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Geldautomat bei Pentling gesprengt Bandenmitglied schweigt vor Gericht

Nach der Sprengung von zwei Geldautomaten in Pentling bei Regensburg und einer spektakulären Flucht steht seit Montag einer der mutmaßlichen Diebe vor Gericht. Zum Prozessauftakt vor dem Regensburger Landgericht schwieg der 44-Jährige.

Von: Tobias Dörges

Stand: 20.03.2017

Angeklagter mit Dolmetscherin und Verteidiger vor dem Landgericht Regensburg | Bild: BR

Der 44-jährige Pole wollte zum Prozessauftakt am Montagmorgen keine Angaben zur Sache machen. Die Anwälte des 44-Jährigen wollen noch ein Gutachten zu DNA-Spuren auswerten, das erst kurz vor der Verhandlung eingegangen ist. Offenbar wurden vom Angeklagten keine Spuren am Tatort in Pentling gefunden, nur im Fluchtauto.

Automaten ausgekundschaftet

Vor der Tat in Pentling soll die Bande schon in Sachsen-Anhalt Geldautomaten einer Bank gesprengt haben, mit der gleichen Masche: Sie sprühten die Überwachungskameras mit schwarzer Farbe zu, leiteten Gas in die Automaten und entzündeten es. Die Geschäftsstelle in dem Pentlinger Einkaufszentrum hatten sie Tage vorher offenbar ausspioniert. Überwachungsvideos zeigen verdächtige Personen, die die Automaten inspizieren. Getarnt hatten sich die Männer unter anderem mit Regenschirmen. Vor Gericht wurde gemutmaßt, dass die Männer Markierungen angebracht hatten, um zu verfolgen, wie oft die Automaten aufgefüllt werden. Denn bevor die Automaten gesprengt wurden, waren sie gerade aufgefüllt worden.

Spektakuläre Flucht

Auf der Flucht wollten Schleierfahnder der Polizei das Trio in der Nähe von Eschlkam (Lkr. Cham) kontrollieren. Der Fahrer missachtete jedoch die Anhaltesignale. Nach einer wilden Verfolgungsjagd kam es später zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge. Die drei Bankautomaten-Knacker sprangen aus dem Auto und flüchteten zu Fuß in ein Waldstück. Nur der heute 44-jährige Pole konnte schließlich festgenommen werden. Zwei weitere Verdächtige entkamen zu Fuß, wahrscheinlich mit der Beute, die bislang verschwunden ist. Auch eine sofort eingeleitete Großfahndung brachte kein Ergebnis. Die Polizei ging damals schnell davon aus, dass sich die zwei Flüchtigen nach Tschechien abgesetzt haben könnten. Bis zum Zeitpunkt der Anklageerhebung gegen den 44-Jährigen im letzten Oktober waren die beiden anderen mutmaßlichen Bandenmitglieder immer noch auf freiem Fuß. Diese beiden Männer werden von der Justiz gesondert verfolgt.

Allein aus den beiden Pentlinger Geldautomaten der Sparkasse soll die Bande um den 44 Jahre alten Angeklagten im Juli des vorigen Jahres 196.000 Euro erbeutet haben. Außerdem richtete das Trio einen Sachschaden in Höhe von einer halben Million Euro an, weil die gesamte Bankfiliale in dem Supermarkt schwer beschädigt wurde.

Viele Anklagepunkte

Der 44-Jährige muss sich wegen einer ganzen Reihe an Straftaten vor dem Regensburger Landgericht verantworten: Ihm werden schwerer Bandendiebstahl, Herbeiführen einer Sprengstoff-Explosion, Sachbeschädigung, vorsätzlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zur Last gelegt. Für den Prozess hat das Landgericht bislang sieben Verhandlungstage angesetzt.

  • BR-Mitarbeiter Tobias Dörges | Bild: BR Tobias Dörges

    Tobias Dörges ist Mitarbeiter im BR-Studio Niederbayern/Oberpfalz in Regensburg


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