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"Breaking Bad" in der Oberpfalz? Pärchen bestellt Chemikalien per Post und löst Großeinsatz aus

Aufregung in Erbendorf: Zwei Wissenschaftler hatten sich größere Mengen Chemikalien in ihre Ferienwohnung bestellt. Beide waren am Freitag nach einem Hinweis festgenommen worden - aus Sorge, sie könnten Sprengstoff basteln. Dies stellte sich als unbegründet heraus. Ärger droht dennoch.

Von: Margit Ringer

Stand: 30.10.2017

Chemische Substanzen in Laborgefäßen | Bild: pa/dpa

Am Freitag hat ein Pärchen in Erbendorf (Lkr. Tirschenreuth) für einen Großeinsatz der Polizei mit technischer Sondergruppe des LKA gesorgt. Zunächst hatte es den Anschein, dass sie sich größere Mengen Sprengstoff besorgt hatten. Die beiden stellten sich aber als Wissenschaftler heraus.

Dennoch wirft der Vorfall weiter Fragen auf. Der Deutsche (28) und die Italienerin (36) haben sich vor mehreren Tagen in einer Ferienwohnung in einem Hotel in Pfaben eingemietet. Dorthin bekamen sie per Post dann fast täglich große Gebinde verschiedener Chemikalien geliefert. Die Polizei konnte zunächst nicht ausschließen, dass es sich dabei um Sprengstoff handelt. Sie nahm das Pärchen nach einem Tipp eines Zeugen aus dem Hotel am späteren Freitagnachmittag in einem französischen Mietwagen auf der Zufahrtsstraße zu dem Hotel fest.

Chemikalien sichergestellt

Eine technische Sondergruppe des LKA aus München untersuchte daraufhin sowohl das Auto und auch die Zimmer des Pärchens und fand dort mehrere Chemikalien wie Aceton, Salzsäure und weitere Substanzen - jedoch keinen Sprengstoff. Es stellte sich heraus, dass die beiden Wissenschaftler sind und einen Uni-Abschluss haben. Sie haben einen längeren Auslandsaufenthalt hinter sich und sind erst vor kurzem nach Deutschland zurückgekehrt und haben deshalb noch keinen festen Wohnsitz, so die Polizei.

Noch Freitagnacht wurden sie aus dem Gewahrsam der Kripo Weiden wieder entlassen. Allerdings wird dennoch gegen sie ermittelt. Denn die Polizei fand nicht nur diverse Chemikalien bei den beiden, sondern auch Drogen, unter anderem Marihuana. Es sei nicht von Kleinkonsumenten auszugehen, aber auch nicht von großen Konsumenten oder Dealern, so ein Polizeisprecher.

Drogenlabor "möglich"

Aceton und Salzsäure könnten auch auf Drogenherstellung, also ein Drogenlabor oder Ähnliches, hinweisen. Der Polizeisprecher nennt diese Vermutung "möglich". Es gebe derzeit aber keinen Hinweis darauf, dass das Pärchen in der Ferienwohnung Drogen herstellen wollte. Gleichwohl bestätigt die Polizei Kontakte des Pärchens nach Tschechien. Das würde auch erklären, warum sie sich im Steinwald, im Grenzgebiet zu Tschechien, in einer Ferienwohnung des Hotels niederließen.

Beide stammen nicht aus Bayern, kamen mit einem Mietfahrzeug mit ausländischem Kennzeichen nach Erbendorf. Hinsichtlich der Chemikalien könne man den beiden nichts vorwerfen, so der Polizeisprecher. Die Ermittlungen laufen wegen Besitzes von Betäubungsmitteln. Das Paar ist wieder auf freiem Fuß, die Spekulationen bleiben.


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Alfred Haas, Dienstag, 31.Oktober, 13:59 Uhr

6. Bin ich froh, daß ich keine 16 mehr bin

Wenn ich mich zurück erinnere, mit welchen Chemikalien wir damals gebastelt und experimentiert haben, wären wir heute wohl auf der Überwachungsliste von Staatsschutz und Verfassungsschutz.
Eine unserer gebastelten Raketen ist mehrere 100 Meter geflogen und der Super-8-Streifen mit einem Vulkanausbruch liegt sicher noch irgendwo herum. Mir tun die jungen Leute heute leid, die nicht mehr die Möglichkeiten meiner Generation haben.
MfG Alfred Haas

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 01.November, 09:56 Uhr

    Na,dafür haben die meisten Jugendlichen heutzutage noch alle Finger und Augen.....manche Regularien machen schon Sinn und haben mit Überwachung eigentlich garnix zu tun.....das Aufstöhnen "ängstlicher Bürger" hier ist mir völlig unverständlich,wenn so ein Bombenbastler dann mal loslegt ist das Geschrei bestimmt noch viel größer,gell! Denn wer bitte braucht als arbeitsloser Chemiker in einer Ferienwohnung große Mengen Chemikalien? Jugend forscht? Wohl eher Cristal Meth oder TNT!

