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Wald bei Arrach Nazischatz-Suche: Ist im Bayerischen Wald das Bernsteinzimmer versteckt?

Wo ist das Bernsteinzimmer? Diese Frage beschäftigte schon Generationen von Schatzsuchern. Jetzt könnte das sagenumwobene Zimmer gefunden worden sein - ausgerechnet im Bayerischen Wald. Da graben Abenteurer nämlich gerade nach einem verschwundenen Nazischatz.

Von: Renate Roßberger

Stand: 06.11.2017

Alles begann 1991, als ein ehemaliger Wehrmachtssoldat zur Familie Mühlbauer kam und in ihrem Wald herumsuchte. Aber der sah fast 40 Jahre später ganz anders aus als 1945.

Aber Xaver Mühlbauer und sein Vater wurden neugierig, denn der Soldat hatte aus der Kriegsgefangenschaft einen alten Plan dabei. Ein Hinweis auf einen Schatz? Zu dem würde passen, was man sich in Arrach über einen geheimen Transport in den letzten Kriegswochen erzählte. "Da wissen wir, dass dort Ausgangssperre für die Bevölkerung gewesen ist", sagt Mühlbauer. Zwei Waggons seien entladen und den Berg hinaufgebracht worden.

Hinweise in Metallkiste entdeckt?

Die Familie machte sich auf die Suche nach dem Schatz. Unterstützt wurde sie dabei von Helmut Siegert, passioniertem Schatzsucher aus Heidelberg. Er glaubt, dass diese Waggons voller Kisten mit Goldbarren gewesen seien. Die Abenteurer fanden im Wald eine vergrabene Metallkiste mit vergilbten Plänen.

"Das ist die Orginalkarte. Ich wusste zuerst nicht, was sie bedeutet. Im Nachhinein haben wir festgestellt: Das ist der Code für die Entschlüsselung."

Helmut Siegert

Helmut Siegert ist jetzt sicher: Damals haben die Nazis hier im Wald noch einen großen Stollen graben lassen und stapelweise Kisten versteckt. In den letzten Tagen des Krieges habe man versucht, alles Wertvolle nach Österreich zu schaffen. Ein Zug wurde aber bombardiert, er kam nie in Österreich an, so Siegert. Dieser Zug soll nach Arrach gefahren sein. In den Waggons vermutet Siegert Teile des Bernsteinzimmers.

Gold oder doch Waffen?

Alles Blödsinn, glaubt der Arracher Heimatforscher Georg Prantl. Tatsache sei, dass die Waffen-SS verschiedene Kisten vergraben hatte. Diese Kisten seien von der einheimischen Bevölkerung geplündert worden, erzählt Prantl. Inhalt seien aber hauptsächlich Sabotagemittel, Sprengstoff und Zeitzünder gewesen.

Bis in die 80er-Jahre konnte man in den Wäldern des Lamer Winkels alte Waffen, Munition, Uniformstücke finden, die die Soldaten am Ende weggeworfen hatten. Ein junger Mann starb sogar, als er eine Panzerfaust ausprobierte. Auch Helmut Siegert sucht seit über 20 Jahren, Xaver Mühlbauer hat Löcher gegraben, immer nur Wertloses gefunden.

Waldbesitzer verbietet Grabungen

Der Wald wurde verkauft, der neue Besitzer suchte früher mit, aber heute sagt er: Es sei alles "ein Schmarrn". Dem Schatzsucher hat er verboten, weiterzugraben. Skeptisch auch Bürgermeister Sepp Schmid (parteilos).

"Ich brauch eins nicht: Das sind tausend Glücksritter mit der Schaufel in unseren Wäldern, die dann alles umgraben. Dass dann die ganzen Hobbysucher mit Mienensuchgeräten kommen und was sie alles haben."

Sepp Schmid, Bürgermeister

Schatzsucher zuversichtlich

Auch Helmut Siegert hat moderne Geräte eingesetzt und ist jetzt sicher: Er hat die genaue Stelle erspürt, an einer Stelle stieß er auf Metall. Allen Skeptikern sagt er:

"Es gibt viele Schatzsucher, aber es gibt keine Schatzfinder. Und ich bin Finder."

Helmut Siegert

Nur graben und das Rätsel endlich lösen dürfe er eben nicht, sagt Siegert.


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Kommentare

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Ralf, Mittwoch, 08.November, 19:44 Uhr

7. Made in Germany

Made in Germany wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt...nicht Anfang des 20. Daher kann das schon passen mit der gefundenen Tröte.

