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Hilfe für Flüchtlinge in Seenot Regensburger Rettungsaktion gestartet

Tausende Flüchtlinge sind bislang im Mittelmeer ertrunken. Ein Mann aus Regensburg will das nicht weiter hinnehmen. Mit einem Kutter will er helfen. Die Crew ist von Rostock aus zu ihrer Rettungsmission gestartet.

Stand: 22.02.2016

Regensburger Initiative "Sea Eye" von Michael Buschheuer will Flüchtlinge im Mittelmeer retten | Bild: pa/dpa/Bernd Wüstneck

Mehr als 3.700 Menschen sind im vergangenen Jahr auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Als dann noch die italienische Marine ihre Operation "Mare Nostrum" zur Flüchtlingsrettung einstellte, platzte dem Regensburger Michael Buschheuer der Kragen.

"Viele haben es emotionslos hingenommen, dass Menschen ertrinken und Deutschland nur noch über die Verteilung der Flüchtlingen diskutiert. Das geht nicht."

Michael Buschheuer

Von Rostock aus in See stechen

Er gründete vor fünf Monaten die Initiative "Sea Eye" und kaufte einen Kutter. Am 22. Februar ist der 24 Meter lange Hochseefischkutter von Rostock aus in See gestochen. Ziel: Die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Der 39-Jährige ist ein leidenschaftlicher Segler und war mit seiner Familie schon oft im Urlaub im Mittelmeer unterwegs. "Wir haben in der Sonne gebadet, unsere Füße im Meer gekühlt, und etwas südlich von uns ertrinken Menschen." Dann hat er sich gefragt, ob er diese Situation noch aushält. "Die Antwort lautete: Nein. Und dann kam mir der Gedanke, im Mittelmeer zu kreuzen und mich selbst um die Rettung von Flüchtlingen zu kümmern."

Rettungsinseln für 400 Menschen

700 Schwimmwesten lagern im Bauch des Kutters.

Buschheuer ist kein Romantiker oder Träumer. Er führt in Regensburg eine Firma für Korrosionsschutz mit 30 Mitarbeitern. Mit der Effizienz eines Unternehmers koordiniert er auch sein Hilfsprojekt. Nach dem Kauf des Kutters wurde das Schiff in einer Rostocker Werft see- und rettungstauglich gemacht. Der 74 Kubikmeter große Laderaum wurde mit Rettungsinseln für 400 Menschen und rund 700 Schwimmwesten sowie mit Wasser und Nahrung gefüllt. Die für Fischkutter typischen Winden wurden abgebaut, ein Rettungsboot mit Außenbordmotor sowie eine Satellitenstation an Bord gebracht.

Helfen, bis die Küstenwachen eintrifft

Der zweifache Vater will mit der insgesamt achtköpfigen Besatzung südlich der italienischen Insel Lampedusa kreuzen. "Entdecken wir ein in Not geratenes Flüchtlingsschiff, werden wir ein SOS absetzen und so eine Seenotrettung erzwingen", erläutert Buschheuer den geplanten Einsatz. "Bis zum Eintreffen qualifizierter Retter und der Küstenwache sichern wir das Überleben der Menschen auf den oft hoffnungslos überladenen Schlauchbooten. Nur im Notfall werden wir Flüchtlinge auf unserem Kutter aufnehmen."

Schon andere private Schiffe kreuzen im Mittelmeer

24 Meter lang ist der Hochseefischkutter.

Fünfeinhalb Monate soll der Einsatz zunächst dauern. Die achtköpfige Crew besteht vor allem aus Menschen mit nautischer Erfahrung. Nach etwa zehn Tagen auf See wird die Besatzung ausgetauscht. Bislang haben sich 40 Freiwillige, die ihren Urlaub opfern, für den Bordeinsatz gemeldet. "Niemand geht blauäugig in das Projekt. Aber es ist klar, dass der Einsatz auf Eigenverantwortung basiert", erläutert Buschheuer. Derzeit sind einige private Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Neben "Sea Watch I" und "Sea Watch II" war vor einigen Tagen die "Aquarius" von Bremerhaven aus Richtung Mittelmeer gestartet.

Das 77 Meter lange Schiff kann sogar 200 Flüchtlinge an Bord nehmen, im Notfall auch bis zu 500. Der Einsatz der "Sea Eye" kostet ungefähr 250.000 Euro. Die Initiative ist auf Spenden angewiesen. Einfach sei es nicht, an Gelder zu kommen, bedauert Buschheuer. Der Zeitgeist spreche nicht für das Unternehmen. "Es scheint leider ein Unterschied zu sein, ob man Menschen vor dem Ertrinken rettet oder eben Flüchtlinge."


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