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Elektroschockpistolen Taser-Test bei ostbayerischer Polizei

Die Bayerische Polizei dürfte bald Elektroschockpistolen testen, unter anderem in Regensburg und Straubing. Nach BR-Informationen wurden Polizeikreise intern bereits darüber informiert. Jetzt sagt das Ministerium: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 06.10.2017

Ein Polizist demonstriert einen Taser | Bild: pa/dpa

Laut dem Bayerischen Innenministerium steht eine Entscheidung, ob, wann und wie die Polizei Taser testet, noch aus. Wie ein Sprecher dem Bayerischen Rundfunk sagte, müssen noch Details geklärt werden. Nach BR-Informationen war aber bereits im Vorfeld polizeiintern bekanntgegeben worden, dass die Einführung der Elektrowaffen geplant ist. Demnach sollen alle bayerischen Unterstützungskommandos sowie die Einsatzzüge in Aschaffenburg, Kempten, Regensburg und Straubing testweise mit den Waffen ausgerüstet werden. Bisher haben sie nur Spezialeinsatzkommandos der Bayerischen Polizei eingesetzt.

50.000 Volt sollen Muskulatur lähmen

Die Waffen verschießen zwei kleine Nadeln über eine Maximaldistanz von rund zehn Metern. Die Nadeln hängen an dünnen Drähten, über die Strom fließt. 50.000 Volt sollen die Muskulatur von Getroffenen kurzzeitig lähmen und sie so über eine sichere Entfernung außer Gefecht setzen. Damit schließen Taser aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) eine Lücke in der Bewaffnung von Bayerischen Polizeibeamten. Bislang sind diese mit Pistolen, Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüstet.

"Setzt man einen Schlagstock ein, muss man ein Gegenüber sehr nah an sich heranlassen. Dann besteht Verletzungsgefahr für beide Seiten. Pfefferspray hingegen wirkt in gewissen Situationen überhaupt nicht. Zum Beispiel, wenn jemand in einem psychischen Ausnahmezustand ist oder wenn jemand stark alkoholisiert ist. Dann haben wir noch die potenziell tödliche Schusswaffe. Die Lücke zwischen den drei Waffen schließt aus unserer Sicht der Taser. Anders als die Pistole wirkt er nicht tödlich."

Michael Hinrichsen, Stellvertretender Landesvorsitzender DPolG

Taser soll einschüchtern

Michael Hinrichsen, Stellvertretender Landesvorsitzender DPolG

Denkbare Einsatzszenarien sind laut Hinrichsen alle Situationen, in denen Polizisten angegriffen werden. Auch bei Einsätzen wegen häuslicher Gewalt, in denen ein Partner den anderen etwa mit einem Messer bedroht, wäre ein Taser-Einsatz aus seiner Sicht möglich. Experten verweisen aufgrund der Erfahrungen von Einsätzen in anderen Bundesländern auch darauf, dass oft schon eine Drohung mit der Waffe genüge, um gewaltbereite Menschen einzuschüchtern.

Untersuchungen bislang widersprüchlich

Welche Gefahr von den 50.000 Volt starken Stromstößen ausgeht, ist bislang nicht eindeutig dokumentiert. Studien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Aus einer Untersuchung des Münchner Instituts für Rechtsmedizin geht beispielsweise hervor, dass ein Stromstoß der Waffe folgenlos bleibe. Allerdings findet sich dort auch der Verweis auf andere Forschungen. Diese zeigten "ein auffallend häufiges Zusammentreffen von Taser-Beschuss, Drogen, extremen Erregungszuständen, kardialen Vorerkrankungen und letalem Ausgang."

Keine Auswirkungen auf Risikogruppen

Zwei von österreichischen Behörden in Auftrag gegebene Studien der Technischen Universität Graz kommen zu dem Ergebnis, dass Taser-Beschuss keine Auswirkungen auf Menschen einer Risikogruppe habe. Das Hessische Innenministerium, das die Waffen ebenfalls testen lässt, hält lebensbedrohliche Verletzungen in Einzelfällen für möglich. Als Risikogruppe gelten für das Innenministerium Personen mit (kardialen) Vorerkrankungen, Schwangere, Kinder, Ältere und Personen mit Intoxikationen. Belastbare Erkenntnisse lägen aber nicht vor.

