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Power to Gas aus Schwandorf Neue Erfindung: Energie in Form von Erdgas speichern

Schwandorfer Forschen können jetzt Strom in Form von Erdgas speichern - mit Hilfe spezieller Mikroorganismen. Das schürt Hoffnung für den Bio-Tech-Standort Schwandorf. Dort hat die Firma "Schmack Biogas" Anfang des Monats angekündigt, ein Drittel der Stellen zu kürzen.

Von: Andreas Wenleder

Stand: 29.05.2017

Power to Gas aus Schwandorf | Bild: BR/Andreas Wenleder

James und Logan drehen durch - Sie sind die wichtigsten Mitarbeiter bei MicrobEnergy in Schwandorf. Doch das sind keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern Bioreaktoren in denen Forscher wie Eva Sonnleitner uralte Mikroorganismen nutzen, um Erdgas herzustellen.  

Anlage "James"

"In den Anlagen leben Mikroorganismen. Man findet die auch in der Tiefsee, wo aus der Erde Gase hochsteigen. Die Gase werden von den Mikroorganismen umgesetzt."

Eva Sonnleitner, Forscherin

"Erdgas ist eine super Sache"

Durch die Arbeit der Mikroorganismen lässt sich überschüssiger Solar- und Windstrom speichern. Häufig müssen Windräder nämlich abgeschaltet werden, wenn zu viel Strom im Netz ist. Geht es nach den Schwandorfer Forschern, sollte der Strom stattdessen genutzt werden, um aus Wasser Wasserstoff herzustellen. Diesen können die Mikroorganismen dann zusammen mit Kohlenstoffdioxid zu Erdgas umwandeln. Dabei geht zwar Energie verloren, aber immer noch besser, als wenn die Windräder ganz abgeschaltet werden, so die Rechnung der Forscher. Erdgas hat enorme Vorteile sagt Sonnleitner.

"Erdgas ist eine super Sache, weil wir in Deutschland ein gut ausgebautes Erdgas-Netz installiert haben. Dieses Netz können wir nutzen, überschüssigen Strom zu speichern und im Land zu verteilen."

Eva Sonnleitner, Forscherin

Stromtrassen bald überflüssig?

Mit dem Erdgas der Mikroorganismen kann dann klimaneutral gekocht und geheizt werden. Auch Erdgas-Autos können so umweltschonend betankt werden. Durch den Transport der Energie über das Erdgas-Netz könnten am Ende sogar Stromtrassen überflüssig werden. Trassengegner fordern schon heute, die Verfahren stärker zu fördern. Auch Auszeichnungen haben die Forscher schon bekommen. Viel Ehre für die Mikroorganismen aus Schwandorf, die zu den ältesten Organismen der Welt gehören, sagt Mikrobiologin Monika Reuter.

"Das sind die Ur-Tierchen - wahrscheinlich die ersten Lebewesen auf der Erde. Sie brauchen zum Leben nur Wasserstoff und Co2."

Monika Reuter, Mikrobiologin

Biogas-Markt eingebrochen

Mit der Methode kann der Biotech-Standort Schwandorf wieder Hoffnung schöpfen. Anfang des Monats hat "Schmack Biogas" - der ehemalige Mutterkonzern der Forscher - Stellenstreichungen bekanntgegeben. 50 Mitarbeiter - ein Drittel der Arbeitsplätze - wird wegfallen, weil der Biogasmarkt in Deutschland eingebrochen ist. Der Branchenverband rechnet für dieses Jahr nur noch mit zehn neuen Biomethananlagen, 2011 waren es noch hunderte. Die Forscher von MicrobEnergy sind von den Stellenstreichungen nicht betroffen und setzen auf den Erfolg der ersten Pilot-Anlage, sagt Monika Reuter.  

"Die erste Anlage 'biologische Methanisierung' steht in Hessen. Sie speist schon ins deutsche Erdgasnetz ein. Demnächst hoffen wir, weitere Projekte zu entwickeln."

Monika Reuter, Mikrobiologin

Im Moment sind die Versuchsanlagen noch nicht rentabel. Reuther hofft auf eine politische Förderung für die Energiespeicherung in Form von Erdgas. Dann wären erste Geschäftsmodelle mit der Technik schon bald möglich.


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steve, Montag, 29.Mai, 11:41 Uhr

2. Windgas

Bei Greenpeace Energy nennt sich das Windgas.

Katharina S., Donnerstag, 18.Mai, 08:59 Uhr

1. Power to gas

Ein knallhartes Argument für die dezentrale Energiewende und gegen HGÜ Trassen wir den Süd Ost Link. Auch werden hier die notorischen Leugner der Speichertechnologie widerlegt. Sie behaupten immer, es gebe keine Strom-Speicher, denn sie sind irgendwie stehen geblieben und erkennen die Fortschritte nicht. Für sie gelten nur Pumpspeicherkraftwerke als Speicher.