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Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen "Die Arbeit geht weiter"

In Regensburg traf sich gestern erstmals das Kuratorium zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen. Das wichtigste Ergebnis: Es wird weitere Gespräche geben.

Stand: 02.02.2016

Die Gespräche verliefen am Montag (01.02.16) konstruktiv und zielführend, erklärte Sonderermittler Ulrich Weber: "Das war die konstituierende Sitzung. Die Arbeit geht weiter." Damit sind vorerst Befürchtungen vom Tisch, das Kuratorium könnte platzen, weil die Vorstellungen von Opfern und Kirche zu weit auseinandergehen. Ein zweites Treffen ist vereinbart.

Kuratorium zur Aufarbeitung

Erstmals sitzen Männer, die als Kinder bei den Regensburger Domspatzen Opfer sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt waren, mit Vertretern von Bistum und Domspatzen an einem Tisch. Für die Kirche ist Bischof Rudolf Voderholzer in dem Gremium dabei, für die Domspatzen Domkapellmeister Roland Büchner. Auf Opferseite sitzen in der Öffentlichkeit bekannte Kritiker von Bistum und Domspatzen wie Michael Sieber und Udo Kaiser in dem Gremium.

Opfer sollen Gehör finden

Auch Oberstudiendirektor Bertold Wahl ist für die Domspatzen in dem Gremium.

"Für uns geht es vor allem darum, den Opfern zuzuhören."

Bertold Wahl, Oberstudiendirektor

Immer mehr Fälle werden bekannt

Im Januar 2016 legte Ermittler Ulrich Weber seinen vorläufigen Zwischenbericht zu den Missbrauchsfällen vor: Darin sprach er von 231 Fällen körperlicher Gewalt und 62 Fällen sexuellen Missbrauchs von 1953 bis 1992. Laut Weber seien die meisten Misshandlungen in der früheren Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen und dann in Pielenhofen bei Regensburg begangen worden. Als Reaktion auf den Bericht meldeten sich immer mehr Opfer körperlicher Gewalt.

Sonderermittler Ulrich Weber

Seit Monaten untersucht Ulrich Weber Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe beim weltberühmten Knabenchor. Im April 2015 hatte das Bistum den langjährigen Anwalt der Opferschutzorganisation Weißer Ring als unabhängigen Sonderermittler eingesetzt. Er sprach mit Betroffenen und dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums. Weber sichtete Geheimarchive, Personalakten des Bistums und persönliche Notizen des Generalvikars. Zur Aufarbeitung der Fälle berief er das Kuratorium ein.


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Angelika Oetken, Mittwoch, 03.Februar, 11:03 Uhr

4. Sprechen bricht die Macht der Täter


Wer da in dem Kuratorium welche Rolle spielt ist unklar. Aber möglicherweise auch gar nicht so wichtig. Denn die wirksamste Art der Aufklärung kommt gerade erst in Gang: die Menschen in der Region beginnen offen über die Missbrauchskriminalität an den Domspatzeneinrichtungen zu sprechen. Und das schließt deren ganzen Zusammenhänge mit ein. Wo früher nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde. Es ist wie in vergleichbaren Fällen (Odenwaldschule, Aloisiuskolleg) auch: fast alle wussten Bescheid, aber weil die Institution so mächtig war, unternahmen nur Einzelne etwas. Das ist heute anders. Die Zeiten wo die Kleriker machen konnten was sie wollten sind vorbei.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

Rudi B., Dienstag, 02.Februar, 01:16 Uhr

3. Die Erbschaften der Regensburger Domspatzen

Betreff: Die Erbschaften der Regensburger Domspatzen

Hätte man schon damals das ganze Geld dieser vielen Erbschaften sinnvoll und auch richtig eingesetzt (( Ich erinnere bitte an die Millionenerbschaft aus der Hallertau - Das Gut ""Elsendorf"" mit vielen Äckern, Wäldern und dem Jagdrecht aus den 60s )) , dann wäre heute nach vielen Jahrzehnten bestimmt der Schaden wirklich nicht so groß.

  • Antwort von Angelika Oetken , Mittwoch, 03.Februar, 11:05 Uhr


    Die Geschäfte, die das Bistum, respektive das Domspatzennetzwerk innerhalb der vergangenen Jahrzehnte gemacht hat zu untersuchen wäre sehr sinnvoll. Und da beziehe ich informelle mit ein.

RB, Montag, 01.Februar, 13:13 Uhr

2. Auch die Vertuschung der Vertuschung aufklären

Auch muss heute die Vertuschung der Vertuschung auch richtig aufgearbeitet werden. Herr Pater Mertes sprach schon dieses Thema über....Domradio / Online an.
Diese Vertuschungen und dieses scheinheilige Getue muss bitte endlich bei den Regensburger Domspatzen heute bitte endlich einmal aufhören!

Ehemaliger, Montag, 01.Februar, 09:36 Uhr

1. Die Kontrolle der Kontrolle üder die Kontrolle

Wenn man jetzt liest dass Herr Bertold Wahl auch mit in diesem Kuratorium sitzen wird, dann fällt mir wirklich nichts mehr ein, Herr B.Wahl hat doch gewisse Zeiten damais von 1962 bis 1971 dort in dieser Domspatzenschule auch Live miterlebt. Zwar war er nur damals ein Stadtschüler , aber er dürfte heute nicht in diesem Kuratorium sitzen.Die Kontrolle der Kontrolle über die Kontrolle!!! Auch kann nicht sein: Die Gewaltbeauftragte Frau Angelika Glass Hoffmann führte bis heute vele dutzende Gewaltgespräche ( natürlich vertraulich usw. ) aber sie berät gleichzeitig dann auch den Herrn Bischof von Regensburg und oder auch den Herrn Generalvikar Fuchs. Ich finde, dass auch die Persönlichkeitesrechte und eben der Datenschutz zu all diesen Themen eben dann nicht auf der Strecke bleiben dürfen. Schuster bleib bei deinen leisten.

  • Antwort von Angelika Oetken, Mittwoch, 03.Februar, 16:04 Uhr

    @Ehemaliger,

    wegen Frau Glass-Hoffmann: wurden vor den Gesprächen mit ihr schriftliche Vereinbaren über den Datenschutz getroffen bzw. irgendwelche Erklärungen dazu ausgehändigt?