Hemmschwelle könnte gesenkt werden

Mathias John, Amnesty International

Zu den Kritikern von Taser-Einsätzen zählt etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Sie warnt, dass Taser wegen ihrer vermeintlichen Ungefährlichkeit die Hemmschwelle von Beamten senken, überhaupt eine Waffe zu ziehen. "Es besteht das Risiko, dass Taser unverhältnismäßig eingesetzt werden", sagt Amnesty-Waffenexperte Mathias John. Ob ein Mensch zu einer Risikogruppe gehöre, wie sie auch das hessische Innenministerium auflistet, könnten Beamte zudem nicht immer erkennen.

"In den USA haben wir versucht Todesfälle zu erfassen. Zwischen 2001 und 2016 sind mindestens 700 Menschen an den Folgen der Einsätze gestorben. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Geräte massiven Schmerz verursachen."

Mathias John, Amnesty International

John fordert, dass Taser Spezialeinheiten der Polizei vorbehalten bleiben. Eingesetzt werden dürften sie nur als letztes Mittel in lebensbedrohlichen Situationen, um den scharfen Schuss zu vermeiden.


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Robert, Samstag, 07.Oktober, 10:54 Uhr

21. Keine Lücke da zum schließen!

Auf bis zu 10 Meter kann man auch jemand gezielt ins Bein schießen. Das ist normalerweise auch nicht tödlich und braucht kein extra Gerät.

  • Antwort von highwayfloh, Sonntag, 08.Oktober, 18:21 Uhr

    Ich bin weder Sportschütze noch in einem Schützenverein, auch wenn ich mal unter Aufsicht die Gelegenheit hatte, entsprechende Waffen "außer Konkurrenz" mal abzudrücken (unter Aufsicht von Profis) und mir "mein" Treffer-Bild zeigen zu lassen: Dabei ging ess nur...darum, mag mal sehen ob ich überhaupt was Treffe ... und entsprechende Waffen wirklich zu spüren noch dazu ohne Streß, Hat mir echt einen Schauer über den Rücken gejagt und es waren Pistole, echtes Militär-MG, Maschinenpistole, normale Militärpistole und im Gegensatz dazu ein "Luftgewehr". Mag nicht wissen, wie sich dies dann in einer konkreten Situation für die Einsatzkräfte auswirkt, noch dazu, wo die dann von "jetzt auf gleich" in so eine Situation kommen. Von daher bin ich froh, dass unsere Einsatzkräfte die Schußwaffe WIRKLICH nur im äusserstem Notfall einsetzen und sich bewusst sind, welche Konsequenzen der Gebrauch der Dienstwaffe hat, sowohl für den, der den Schuß abgiebt, als auch für den, der getroffen wird.

highwayfloh, Freitag, 06.Oktober, 19:25 Uhr

20. Zwiespältige Gefühle

Ich habe bezüglich dieses Themas zwiespältige Gefühle. Einerseits verstehe ich die Polizei, welche ein "Zwischending" zwischen Personennahkampf, Pfefferspray, Schlagstock einerseits und der Dienstwaffe (Pistole / Gewehr) andererseits haben will. Dennoch ist und bleibt auch der Taser eine Waffe, für die man entsprechend geschult sein muss, damit man die Wirkung dieser versteht, wobei NIEMAND sagen kann, die ist doch harmlos! Letztendlich ist die Anwendung IMMER eine 50% / 50& - Chance ob der Beschossene überlebt oder nicht, da jeder Mensch, je nach persönlichen Voraussetzungen anderes und individuell auf einen solchen Stromschock reagiert. Ich befürchte aber, dass wir in den nächsten Jahren verstärkt "Erfolgsmeldungen" hierzu bekommen werden, wie "erfolgreich" die Taser doch sind. Hier heisst es dann genau hinzuschauen, wie sich bei einem Gebrauch dieser Waffe auch die entsprechende Todesrate entwickelt. Die Polizei kann vorher wissen, ob der Gegenüber nicht zu den Todgeweihten gehört.

  • Antwort von highwayfloh, Samstag, 07.Oktober, 11:04 Uhr

    Eigenkorrektur:

    Der letzte Satz muss richtiger Weise so lauten: "Die Polizei kann NICHT vorher wissen.... "

  • Antwort von Blechmann13, Montag, 09.Oktober, 08:15 Uhr

    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, und sagen, dass Tasser potenziell(!) tödlicher sind als eine Schusswaffe, da mit einem Taser der Punkt wo ich einen Menschen treffe, relativ egal ist.

