfchen getreten.

    Ihre Worte: „Das Geschrei wird gerade ohrenbetäubend.“ Ich melde mich auch nicht mehr. Es wird mir zu seicht.

    In diesem Zusammenhang meinen Respekt an Herrn Hesemann

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 00:56 Uhr

    Geh', vozöl doch ned so an Schmarrn!

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 01:25 Uhr

    Meiliaba du, lügen deaf ma ned, da wead da liebe Gott sonst ganz ganz böse.

  • Antwort von Angelika Oetken , Freitag, 15.Januar, 18:10 Uhr

    @aucheinehemaliger,

    kann es sein, dass Sie das Grundprinzip nicht ausreichend beherzigt haben: "Man(n) muss dran glauben"?

    Im Ernst: wer als Funktionär in eine unsaubere Sache verwickelt ist, muss zwar alles sehen, sollte alles wissen, schon aus Selbstschutz. Muss das aber nach außen hin ganz anders darstellen. Sonst gibt`s ja Haue von den Chefs. Und das sind vermutlich seit Anno Tobak immer dieselben Leute.

    Viele Grüße aus Berlin-Köpenick!
    Angelika Oetken

  • Antwort von aucheinehemaliger, Freitag, 15.Januar, 22:09 Uhr

    @ Angelika Oetken

    Man hat vergeblich versucht, mir dieses Grundprinzip einzuprügeln!

  • Antwort von Angelika Oetken, Samstag, 16.Januar, 10:39 Uhr

    @aucheinehemaliger,

    betrachten Sie das Nicht-Gelingen als Zeichen von Resilienz. Wer weiß, was ansonsten aus Ihnen geworden wäre. Die Angehörigen der entsprechenden Seilschaften gäben eine ideale Besetzung für eine Neuauflage von "Spittiing Image" ab. Wenn man Gruppenphotos von denen anguckt, ganz gleich, ob die in der Oberpfalz entstanden sind, in Bonn Bad Godesberg oder anderswo: nahezu austauschbar die Leute! Vielen von denen stehen die Symptome ihrer Störungen buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Wie kann man() und frau sein Leben für so einen grotesken, menschenfeindlichen und brutalen Schwindel wegwerfen.