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Brutaler Überfall in Pressath 26-Jährige schildert ihr Martyrium

Im Prozess gegen einen 29-jährigen US-Amerikaner, der wegen versuchten Mordes und versuchter Vergewaltigung angeklagt ist, hat das Opfer vor dem Landgericht Weiden ausgesagt. Auch der Angeklagte meldete sich erstmals selbst zu Wort.

Stand: 12.01.2016

Angeklagter mit Ehefrau | Bild: BR/Martin Gruber

Die heute 26-Jährige musste wegen der psychischen Anspannung und geplagt von Weinkrämpfen ihre Schilderungen immer wieder unterbrechen. Dennoch konnte sie vor dem Landgericht Weiden aber relativ gefasst, mit klarer Stimme und in vielen Details berichten, wie der Überfall in ihrer Wohnung in Pressath (Lkr. Neustadt an der Waldnaab) im Mai vergangenen Jahres abgelaufen ist.

26-Jährige bettelte um ihr Leben

Demnach habe sie der Eindringling ohne Vorwarnung zusammengeschlagen und mit einem Messer auf sie eingestochen. Auch habe er sie, als sie blutüberströmt am Boden gelegen habe, ausgezogen und versucht sie zu vergewaltigen. Als das misslang, habe der Mann versucht, ihr die Kehle durchzuschneiden. Sie habe mit Worten wie "Bitte" und "Please" um ihr Leben gebettelt.

"Als ich das Messer an der Kehle gespürt habe, dachte ich, es sei alles vorbei. Es haben alle Alarmglocken geschrillt."

Opfer der Attacke

Opfer identifiziert Angreifer

Trotzdem habe sie sich mit letzter Kraft so wehren können, dass ihr Peiniger von ihr abließ. Sie habe den Überfall von der ersten bis zur letzten Minute bei vollem Bewusstsein erlebt. Auf die Frage des Nebenklägeranwalts, ob sie sicher sei, dass der Mann, der auf der Anklagebank sitzt, der Täter ist, sagte die 26-jährige: "Ohne Zweifel - der Mann war es. Ich konnte in sein Gesicht blicken. Und er hat mich angesehen."

Angeklagter bittet um Verzeihung

Nach der Aussage des Opfers meldete sich der 29-jährige Amerikaner, der wegen versuchten Mordes und versuchter Vergewaltigung angeklagt ist, zum ersten Mal selbst zu Wort. Er entschuldigte sich in englischer Sprache bei der Frau und erklärte, die Tat hätte nie passieren dürfen. Er bedauere alles, bete jeden Tag für sie und hoffe, dass sie ihm irgendwann verzeihen könne. Der Vorsitzende Richter Walter Leupold sagte daraufhin, dass es sich bei der Erklärung nicht um echtes Bedauern handeln könne. Leupold nahm damit Bezug auf eine Erklärung des Angeklagten, die er am zweiten Prozesstag über seinen Verteidiger hatte verlesen lassen. Darin hieß es, er habe nicht vorgehabt, sein Opfer zu töten und die Frau zu vergewaltigen. Vielmehr sei er alkoholisiert gewesen und habe in einer Art "Panikattacke" auf sie eingestochen.

26-Jährige hat immer noch keinen Termin für Psychotherapie

Das Opfer beschrieb dem Gericht auch ihren aktuellen Zustand. Körperlich seien ihre Wunden weitgehend geheilt. Allerdings habe sie enorme seelische Probleme. Nachts bekäme sie oft Panikattacke, könne nicht alleine sein und träume immer wieder von den Erlebnissen in ihrer Wohnung. Eine Psychotherapie habe sie bisher nicht machen könne. Sie habe noch keinen Platz und keinen Termin dafür bekommen, sagte die 26-Jährige. Das sei ein unglaublicher Zustand, kommentierte der Vorsitzende Richter. Der Prozess wird am Mittwoch (13.01.16) fortgesetzt. Das Urteil ist für den 27. Januar geplant.


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