    Also kann ein Bein-, oder Schultertreffer durchaus tödlich sein, wohingegen ein Pistolentreffer, bei sofortiger Hilfeleistung meist kein Problem darstellt.

    mfg

  • Antwort von Hugo Trotz, Montag, 09.Oktober, 15:15 Uhr

    Herrjeh, woanders sind Taser so häufig, dass die als Verwendungszweck für die Polizei gar nicht diskutiert wurden... Und in Deutschland kommt natürlich großes Wehklagen auf, ob es denn nicht doch zu schlimme Waffen sind? Für alle diese Erbsenzähler möchte ich mal anmerken, dass man, wenn man angegriffen wird, sich einfach nicht wirkungsvoll genug mit Ausdiskutieren oder Liedchen singen verteidigen kann...

  • Antwort von highwayfloh, Dienstag, 10.Oktober, 19:33 Uhr

    @Hugo Trotz: Ich habe doch geschrieben, dass ich _beide_ Seiten verstehen kann UND dass ich bezüglich diverser Punkte beim Thema "Taser" eben meine persönlichen Bedenken habe und habe es entsprechend ausgeführt. Das hat doch nichts mit Erbsen-Zählerei zu tun. Ein Beispiel aus dem zivilen Leben: Man hat sich mal ein neues Auto gegönnt. Man möchte es fahren und es zeigen, dass man ein neues Auto hat, ist absolut menschlich. Also fährt man eine Zeit lang aus welchen Gründen auch immer, mit dem neuen Auto rum, damit es jeder mitbekommt.

    Beim Taser wirds nicht anders sein, wenn die Beamten NICHT entsprechend geschult werden, dass das Teil - trotz der vermeindlichen Harmlosigkeit - per se eine potentielle tödliche WAFFE ist! Eben WEGEN der damit verbundenen Risiken, welche aber offiziell nicht zugegeben werden. Gegen den Einsatz von Tasern ist ja nichts einzuwenden, sofern sie entsprechend "fachgerecht" eingesetzt werden und nicht nach dem Motto: "Ich tasere dich halt mal kurz".

Bayern-Schandi, Freitag, 06.Oktober, 19:21 Uhr

19. Unisono

Bei uns Gendarmen von der Straße ist die Meinung relativ unisono: HER DAMIT! ENDLICH!! Die geäußerten Bedenken kann ich nicht teilen: Wenn man eine Person mit schwerer Vorerkrankung einem Schmerz-Stress aussetzt, dann kann sie daran sterben. Das ist nur eine logische Folge. Ob der Schmerz nun von einer Judo-Hebeltechnik oder von einem Taser ausgeht, ist unerheblich. Wichtig ist hier in allen Fällen das richtige Prüfen der Verhältnismäßigkeit der Mittel und die Wahl der angemessenen Einsatzmittel. Der Taser ist nur ein weiteres Einsatzmittel, das weit unter der Gefährlichkeit des Schußwaffen-Einsatzes liegt! Wo ist hier die "Aufrüstung"?? Warten aufs SEK mit dem Taser? Bis dahin sind die meisten Einsätze doch lange vorbei! Unverhältnismäßiger (ergänze "zu häufiger" bzw. "leichtfertiger") Einsatz des Tasers? Unsere Einsatzgürtel sind sowieso schon voll bepackt... Wenn der Taser gebraucht wird muss man ihn so wie so aus dem Dienstwagen mitbringen oder zumeist erst holen.

  • Antwort von Snoopy, Samstag, 07.Oktober, 16:04 Uhr

    Welche Einsatzschwellen sehen sie beim Einsatz des Tasers?
    Ist es nicht für die Einsatzkräfte riskanter, da im Falle eines Mißbrauches gleich eine gef. KV im Amt vorwerfbar wäre?
    Könnten nicht auch weitere Risiken für den Beamten entstehen, der sich vielleicht für das falsche Mittel entschieden hat und das die Bandbreite von Vorwürfen erweitert?
    Tenor, "sie hätten doch mit diesem und jenem Mittel den Zweck verhältnismäßiger erreicht" und ähnliche Formulierungen.

    Sicher erweitert die Einführung des Tasers die Möglichkeiten auf Gewalttätigkeiten zu reagieren. Ich sehe aber auch schon die Front dagegen. Siehe G-20 Vorwürfe gegen Polizisten.

