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Oberpfälzer Optikerin in Japan Der Meisterbrief als Kundenmagnet

Einzel- statt Massenware, Handarbeit statt Fabrikfertigung: Handwerksberufe genießen besonders im Ausland einen guten Ruf. Eine Optikerin aus Teublitz (Lkr. Schwandorf) ist in der japanischen Hauptstadt Tokio erfolgreich.

Von: Sebastian Grosser

Stand: 31.10.2016

Stefanie Nakanishi begrüßt ihre Kunden mit einer Verbeugung, so wie es in Japan üblich ist. Auch wenn sie ein Brillenmodell aus der Glasvitrine holt und der Kundin reicht, tut sie das sehr respektvoll.

Meisterbrief im Schaufenster

Seit zwei Jahren lebt und arbeitet Stefanie Nakanishi  in Tokio, führt zusammen mit ihrem japanischen Mann Hiroki und ihrem Schwager Kenta den kleinen Augenoptikerladen im Herzen Tokios. Ihr Handwerk lernten alle drei in Deutschland. Und tragen das auch nach außen: Statt Brillen hängen im Schaufenster drei Meisterbriefe.

"Wir verkaufen praktisch auch unseren Meistertitel, weil es sowas in Japan nicht gibt. Es kann jeder kommen und sagen: 'Ich bin Optiker, ich messe Ihre Augen aus, ich schleife Ihre Gläser - ohne jemals irgendwas von Augen gelernt oder gehört zu haben.'"

Stefanie Nakanishi

Kunden schätzen die Meister

Stefanie Nakanishi vor ihrem Geschäft in Tokio

In Japan, dem Land der Hochtechnologie, ist handwerkliches Wissen Mangelware. Und damit eine Marktlücke, die Stefanie Nakanishis Schwager Kenta nutzen wollte. Dafür ging er nach Deutschland. "Ich finde das Dualsystem toll: Man kann in der Schule Fachkenntnisse lernen und am Arbeitsplatz sofort umsetzen", sagt Kenta Nakanishi.

Der Erfolg gibt dem Meister "Made in Germany" Recht. Aus allen Teilen Japans kommen inzwischen die Kunden in den kleinen Laden, mit der noch kleineren Werkstatt, in die gerade einmal zwei Leute hineinpassen. Groß ist dafür die Wertschätzung der japanischen Kunden.

"Sie sprechen meinen Mann oft als Sensei an. Das bedeutet Lehrer oder Arzt. Die Menschen sind überglücklich, dass sie jetzt endlich jemanden gefunden haben, der die Augen richtig ausmessen kann", sagt Stefanie Nakanishi.

In Deutschland ist der Meister selbstverständlich

Der Meisterbrief lockt Kunden in das Geschäft in Tokio

Ortswechsel. Stefanie Nakanishi ist zu Besuch bei ihrer älteren Schwester Christiane in Teublitz (Lkr. Schwandorf). Sie hat das Augenoptikergeschäft von ihrem Vater übernommen. Bereits auf den ersten Blick ist der Unterschied deutlich. Der Laden in Teublitz ist fünf Mal größer als der in Tokio.

In Deutschland sei das Verhältnis des Kunden zu einem Handwerksmeister ein anderes, sagen beide. "In Deutschland ist der Meister selbstverständlich. Deshalb ist es für einen Betrieb schwieriger, sich abzusetzen. Was für uns in Japan ein sehr großer Vorteil ist, weil es diese Meisterqualifikation nicht gibt", sagt Stefanie Nakanishi.

Ausland als Chance

Stefanie Nakanishi bei er Arbeit

Die deutschen Handwerkskammern werben daher auch verstärkt um junge Auszubildende, die nach ihrer Ausbildung eine Tätigkeit im Ausland anstreben. Und in Japan gibt es bereits spezielle Agenturen, die Ausbildungsplätze in Deutschland vermitteln. Allein in Bayern erlernen derzeit 18 junge Japaner einen Handwerksberuf.


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