  • Antwort von Alfred Haas, Mittwoch, 01.November, 15:51 Uhr

    Werte/r Herr/Frau Wolf,
    danke für Ihre Antwort. Ich will hier nur auf den ersten Teil antworten.
    Regularien sind sicher sinnvoll, vielleicht auch nötig - aber über den Umfang sollte man durchaus streiten.
    Ich war in keiner festen Gruppe (damals "Clique"), sondern je nach Interesse mit Gleichaltrigen zusammen. Keiner von uns hat Auge oder Finger verloren. Jeder von uns hat ein Studium abgeschlossen, wenn auch keiner in einem MINT-Fach. Wir haben damals gelernt, Risiken abzuschätzen und vor allem ein Grundwissen erworben, das mir auch auch heute noch nützlich ist. Ein weiterer Nebeneffekt war, wir haben uns mit Büchern beschäftigt und sind nicht herumgehängt (Nintendo oder Smartphons gabs damals nicht).
    Ich bleibe dabei - wir hatten es damals besser.
    MfG Alfred Haas

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 02.November, 07:24 Uhr

    Jaja,früher war alles besser,sogar die Zukunft.....(Valentin)

Thembi (Norman Conners), Montag, 30.Oktober, 15:49 Uhr

5. Dickes Lob

an die Hinweisgeber und die Polizei!

Vorbildlich. Ein Paradebeispiel wie notwendig aufmerksame Bürger sind. Die Geschichte riecht zwar nicht nach Terror, aber als Mutmaßung tippe ich mal "Zulieferservice" nach Tschechien?

Super Leute dort.

Otto Normalo, Montag, 30.Oktober, 14:56 Uhr

4. Man kann nie vorsichttig genug sein!

Die Aufmerksamkeit ist aber trotzdem zu loben, die zum Hinweis bei der Polizei führte. Denn heutzutage führen viele Menschen nichts Gute im Schilde. Dass auch Wissenschaftlicher seltsame Neigungen haben können, ist ja auch nicht auszuschließen, oder?

Ängstlicher Bürger, Montag, 30.Oktober, 14:46 Uhr

3. Schutz der Wohnung?

Ferienwohnungen zählen ebenfalls als Wohnung und sind deshalb besonders geschützt.
Nun wird das höchstpersönliche Grundrecht auf dessen Unverletzlichkeit einfach verletzt weil man völlig legale Dinge bestellt?
Salzsäure uns Aceton bekommt man in jedem Baumarkt und sind absolut keine ungewöhnlichen Dinge.
Was kommt als nächstes?
SEK morgens um fünf weil man einen UmzugsLKW angemietet hat und selber fahren will?

Und zum Thema Drogen bzw denjenigen die die Razzia mit dem Drogenfund legalisieren wollen: Würden sie einhundert Wohnungen von jungen Männern unter 30 durchsuchen , würden sie vermutlich in zwanzig Drogen finden.

  • Antwort von Rosl, Montag, 30.Oktober, 15:29 Uhr

    Ängstlicher, der Innenminister sagte ja kürzlich hier, daß die Bürger in ihren Grundrechten "kaum" eingeschränkt würden, wenn die Verbrecher gejagt werden, die er uns mit eingebrockt hat. Wir müssen uns also anscheinend daran gewöhnen, daß es keine, pardon, kaum mehr eine Privatsphäre gibt. Im Dritten Reich war es freier, das sagt immer mein Vater, trotz dem er lange in Sibirien kriegsgefangen war und den Kommunistenknilchen dort das Land aufbauen und elektrifizieren mußte.

  • Antwort von Sicherer Bürger, Montag, 30.Oktober, 15:58 Uhr

    @Ängstlicher

    Unverletzlichkeit der Wohnung? - Sie müssen den Artikel schon zu Ende lesen.
    Lernen sie die StPO und sie verstehen, dass das alles vollkommen korrekt ist.

    Würden sie nicht schimpfen, wenn die Polizei sich den Bauch pinselt und untätig bliebe?
    Welchen Aufschrei gäbe es, wenn dann doch etwas "Amri" ähnliches dahinter stecken würde?
    Zum Glück gibt es da kaum Handlungsspielräume für die Sicherheitsbehörden. Die müssen das verfolgen.

  • Antwort von Hobbychemiker, Montag, 30.Oktober, 16:21 Uhr

    @ Rosl,
    schon lang vor den Flüchtlingen (auf was sonst spielen Sie an "mit den Verbrechern, die er uns mit eingebrockt hat") sind ganz normale Menschen, die ihren stinknormalen Kosmos-Schülerchemiekasten aus den 1980er Jahren mal wieder ergänzen wollten, mit Hausdurchsuchung, SEK, Feuerwehr und ABC-Zug im Garten incl. Pressesprecher der Polizei, der von Bombenbauern und Drogeköchen faselt, hochgenommen worden, weil die Adressdatenbank eines Online-Chemikalienhändlers beschlagnahmt wurde.

  • Antwort von Ängstlicher Bürger, Montag, 30.Oktober, 16:26 Uhr

    Also... Nun mal so von Chemiker zu Laien:
    Aceton und Salzsäure kann man tatsächlich zur Herstellung von Sprengstoff verwenden, dazu braucht man noch Strom, destilliertes Wasser und und und.
    Die einzige wirklich essenzielle Chemikalie dazu ist ein überwachter Grundstoff, der nur (aus genau diesem Grund) gegen Endverbleibserklärung abgegeben wird!