  • Antwort von Jurek W., Montag, 09.Oktober, 15:24 Uhr

    Dieses Gejammere finde ich beinah lachhaft. In anderen Ländern interessiert es die Bevölkerung nicht die Bohne, wenn man die Polizei mit Tasern ausrüstet. Denn da haben viele Menschen selbst Taser, dazu auch ein hoher Anteil der Bevölkerung richtige Schusswaffen, wie Gewehre und Pistolen. Es ist wohl der Erziehungsarbeit links-grüner Pädagogen geschuldet, dass in Deutschland so eine Abwehrhaltung zu Schusswaffen besteht. Es mag vor etlichen Jahren auch noch geholfen und genügt haben, deeskalierend einzuwirken, wenn es Angriffe gab. Doch sollte man angesichts der enormen Anzahl an Überfällen und nächtlichen Raubzüge endlich aus dem ewigen Dornröschenschlaf des Gutmenschen erwachen. Singen und Händchenhalten bei akuter Gefahr war mal, Leute - fragt mal die Ordnungskräfte!

Wolf, Freitag, 06.Oktober, 13:10 Uhr

18. Österreichisches Gutachten.....jessas....

Was heißt hier testen? Probieren die das gegenseitig an sich selbst auf der Wache aus? Sollten sie,damit sie wirklich wissen womit sie da hantieren!

  • Antwort von Rolf, Freitag, 06.Oktober, 13:36 Uhr

    @Wolf

    Ist ihnen langweilig?

  • Antwort von Wolf, Freitag, 06.Oktober, 14:35 Uhr

    @rolf,
    nicht mehr als ihnen,zusätzlich mache ich mir aber Sorgen und Gedanken. Eine Aufrüstung der Polizei bringt mehr Gefahren als Nutzen. Bestes Beispiel ist Amerika. Ich plädiere für mehr Hirn statt mehr Waffen.

  • Antwort von Hallo, Freitag, 06.Oktober, 15:57 Uhr

    @Wolf
    Hirn ist leider viel zu teuer.
    Mir wäre es das wert, aber ich bin nicht der bayerische Finanzminister.

    Ausserdem werden die kritischsten Anwärter raus gefiltert. Man will eine "unkritische" Polizei.
    Viele Polizisten mit Hirn wechseln zur Bundespolizei oder machen sich selbstständig.
    Hat schon seine Gründe warum alles so ist wie es ist...

  • Antwort von Rolf, Freitag, 06.Oktober, 16:40 Uhr

    "Probieren die das gegenseitig an sich selbst auf der Wache aus?" Diese Frage ist wohl als ein Scherz gemeint?

    "Eine Aufrüstung der Polizei bringt mehr Gefahren? Bestes Beispiel ist Amerika."

    Bringen sie da nicht etwas durcheinander. Das Beispiel USA zeigt eher, dass die Flut an Waffen in der Bevölkerung die echten Gefahren bringen. Die Waffennarren gingen gleich zum nächsten Shop, um sich Bump Stocks einzukaufen, bevor sie vielleicht verboten werden. Ca. 30000 Schusswaffentote (auch Suizid+Unfälle dabei) stehen gegen ca. 1200 durch Polizei gerechtfertigte Schusswaffentote dagegen. Mehr Waffen im Volk sind die Gefahr.
    Nur die Polizei übt die hoheitliche Staatsgewalt aus und die machen das nicht zum Spaß.
    Deshalb sind selbstverständlich die mildesten und effektivsten Waffen einzusetzen, da
    immer der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gewahrt sein MUSS.

    Ich hoffe, sie berücksichtigen auch die andere Seite, dort macht man sich genau deshalb Gedanken.

Squareman, Freitag, 06.Oktober, 12:39 Uhr

17. Die Hemmschwelle sinkt,

das war auch mein erster Gedanke. Taser sind nicht harmlos, es gab schon zu viele Tote. Aber der Polizeistaat muss anscheinend weiter aufgerüstet werden.

  • Antwort von Rowdy, Freitag, 06.Oktober, 13:11 Uhr

    Polizeistaat?

    Na? Leben sie in Saudi Arabien oder Iran? Oder doch mehr im Jemen? Oder haben sie keinerlei Vorstellung, was ein Polizeistaat ist?

  • Antwort von Süddeutscher und gleich weg, Freitag, 06.Oktober, 14:39 Uhr

    Die Hemmschwelle sinkt!

    Und bei wem? Bei Ihnen oder bei anderen? Sind die anderen ihre Nachbarn oder vielleicht Neubürger oder Schüler mit geringem Bildungsniveau? Woher kommt das? Welche Gegenmaßnahmen wurden unternommen. Ich glaube eher es wurde die Kriminalität ins Land gelockt.

  • Antwort von Leonia, Samstag, 07.Oktober, 10:36 Uhr

    Süddeutscher wieder bei seinem Lieblingsthema, Geraune über angeblich ins Land gelockte Kriminalität. Setzen Sie bitte Ihren Aluhut gut auf, falls Gegenwind kommt.