Manuel, Mittwoch, 08.November, 11:37 Uhr

6. Fragliche Interpretation

Bei der Kiste, die Herr Siegert gefunden hat, ist bezüglich der Deutung des Inhaltes doch erhebliche Skepsis geboten. Die Tröte zeigt sichtlich die Aufschrift "Made in Germany", dürfte daher wohl eher ein Nachkriegsmodell sein. Auch die Schriftbilder auf der Schatzkarte deuten eher auf einen kindlichen Schreiber hin. Wer sagt denn, dass da nicht einfach Kinder im Wald gespielt haben und eine "Schatzkiste" vergraben haben? Diese Lösung erscheint mir viel nahe liegender als das Bernsteinzimmer.
Manuel, Forschungsgruppe X-TEAM

websaurier, Dienstag, 07.November, 13:45 Uhr

5. Auch mal wieder...


...dürfte wohl mittlerweile der zwanzigste "sichere Tipp" in Sachen Bernsteinzimmer sein...
Der letzte stammt aus 2016 (Polen...)

Münchner1977, Montag, 06.November, 19:13 Uhr

4.

Zu den drei Patronen. Hierbei handelt es sich, rein optisch wohl um 8x57 Patronen mit einem langen Teilmantelrundkopfgeschoss mit altem Flussstahlmantel. Also Jagdmunition und nix Militärisches. Die kleine Tröte, wohl nur 10cm lang, sieht mir auch eher wie was jagdliches aus. Da bin ich kein Experte, aber vielleicht eine Art Blatter (?).
Wohl hat das mal ein Jäger so im Wald verloren.....

  • Antwort von max, Montag, 06.November, 20:21 Uhr

    Sie meinen also der, der das "Metalleisen" gefunden hat, könnte wie 1000 andere auch irgendwo zwischen Phantast und Aufschneider aufgehoben sein? ;-) Hat hier aber schon ein Groupie.
    Und Sie haben recht, die "Tröte", wohl aus "Metallmessing", dürfte ca. 10 cm groß sein (wenn man die Patronen im Vergleich sieht), also deutlich eher keine "Hupe" zur Warnung bei Sprengungen sondern wohl eine Jäger-"Hupe" zum Anlocken von Wild. Würde mich ja nicht wundern, wenn da "MADE in CHINA" draufstünde, leider kann man ja nur MADE lesen. Und die runden Patronenspitzen sprechen, wie Sie richtig anmerken, gegen Militärmunition.
    Dass sich die Provinzreporter immer so leicht vera...en lassen.

  • Antwort von Deigl, Mittwoch, 08.November, 20:57 Uhr

    Das mit dieser Ausführung der Patronen geht schon i. O. so! Ist eben immer noch die "I" (für Infanterie) Ausführung, und wurde später durch die "IS" (Infanterie-Spitz) ersetzt - nachzulesen in Jagdforen oder auch bei WiKi, wenn man nach "8x57IS) oder auch "7,92x57IS" googeln sollte...

    Weiterhin: der Patronentyp "I" (= Ogivalgeschoß) wurde bei der Reichswehr UND anfangs auch noch für die damalige Wehrmacht (bis der Vorrat an denen aufgebraucht war!) verwendet.

    Aber es geht auch hier nicht primär um Geschosskunde, sondern um die evtl. Verbringung anderer Güter in dem Artikel :)

Andrea, Montag, 06.November, 18:06 Uhr

3. Bei der Mittelbayerischen gibt es mehr Daten dazu - Grabungen bitte!

Auch in der Mittelbayerischen gibt es eindeutigere Hinweis:7

Mittelbayerische: Liegt das Bernsteinzimmer im Kreis Cham? (06. November 2017 05:30 Uhr)

"Siegert hatte bei dem Ortstermin alle Fundstücke dabei. Auf den Plänen vermerkt sind Zahlen und Daten, die er jahrelang versucht hat, zu entschlüsseln. Kontinuierlich hat er alljährlich dort gegraben. „Es hat sich hingezogen über 23 Jahre.“ Er ist überzeugt von seiner Vermutung: „Wenn da 23 Heuwägen durch den Wald gefahren sind, dann liegt da nicht nur eine Kiste im Wald.“ Aufgeschlüsselt spricht er von 95 Kisten, davon 55 Kisten Barrengold. „Munitionskisten sind 68 Zentimeter lang, 30 breit, 20 hoch. Da kriegen Sie zehn Barren rein. Es könnte also ein Teil des Bernsteinzimmers und Gold dort eingelagert sein.“ Auch Raubkunst jüdischen Erbes vermutet er im Bayerischen Wald. Die Reichsbank Berlin hatte in Regensburg eine Zweigstelle."

Von daher wäre es gut, wenn dort gegraben werden duerfte!