    Anders gefragt:
    Haben sie oder ihre Frau in den letzten Jahren Zementschleierentferner / Gesichtspeeling, Nagellackentferner und Blondierlösung gekauft?
    Dann haben sie alles was sie zum Bombenbau brauchen, finden sie es also angemessen ihnen deswegen die Türe aufzubrechen?

    Was steht am Ende des Artikels?
    Welche Information habe ich übersehen?
    Hatten sie IS/NS Propagandametreial dabei? Wurden beim Verlassen einer überwachten Moschee gefilmt?
    Wohl eher nein, oder?

    Ich empfinde es als erschreckend wie schnell manche Menschen ihre Bürgerrechte für "mehr Sicherheit" aufgeben weil " Sie ja nichts zu befürchten" hätten.

  • Antwort von Rosl, Montag, 30.Oktober, 16:49 Uhr

    Hobbychemiker, nicht ich bezeichne die beiden als Verbrecher, der Staat behandelt sie so.

  • Antwort von Sicherer Bürger, Montag, 30.Oktober, 19:49 Uhr

    Na dann haben wir doch was für die juristischen Laien:

    Art. 13 Abs. 1 GG besteht noch aus den Abs. 2 - 7.

    Dort lesen sie über die zulässigen Einschränkungen. Wie gesagt, den Artikel bis zum Ende lesen fördert das Verständnis.
    In der StPO finden sie im §163 StPO die Aufgaben der Polizei. Desweiteren wären zur Gefahrenabwehr die jeweiligen Landespolizeigesetze zu berücksichtigen.

    Nochmals zur Klarstellung: Wenn der Polizei ein glaubhafter Verdacht zur Anzeige gebracht wird, dann wird und muss sie diesem Verdacht nachgehen. Ich verstehe die Zweifel nicht, in Anbetracht der vergangenen Terrortaten.

  • Antwort von Ängstlicher Bürger , Dienstag, 31.Oktober, 09:12 Uhr

    Scheinbar lesen sie andere Kommentare als die übrigen hier .
    Dass eine Hausdurchsuchung bei einem begründeten Verdacht in Ordnung ist stellt hier niemand in Abrede.
    Lesen sie mal ordentlich.

    Der Knackpunkt ( den sie ignorieren) ist, dass der "triftige Grund " eine Gummiformulierung ist, und jeder Bürger jederzeit in seinen Grundrechten beschnitten werden kann.

    Noch mal für ganz bescheidene Denker: Salzsäure und Aceton sind völlig übliche und nützliche Substanzen ohne staatsgefährdende Eigenschaften, die in fast jedem Haushalt vorkommen.
    Dass rechtfertigt KEINE Hausdurchsuchung.
    Bzw rechtfertigte, denn dank besorgter Bürgern wie ihnen werden solche Grenzüberschreitungen ja von der Öffentlichkeit bejubelt.

  • Antwort von Sicherer Bürger, Freitag, 03.November, 13:01 Uhr

    Es gibt keine "triftigen Gründe". Netter Versuch mein lieber Schlaumeier.

    Es gibt einen Anfangsverdacht, einen hinreichenden Tatverdacht und einen dringenden Tatverdacht. Bei der Gefahrenabwehr gibt es kein "Gummi". Wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, von diesen Personen oder deren Verhalten könnte eine Gefahr ausgehen, dann muss der Staat handeln (vgl. Legalitätsprinzip).

    Sie gehören wohl eher zu der Hinterherbeschwerde-Liga, die dann der Polizei Vorwürfe der Untätigkeit machen.
    Ihre guten alten Zeiten sind vorbei, falls das ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein sollte.

laborant, Montag, 30.Oktober, 13:39 Uhr

2. Chemie und Wahnsinn liegen nah beieinander...

Wenn beide arbeitslos sind, wozu brauchen sie dann Chemikalien?
Wenn beide arbeiten, warum arbeiten sie dann nicht im Labor an ihrem Arbeitsplatz?
Die Polizei hat recht - das schaut wirklich sehr verdächtig aus. Juristisch kann man beiden wegen der Chemikalien aber durchaus einen Strick drehen: Säuren und Lösungsmittel dürfen nur fachgerecht gelagert werden. Ferienwohnungen sind dafür definitiv nicht geeignet.

  • Antwort von floflo, Freitag, 10.November, 08:12 Uhr

    Zum einen, warum sollte ein Wissenschaftler nicht privat an etwas arbeiten, wenn er gerade keinen Job hat? Ist finanziell nicht unbedingt lohnenswert, aber intellektuell höchst verständlich in meinen Augen!

    Und die Lagerungsvorschriften für Chemikalien sind nur für Firmen/Universitäten etc. verpflichtend - was natürlich nicht heißt, dass man sie nicht trotzdem fachgerecht lagern sollte. Aber da könnte man ja jeden Heimwerker verklagen, der zuhause sein Aceton, Farben, Lacke und andere Lösungsmittel im Kellerschrank aufbewahrt.